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Bayern fehlen im Job häufig wegen psychischer Probleme | BR24

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Gestresster Geschäftsmann (Symbolbild)

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Bayern fehlen im Job häufig wegen psychischer Probleme

Die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme hat sich innerhalb von zehn Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt. Das gab das Bundesarbeitsministerium bekannt. In Bayern stehen Fehltage im Job wegen psychischer Erkrankungen auf Platz zwei.

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Die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern wegen psychischer Probleme hat sich innerhalb von zehn Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt - von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt.

Psychische Probleme zweithäufigste Ursache für Fehltage

In Bayern waren psychische Erkrankungen wie Depressionen 2017 laut DAK-Gesundheitsreport die zweithäufigste Ursache dafür, dass Arbeitnehmer im Job fehlten. Bezogen auf 100 Versicherte waren es 202 Tage. Der größte Anteil der Krankmeldungen entfiel auf Muskel-Skelett-Beschwerden. Sie verursachten 282 Fehltage.

Bei den psychischen Erkrankungen gab es zwar einen Rückgang bei den Fehltagen um sechs Prozent, aber die Anzahl der Betroffenen stieg auf 4,3 Prozent. Noch nie waren so viele DAK-Versicherte Arbeitnehmer in Bayern von psychischen Leiden betroffen wie 2017. AOK und Barmer-Krankenkasse zeichnen ein ähnliches Bild. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer im Norden Bayerns.

Im bundesweiten Vergleich hatte der Freistaat den zweitniedrigsten Krankenstand hinter Baden-Württemberg. Die Betroffenenquote lag bei 47 Prozent. Das heißt: Die Mehrheit der Erwerbstätigen in Bayern war 2017 kein einziges Mal krankgeschrieben.

Anstieg der Renteneintritte aufgrund psychischer Störungen

Wie die Funke Mediengruppe unter Berufung auf das Arbeitsministerium berichtet, stieg zwischen 2007 und 2017 auch die Zahl der Renteneintritte wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund psychischer Störungen an, von rund 53.900 auf mehr als 71.300. 2017 gingen demnach rund 41.200 Frauen vorzeitig wegen psychischer Diagnosen in Rente. Bei den Männern waren es rund 30.100. Die Zahlen basieren dem Bericht zufolge auf Sozialversicherungsdaten und Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Angaben für das Jahr 2018 liegen noch nicht vor.

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In den vergangenen Jahren ist die Zahl an Frührentnern stark angestiegen, vor allem wegen psychischer Probleme. Für Betroffene kann der Wegfall der Arbeit zur zusätzlichen Belastung werden. Ein Sozialdienst in Ingolstadt bietet Auswege.

Bundesregierung sieht Arbeitgeber in der Pflicht

Die Bundesregierung sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht: Gegen psychische Belastungen würden keine neuen Arbeitsschutzregeln helfen. Ziel müsse vielmehr sein, Betriebe und Beschäftigte zu befähigen, das vorhandene Arbeitsschutz-Instrumentarium zu nutzen.

Jutta Krellmann, arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisierte diese Haltung scharf: "Viele Arbeitgeber fahren auf Verschleiß: Starker Druck, hohe Flexibilität - immer schneller, immer mehr. Beschäftigte werden über ihre Belastungsgrenze getrieben." Die Bundesregierung schaue Däumchen drehend zu.