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Bayern verschärft Corona-Auflagen ab Inzidenzwert 100 | BR24

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Bayerns Ministerpräsident Söder hat für Regionen mit einer Zahl von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen eine Beschränkung von Veranstaltungen auf maximal 50 Teilnehmer und eine Sperrstunde ab 21.00 Uhr angekündigt.

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Bayern verschärft Corona-Auflagen ab Inzidenzwert 100

In Bayern gelten künftig ab einem Inzidenzwert von 100 zusätzliche Corona-Beschränkungen. Veranstaltungen mit über 50 Personen werden dann untersagt, die Sperrstunde gilt schon ab 21 Uhr, wie Ministerpräsident Söder im Landtag ankündigte.

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Von
  • Maximilian Heim
  • Petr Jerabek

Ab morgen gibt es in Bayern einen weiteren Corona-Grenzwert, der zusätzliche Beschränkungen nach sich zieht: Ab einem Inzidenzwert von 100 (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) sind in einer Region keine Veranstaltungen mit über 50 Personen erlaubt. Das hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner heutigen Regierungserklärung angekündigt.

Die Verschärfung betrifft vor allem Kultur- und Vereinsveranstaltungen, die bislang auch bei höherer Inzidenz mit einem Hygienekonzept innen für bis zu 200 und außen für bis zu 400 Teilnehmer erlaubt waren. Gottesdienste, Hochschulveranstaltungen und Demonstrationen sollen dagegen laut Söder auch bei einem Inzidenz-Wert über 100 mit mehr Teilnehmern möglich bleiben. Auch Schulen und Kitas sollen dann nach Möglichkeit offen bleiben - in der Gastronomie wird die Sperrstunde dagegen ab dem 100er-Wert auf 21 Uhr vorgezogen.

Bald Testpflicht für Berufspendler?

"Wir nehmen Corona ernst", betonte Söder. "Jeder einzelne muss mitmachen." Das Virus bleibe gefährlich. Mit Blick auf die gestiegenen Infektionszahlen sagte er: "Es kann ganz, ganz schnell gehen." Zudem verwies der Ministerpräsident darauf, dass die Zahlen von heute die Infektionen vor zehn Tagen seien. Gleichzeitig bemühte sich Söder um Optimismus: "Wir werden Corona erneut trotzen." Für Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes kündigte Söder einen 500-Euro-Bonus an. Für Solo-Selbstständige wie freischaffende Künstler soll es neue staatliche Hilfen geben - etwa Stipendien für junge Künstler.

Der Ministerpräsident will auch eine Testpflicht für Berufspendler aus ausländischen Corona-Hotspots einführen. Wer sich binnen 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat und nach Deutschland zum Arbeiten pendelt, soll demnach künftig einmal pro Woche einen negativen Corona-Test vorweisen müssen. Das dürfte insbesondere Berufspendler aus Österreich und Tschechien treffen. "Unser Ziel ist, dass die Grenzen offen bleiben", betonte Söder. Dafür müsse man aber für mehr Sicherheit sorgen.

Schulze: Söder soll "eigene Hausaufgaben" machen

Die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze warf dem Ministerpräsidenten vor, die Corona-Krise für die eigene Profilierung zu nutzen. Es sei dreist, sich immer noch breitbeinig hinzustellen und anderen Bundesländern Ratschläge zu erteilen, obwohl es auch in Bayern Probleme gebe. Statt auf andere zu zeigen, müsse Söder die eigenen Hausaufgaben machen.

"Wir müssen bei Corona alle Teamspieler sein", betonte Schulze. Es sei auch widersprüchlich, wenn Söder an einem Tag mehr bundeseinheitliche Regeln fordere und am nächsten für Bayern eine neue Stufe bei der Corona-Ampel ankündige. Die Grünen fordern laut Schulze dagegen bundesweite Standards und "eine gemeinsame Strategie".

Weitere Stimmen aus der Opposition finden Sie hier.

Streibl für Nachbesserungen beim Inzidenz-Wert

Allerdings gibt es über die neue "dunkelrote" Warnstufe innerhalb der Regierungskoalition offenbar noch Redebedarf: Der Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl sprach sich für Nachbesserungen und "dynamischere" Grenzwerte aus. Man müsse den Inzidenzwert zudem noch "flankieren", etwa mit der Zahl der belegten Intensivbetten.

Bereits unmittelbar vor Söders Regierungserklärung hatte Streibl sich verärgert über dessen interne Kommunikation gezeigt. "Das hätte man schon besprechen können", sagte er mit Blick auf den neu eingeführten 100er-Grenzwert.

Ab Inzidenz-Wert 50 strenge Kontaktbeschränkungen

Bisher führen die Inzidenzwerte 35 und 50 zu jeweils verschärften Einschränkungen in Bayern. Ab dem Warnwert 35 (Stufe gelb) gelten in den betroffenen Gegenden eine verschärfte Maskenpflicht, striktere Kontaktbeschränkungen auf maximal zehn Personen oder zwei Hausstände sowie eine Sperrstunde in der Gastronomie ab 23 Uhr. Ab dem sogenannten Grenzwert 50 (Stufe rot) gelten vor Ort noch schärfere Kontaktbeschränkungen - dann dürfen sich noch fünf Personen oder zwei Hausstände treffen. Für die Gastronomie gilt die Sperrstunde dann schon ab 22 Uhr.

Aktuell überschreiten immer mehr Regionen in Bayern den Grenzwert 50 teils deutlich. Heute Morgen lagen in Bayern sogar mehrere Regionen über dem Inzidenz-Wert 100. Die höchste Inzidenz im Freistaat weist derzeit der Landkreis Berchtesgadener Land (262,4) auf, wo das öffentliche Leben seit Dienstag für zwei Wochen weitgehend heruntergefahren ist.

Die Regierungserklärung in voller Länge:

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Ministerpräsident Markus Söder hat neue Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie verkündet. Neu sind unter anderem verschärfte Beschränkungen ab einem Inzidenzwert von 100.

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