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Bayern gehen die Fahrlehrer aus | BR24

© picture alliance / Swen Pförtner/dpa

Bayern gehen die Fahrlehrer aus

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Bayern gehen die Fahrlehrer aus

Der Fachkräftemangel in Bayern breitet sich aus. Stark davon betroffen ist die Fahrschulbranche. Fahrschüler müssen immer länger auf Fahrstunden warten, weil in Bayern zunehmend die Fahrlehrer fehlen.

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Die elektronische Laufschrift im Fenster der Fahrschule im oberbayerischen Holzkirchen klingt schon fast flehend: "Fahrlehrer gesucht – wir stellen ein zu Top-Konditionen" heißt es da. Davor steht Florian Kolbinger. Er betrachtet grimmig seinen Terminplaner. Kolbinger ist hier der Fahrlehrer, der einzige in Vollzeit. Ein Kollege, der eigentlich schon im Ruhestand ist, hilft gelegentlich noch aus. Aber das reicht nicht. Die Folge: Kolbinger muss bis an die Belastungsgrenze arbeiten. Jetzt kommt gleich der erste Fahrschüler, danach folgt dann einer auf den anderen, bis 22.00 Uhr. Pause? Fehlanzeige.

Fahrlehrer am Belastungslimit

"Das ist schon ganz schön anstrengend." sagt der 45-jährige. "Schließlich müssen wir ja auch die ganze Zeit hochkonzentriert bleiben. Ausbilden und gleichzeitig aufpassen, sonst baut man am Ende noch einen Unfall. Da wäre eine kleine Erholung zwischendrin schon ganz gut. Aber es geht momentan nicht anders. Wir haben einfach zu wenig Leute." Florian Kolbinger hat immer eine große Sporttasche dabei, in der sein Terminplaner und vier belegte Brote liegen. Zwischendrin stillt er schnell den ärgsten Hunger beim Umsteigen.

Zwei Drittel der bayerischen Fahrschulen sucht Leher

Kolbinger ist kein Einzelfall. Rund zwei Drittel aller Fahrschulen in Bayern suchen zurzeit Personal und bekommen niemanden. Laut Kraftfahrt- Bundesamt ist die Zahl der Fahrlehrer in Bayern seit 2008 von 9.100 auf 8.000 gesunken. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen hat der Fahrlehrer-Beruf kein besonders positives Image. Der Frauen-Anteil liegt bei knapp 10 Prozent. Außerdem gibt keine staatlichen Ausbildungsstellen. Die Branche lebt von Umsteigern. Wer Fahrlehrer werden will, muss eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, und kann sich dann bei einer privaten Fahrlehrerschule zum einjährigen Lehrgang anmelden. Der kostet rund 12.000 Euro. Das schreckt viele ab.

Bund bildet kaum noch Fahrlehrer aus

Das Verkehrsinstitut München gehört zu den wenigen privaten Schulen, die Fahrlehrer ausbilden. Martin Hunger ist hier der Geschäftsführer. Er meint: "Wir haben wirklich viele Probleme in der Branche. Zum einen sind wir überaltert, und in den nächsten Jahren werden weitere Kollegen in den Ruhestand gehen, die kaum ersetzt werden können. Außerdem waren früher viele Fahrlehrer ehemalige Bundeswehrangestellte, die dort zum Beispiel ihren LKW-Führerschein gemacht hatten. Aber jetzt bildet der Bund kaum noch aus, und das bekommen auch wir zu spüren."

Neues Gesetz soll Einstieg erleichtern

Aber es gibt einen Lichtblick: Seit Anfang des Jahres gilt eine neue gesetzliche Regelung, um den Zugang zum Fahrlehrerberuf zu erleichtern. Bis dahin mussten Fahrlehrer neben dem PKW- auch den Motorrad- und LKW-Führerschein besitzen. Das ist jetzt nicht mehr notwendig. Der PKW-Führerschein alleine reicht aus, um Fahrstunden im PKW zu geben.

Bei Martin Hunger macht sich das bemerkbar: Seit Jahresbeginn sind seine Klassen wieder voll, und es interessieren sich vor allem deutlich mehr Frauen für den Beruf. Immerhin: Die Verdienstmöglichkeiten haben sich wegen des Fahrlehrermangels verbessert. Fahrlehrer verdienen aktuell ca. 3.600 Euro brutto, das war früher deutlich weniger.

Insofern kündigt sich langsam eine Trendwende an. Bis die neuen Kolleginnen und Kollegen in den Fahrschulen einsetzbar sind, dauert es aber noch mindestens ein Jahr. Bis dahin müssen Fahrschüler in Ballungsräumen auch weiterhin bis zu drei Wochen warten, bis sie eine Fahrstunde bekommen.

Auch Florian Kolbinger wartet sehnlichst darauf, endlich einen neuen Kollegen oder eine Kollegin zu bekommen. Dann müsste er in seiner Fahrschule nicht mehr den Großteil der Fahrstunden allein übernehmen und hätte zwischen drin auch mal wieder Zeit für eine ordentliche Erholungspause.