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Immer mehr Frauen und Familien von Wohnungslosigkeit betroffen | BR24

© dpa

"Jeder Mensch braucht ein Zuhause" steht in Berlin im Haus der Caritas auf Werbe-Karten (Archivbild).

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    Immer mehr Frauen und Familien von Wohnungslosigkeit betroffen

    Einsam, eigen, verwahrlost: dieses Klischee von Wohnungslosen hält sich bis heute. Doch die Situation ist viel komplexer, und sie betrifft - wegen der angespannten Wohnungssituation - immer mehr Menschen in Bayern, oft auch ganze Familien.

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    Eine Kochgelegenheit im eigenen Zimmer, wo sie sich einen Kaffee zubereiten kann. Ein bisschen Normalität in einem Leben, das aus den Fugen geraten ist. Ihren Namen möchte die 40-jährige nicht nennen, denn in ihrem Bekanntenkreis wissen viele nicht, dass sie bei ihrem Ex-Mann ausgezogen ist.

    Miete fast so hoch wie Monatsgehalt

    Die Trennung ist auch der Grund, weshalb sie derzeit im Frauenobdach "Karla 51" der Inneren Mission München lebt. An eine eigene Wohnung ist nämlich nicht zu denken. "Ich schau schon, aber es ist ziemlich hoffnungslos", erzählt sie. Die Miete würde fast ihr ganzes Monatsgehalt auffressen: "Also ich müsste immer noch aufstocken, und irgendwie will man doch finanziell frei sein, selber mit seinem Geld zurechtkommen."

    Mehr wohnungslose Frauen

    Doch auch im Frauenobdach ist der Platz knapp. Rund 200 Frauen kommen jedes Jahr hier unter, weitere 600, die ebenfalls einen Anspruch hätten, müssen die Mitarbeiterinnen abweisen. Dabei beobachten sie seit Jahren, dass der Anteil von Frauen unter den Wohnungslosen steigt. Bundesweit hat sich ihr Anteil in den letzten Jahren sogar verdoppelt.

    Deutlicher Zusammenhang mit Hartz IV

    Isabel Schmidhuber, Leiterin des Frauenobdachs, sieht einen deutlichen Zusammenhang mit Hartz IV. Die Abwärtsspirale gehe viel schneller seit 2004 Hartz IV eingeführt worden ist, sagt sie. Es träfe auch "immer mehr Frauen aus der sogenannten Mittelschicht", die wohnungslos werden aufgrund von Eigenbedarfskündigungen oder Arbeitslosigkeit. Häufig seien auch Arbeitsplätze mit Bettplätzen verbunden, so Schmidhuber: "Fällt der Job weg, fällt die Übernachtungsmöglichkeit weg."

    Und was wir in den letzten zehn bis 15 Jahren merken, dass immer mehr Mütter mit Kindern wohnungslos werden. Wir haben vor 15 Jahren pro Jahr vielleicht zehn Kinder im Haus gehabt. Allein in diesem Jahr haben wir bereits 37." Isabel Schmidhuber

    Zunahme um 30 Prozent in drei Jahren

    Ein Trend, der auf den gesamten Freistaat zutrifft, zumindest, wenn man auf die Ballungsräume schaut. Wurden 2014 noch rund 12.000 Wohnungslose gezählt, so waren 2017, zur letzten Erhebung, bayernweit bereits 15.500 Menschen ohne Wohnung. Eine Zunahme um fast 30 Prozent. Unter ihnen befinden sich auch Familien.

    Oft versuchen sie zunächst, ihre Notlage mit eigenen Mitteln zu beheben, beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Häufig haben die Familien zwar Anspruch auf Arbeitslosengeld 2, doch sie finden auf dem überteuerten Immobilienmarkt keine finanzierbare Wohnung.

    Kinder leiden besonders

    So lebte fast die Hälfte der akut Wohnungslosen bei Freunden, Bekannten und Familienangehörigen, bevor sie die Dienste der freien Träger aufsuchten. Die Kinder leiden besonders, weiß Isabel Schmidhuber: "Die können eigentlich keine Schulkameraden zu sich nach Hause einladen, sie haben kein eigenes Zimmer, sie merken einfach auch am Wohlstand von den anderen Kindern, wie viel weniger sie haben, und die Kinder sind einfach ganz, ganz arg benachteiligt."

    Das Evangelische Hilfswerk hat in München daher gerade ein Projekt lanciert, bei dem Familien zielgerichtet Unterstützung erhalten. Um die Zeit der Wohnungslosigkeit so kurz wie möglich zu halten.

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