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Bisher hat Bayern ungefähr so viel Strom verbraucht wie produziert. Das hat sich letztes Jahr geändert. Und Prognosen zeigen, dass der importierte Anteil an der benötigten Strommenge wohl weiter steigen wird.

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Bayern muss künftig mehr Strom importieren

Bisher hat Bayern ungefähr so viel Strom verbraucht wie produziert. Das hat sich letztes Jahr geändert. Und Prognosen zeigen, dass der importierte Anteil an der benötigten Strommenge wohl weiter steigen wird.

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Vor seiner Regierungserklärung zur Energiepolitik in Bayern hat es Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) selbst bestätigt: Die Eigenversorgung an Strom in Bayern sei zurückgegangen "weil wir ein Trockenjahr hatten und die Wasserkraft nicht das gebracht hat, was es hätte bringen können". Seit 2018 deckt sich die Strommenge, die Bayern erzeugt und die Bayern verbraucht nicht mehr. Netto waren es circa zehn Terawattstunden, also gut zehn Prozent der verbrauchten Strommenge, die importiert wurden.

Atomausstieg und Klimawandel

Das liegt aber nicht nur an der Wasserkraft. Die Herausforderungen für die Energiewende werden noch größer, wenn im Jahr 2022 die bayerische Atomenergie wegfällt. Das Kraftwerk Gundremmingen B wurde schon abgeschaltet. Zusätzlich werden die Kraftwerke Gundremmingen C und Isar 2 vom Netz gehen. Diese hatten pro Jahr circa 22 Terawattstunden produziert.

Neue Prognose für Bayern: Stromimporte steigen

Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft in München, hat für den Bayerischen Rundfunk eine Prognose zu künftigen Stromimporten erstellt. Seine Schlussfolgerung für den Freistaat:

"Bayern wird in Summe mehr importieren müssen, weil die Atomenergie rausfällt. Es werden zwar weiter die Erneuerbaren ausgebaut, aber wir werden in Summe mehr importieren als heute." Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft

Konkret bedeutet das, dass der Anteil der Strommenge, der importiert werden muss im Jahr 2025 auf bis zu 30 Prozent des benötigten Stroms ansteigen könnte. So die Prognose der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft. Die erneuerbaren Energien tragen schon viel zur Stromversorgung bei, können jedoch derzeit die Strommenge, die durch den Atomausstieg wegfallen wird, noch nicht ausgleichen.

Keine Probleme mit der Versorgungssicherheit

Importe an sich seien kein Problem, so der Energiewirtschaftsforscher von Roon.

"Import heißt nicht unbedingt Problem in der Versorgungssicherheit. Import heißt einfach: Austausch mit anderen." Serafin von Roon, Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft München

Vor allem aus Norddeutschland wird der Strom kommen. Zusätzlich auch noch bis zu drei Mal so viel aus Österreich als bisher. Dort wird am meisten Strom mit Wasserkraft erzeugt. Die Importe aus Tschechien nehmen laut der Prognose leicht zu, bleiben aber auf einem sehr niedrigen Niveau – Importe aus Frankreich bleiben konstant über die Jahre.

Importe als Chance auf günstigen Strom

Wenn der Großteil des Stroms aus Norddeutschland kommen sollte, dann könnte das auch bedeuten, dass "wir in vielen Stunden aus anderen Gebieten günstiger Strom haben können. Beispiel: windreicher Tag. Dann wäre es dumm aus bayerischer Sicht nicht zu importieren, weil wir ja den günstigen Strom aus Norddeutschland bekommen", so Serafin von Roon von der Forschungsgesellschaft.

Ziel sei "nicht Vollversorgung Bayerns"

Den Grünen im Landtag ist vor allem wichtig, wie der Strom in Bayern produziert wird und dass der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben wird. Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz der Grünen-Fraktion meint, dabei sehe man, dass dieses Ziel nicht jedes Bundesland allein für sich erreichen müsse. "Wir brauchen keine Vollversorgung."

Das Bayerische Wirtschaftsministerium setzt auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie auf klimafreundliche und rentable Gaskraftwerke. Diese hatten die Grünen im Landtag im Vorfeld kritisiert. Umstritten bleibt derzeit auch, wie der Strom nach Bayern kommen soll – die Freien Wähler sprechen sich weiterhin gegen neue Leitungen von Norden nach Süden aus.