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Bayern im Goldrausch | BR24

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Gold ist so gefragt wie schon lange nicht mehr: in dieser Woche ist der Goldpreis auf mehr als 45 Euro pro Gramm geklettert, ein neuer Rekord. Das macht sich auch bei den bayerischen Edelmetallhändlern und Banken bemerkbar.

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Bayern im Goldrausch

In dieser Woche erreichte der Goldpreis mit über 45 Euro pro Gramm ein Allzeithoch. Die Anleger investieren zurzeit so stark in Gold wie schon lange nicht mehr. Das macht sich auch bei den bayerischen Edelmetallhändlern und Banken bemerkbar.

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In Bayern grassiert das Gold-Fieber: Die Nachfrage ist sprunghaft gestiegen - verglichen mit 2018 um fast 100 Prozent. Doch nicht immer ist es sinnvoll, in Gold zu investieren.

Goldanlage immer beliebter

Im Vorraum des Handelshauses Auragentum in Erding stehen acht Kunden. Nicht gerade wenig für einen Mittwochvormittag. Wirtschaftsmagazine auf einem Glastisch und Espresso zur freien Verfügung sollen die Wartezeit verkürzen. Sie alle wollen Gold kaufen, aber lieber nicht darüber sprechen. Vertriebsleiter Benjamin Schreiber gibt sich da deutlich redefreudiger.

"Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr um fast 100 Prozent gestiegen. Die einen Kunden wollen noch unbedingt auf den fahrenden Zug aufspringen, die anderen sehen das als Wertspeicher, als Kaufkrafterhalt und als Absicherung vor einem Crash des Finanzsystems." Benjamin Schreiber, Handelshaus Auragentum

Ein ähnliches Bild bietet sich beim Edelmetallhändler Heubach in der Nähe von Nürnberg: Seit einigen Monaten hat hier das Geschäft noch mal richtig angezogen, sagt Geschäftsführer Andreas Heubach. 15 Meter lang sei die Schlange der Goldkäufer dann, meint der Händler.

"Die Leute kaufen momentan wirklich sehr viel und kommen immer wieder. Manchmal stehen die Kunden vom Verkaufsraum auf die Straße hinaus bis nebenan zum Bäckerladen." Andreas Heubach, Edelmetallhändler

Goldrausch in Bayern

Der aktuelle Hype zeigt sich auch am Goldumsatz der Bayerischen Landesbank. Sie ist einer der führenden Goldhändler Europas und beliefert unter anderem die bayerischen Sparkassen mit Goldmünzen und Goldbarren. Dort werden nach Angaben von Abteilungsleiter Michael Eubel zurzeit täglich 3.500 Aufträge abgearbeitet statt 2.200 wie sonst üblich. Goldene Zeiten. Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern hingegen hat das Goldfieber noch nicht gepackt. Im Gegenteil: er rät Kleinanlegern zur Zurückhaltung.

"Wenn man von dem Hype bereits hört, ist es letztendlich schon zu spät, dann ist der Goldpreis schon zu hoch. Sinnvoll ist es, nur dann zu kaufen, wenn die Finanzmärkte sehr gut laufen und der Goldpreis im Keller ist, weil die Nachfrage niedrig ist. Dazu gehört ein gewisses Finanzmarktwissen. Für die allermeisten Kleinanleger ist Gold also nicht der richtige Weg." Sascha Straub, Verbraucherzentrale Bayern

Nur kleinen Teil des Vermögens in Gold anlegen

Maximal zehn Prozent ihres Vermögens sollten Kleinanleger in Gold investieren, empfiehlt der Finanzberater. Gold bringt keine Zinsen und Käufer zahlen beim Erwerb von Münzen oder Barren zwischen drei und fünf Prozent als Aufgeld. Die Differenz zwischen Ankauf- und Verkaufspreis der Händler. Manche Kunden bewegen aber ganz andere Argumente zum Goldkauf. Noch kann in Deutschland jeder bis 9.999 Euro anonym Gold kaufen. Erst ab 10.000 Euro gilt Ausweisplicht. Wenn der Entwurf zur Umsetzung der fünften EU-Geldwäscherichtlinie wie geplant in Kraft tritt, wird diese Grenze ab 10. Januar auf 2.000 Euro gesenkt. Und diese Aussichten lösen bei manchen Kunden Torschlusspanik aus, sagt Benjamin Scherer von Auragentum in Erding.

"Wir merken verstärkt, dass Kunden jetzt noch die Gelegenheit nutzen um Gold anonym für 9.999 Euro zu kaufen. Da kommen Leute sogar in Fahrgemeinschaften und reizen dann gemeinsam diese Grenzbeträge aus." Benjamin Scherer, Auragentum

Für normale Privatanleger ohne Ängste spielt das anonyme Tafelgeschäft aber eigentlich keine Rolle. Und für Händler wie Benjamin Scherer eigentlich auch nicht. Durch den bevorstehenden Brexit, internationale Handelskonflikte und die kriselnde Konjunktur wird Gold auch weiterhin genügend Käufern als sicherer Hafen erscheinen und die Nachfrage damit weiter steigen, davon ist der Edelmetallhändler überzeugt.

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Bayern kaufen Gold