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Glasfaser nur in jedem siebten Haushalt Bayerns | BR24

© dpa/pa, Goldmann

Farbige Leerrohre, in die später die Glasfaserkabel verlegt werden

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    Glasfaser nur in jedem siebten Haushalt Bayerns

    Breitbandausbau heißt heute Glasfaser-Ausbau. Bayern fördert den Ausbau in unrentablen Gegenden stark. Doch es kann auch ohne staatliche Subventionen gehen, wie sich am Beispiel einer Allianz von fünf unterfränkischen Gemeinden zeigt.

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    Als 9.000-Einwohner-Stadt schafft man es normalerweise nicht so oft in die Nachrichten. Aber an diesem Montag ist Berching im Landkreis Neumarkt i.d. Oberpfalz überregionale Aufmerksamkeit gewiss. In Berching wird das erste nach neuer Richtlinie geförderte Gigabitnetz in Betrieb genommen. Zur Einweihung war auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker da.

    Internetverbindung, aber keine schnelle in Berching

    Berching war bislang ein so genannter "grauer NGA-Fleck". Dieser Begriff kommt von der EU und bezeichnet Orte, in denen es eine Internetversorgung mit mind. 30 Mbit/s im Download gibt (was laut EU-Definition schon schnelles Internet ist), aber noch keine 100 Mbit/s für Privatanschlüsse bzw. 200 Mbit/s symmetrisch (das heißt gleiche Geschwindigkeit im Download und im Upload) für gewerbliche Anschlüsse übertragen kann.

    Grüne kritisieren Doppelförderung

    Dass Bayern Berching und fünf andere Pilotgemeinden überhaupt fördern durfte, war ein Politikum. Denn bislang war es verboten, den Breitbandausbau in einem Ort, der schon schnelles Internet hat, nochmals mit öffentlichen Mitteln zu fördern. Nach langen Verhandlungen hat die EU-Kommission Bayern diese Art der Förderung doch erlaubt. Die Grünen im Landtag kritisieren diese Doppelförderung: "Jahrelang wurden Millionen Euro an Fördermitteln in nicht zukunftsfähige Kupferkabel investiert. Folglich müssen die bereits geförderten Anschlüsse nun ein zweites Mal mit Steuergeldern subventioniert werden", sagt Benjamin Adjei, Sprecher für Digitalisierung der grünen Landtagsfraktion, gegenüber BR24.

    Adjei spielt darauf an, dass Bayern von 2014 - 2020 vor allem indirekte Glasfaseranschlüsse gefördert hat, bei denen das Glasfasernetz nur bis zum Verteilerkasten in der Straße, aber nicht bis ins Haus gereicht hat. Die "letzte Meile" zwischen Verteilerkasten und Wohnung wird in vielen Haushalten noch mit dem Kupferdraht der Telefonleitung überbrückt. Dort sind nur 50 Mbit/s möglich, durch die "Super Vectoring"-Technik, die die Telekom seit einigen Jahren einsetzt, lässt sich dieser Wert auf 250 Mbit/s im Download erhöhen, was aber immer noch weit unter den 1.000 Mbit/s und mehr liegt, die sich mit einem Glasfaserkabel erzielen lassen.

    Bayern will ein flächendeckendes Gigabitnetz bis 2025

    Nach der neuen, im März in Kraft getretenen, bayerischen Gigabitrichtlinie, können nur Anschlüsse mit Bandbreiten von 1 Gibt/s für Gewerbebetriebe und 200 Mbit/s gefördert werden, in beiden Fällen symmetrisch, also mit gleicher Übertragungsrate im Down- und Upload. Und das lasse sich nach derzeitigem Stand der Technik ausschließlich mit Glasfaser bis in die Gebäude (FTTB) realisieren, schreibt das bayerische Finanzministerium auf BR24-Anfrage.

    Der Glasfaserausbau spielt die zentrale Rolle bei der Erreichung des ehrgeizigen Ziels, das sich sowohl die Bundesregierung als auch die bayerische Staatsregierung gesetzt haben: Bis 2025 soll das ganze Land Gigabit-fähig sein, also an ein Netz angeschlossen sein, dass eine Download-Rate von 1 Gbit/s ermöglicht.

    💡 Glasfasernetz

    Bei einer Glasfaserleitung werden die Daten optisch in Form von Licht übertragen. Das bedeutet, dass der Signalverlust und der mögliche Störeinfluss deutlich geringer sind als bei einer elektrischen Signalübertragung. Mit Glasfaserleitungen sind Datentransfer-Raten von mehreren Gigabit pro Sekunde möglich - sowohl im Download als auch im Upload.

    Wie viel von dieser Geschwindigkeit einem Nutzer zur Verfügung steht, hängt davon ab, wie seine Wohnung mit dem Glasfasernetz verbunden ist. Am besten ist es, wenn das Glasfaserkabel bis in die Wohnung geht. Auch ein Anschluss über das (Fernseh-)Kabelnetz ist gigabitfähig.

    Wer "nur" über ein konventionelles Telefon-Kupferkabel mit dem Glasfasernetz verbunden ist, kann nur eine deutlich geringere Datenrate von maximal 250 MBit/s nutzen. Etwa jeder siebte Haushalt ist direkt ans Glasfasernetz angeschlossen

    Mehr als 53.000 km Glasfaserleitungen sind nach Angaben des Finanzministeriums bislang in Bayern verlegt worden, in allen 2056 bayerischen Gemeinden gibt es Glasfaser. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass auch jedes Haus ans Glasfasernetz angeschlossen ist.

    Mitte 2019 hatten laut Breitbandatlas der Bundesregierung 14,2 Prozent der bayerischen Haushalte einen direkten Glasfaseranschluss, was damals Platz drei hinter Hamburg und Schleswig-Holstein bedeutete und knapp vier Punkte über dem Bundesdurchschnitt von 10,5 Prozent lag. Ein Jahr später dürfte der Wert etwas höher liegen.

    Glasfasernetze gibt es vor allem in Ballungsräumen

    Direkte Glasfaseranschlüsse gibt es vor allem in den Ballungsräumen. Die Firma M-Net setzt stark auf den Bau von Glasfasernetzen. Vor allem in den Regionen München, Augsburg, Nürnberg/Fürth/Erlangen ist M-Net sehr stark vertreten. Zu den Gesellschaftern von M-Net gehören die Stadtwerke der genannten Städte.

    Vereinzelt gibt es auch auf dem Land Gemeinden, in denen ein direkter Glasfaseranschluss schon in drei Vierteln oder noch mehr der Haushalte verfügbar ist, wie ein Blick in die Kartenversion des Breitbandatlas zeigt. Dazu zählen zum Beispiel Altomünster (Landkreis Dachau), Gerolsbach (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) oder Markt Nordheim (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim).

    Auf dem Land ist der Bau oft nicht lukrativ

    In der Regel ist Glasfaser bis ins Haus auf dem Land aber noch die Ausnahme. Das liegt auch daran, dass die es sich für Telekommunikationsunternehmen oft nicht lohnt, Glasfaser bis in jedes Haus zu verlegen. "In Bayern haben wir Gemeinden, die 30 bis 40 Anschlüsse ausschreiben - das ist natürlich weniger attraktiv", sagt Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag. Es gibt bundesweit attraktivere Projekte für Telekommunikationsanbieter, denn diese sind derzeit sehr gefragt und können sich aussuchen, wo sie Angebote machen. Oft gefördert durch Mittel aus dem Breitbandförderprogramm des Bundes. (Wie dieses funktioniert, darüber hat BR24 in diesem Artikel berichtet).

    Westspessart: Glasfasernetz ohne staatliche Zuschüsse

    Im Westspessart in Unterfranken haben sich die fünf Gemeinden Sailauf Bessenbach, Haibach, Laufach, Waldaschaff im Westspessart zur einer kommunalen Allianz namens "Wespe" zusammengetan. Dort baut nun die Deutsche Glasfaser ein Glasfasernetz, nachdem sich mehr als 40 Prozent der gut 12.000 Haushalte entschieden hatten, sich einen Glasfaseranschluss ins Haus legen zu lassen und einen Vertrag bei dem Unternehmen abzuschließen. Die Deutsche Glasfaser arbeitet in diesem Projekt komplett eigenwirtschaftlich und benötigt keine öffentlichen Zuschüsse.

    Der Verband der Anbieter von Telekommunikation und Mehrwertdienste (VATM), in dem private Telekommunikationsanbieter wie die Deutsche Glasfaser vertreten sind, hält eine Vertragsabschlussquote von 40 Prozent der Haushalte für die Grenze, ab der sich der Bau eines Glasfasernetzes lohnt.

    Nachfrage mit Glasfaser-Gutscheinen ankurbeln

    Um die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen zu erhöhen, haben der VATM und der Telekommunikationsverband BREKO verschiedene Varianten von Glasfaser-Gutscheinen vorgeschlagen. Dazu zählt ein "Anschluss-Voucher" in Höhe von 500 Euro, der die Kosten für die Verlegung der Glasfaser vom Bürgersteig bis ins Haus bzw. Gebäude teilweise decken soll. Für die Glasfaserverkabelung im Gebäude selbst empfehlen die Verbände einen "Inhouse-Verkabelungs-Voucher" in Höhe von 150 Euro pro Wohneinheit.

    Auch die Grünen im Landtag halten das für eine gute Idee: "Ein Gutschein oder Voucher-System, dass die Anschlusskosten ganz oder teilweise fördert, könnte helfen, die Nachfrage zu erhöhen und den Ausbau insgesamt anzukurbeln". Benjamin Adjei, Sprecher für Digitalisierung der grünen Landtagsfraktion.

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