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Bayern-Ei-Skandal: Ex-Chef schweigt zum Prozessauftakt | BR24

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Der Salmonellen-Skandal um Bayern-Ei wird am Landgericht Regensburg aufgearbeitet. Zahlreiche Menschen sollen aufgrund verseuchter Eier der Firma erkrankt sein. Die Verteidigung des Ex-Geschäftsführers wies die Vorwürfe zurück.

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Bayern-Ei-Skandal: Ex-Chef schweigt zum Prozessauftakt

Der Salmonellen-Skandal um Bayern-Ei wird jetzt am Landgericht Regensburg aufgearbeitet. Zahlreiche Menschen sollen aufgrund verseuchter Eier der Firma erkrankt sein. Die Verteidigung des angeklagten Ex-Geschäftsführers wies die Vorwürfe zurück.

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Mit der Verlesung der mehr als 70 Seiten umfassenden Anklageschrift hat in Regensburg der Prozess um den sogenannten Bayern-Ei-Skandal begonnen. Angeklagt ist der frühere Firmen-Chef Stefan Pohlmann. Er muss sich für einen Salmonellen-Ausbruch in mehreren europäischen Ländern vor rund fünf Jahren verantworten.

Umfangreiche Vorwürfe

Ihm wird mehrfache gefährliche Körperverletzung - in einem Fall mit Todesfolge - vorgeworfen. Außerdem geht es um mehrfachen gewerblichen Betrug, Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht.

Pohlmann soll der Anklage zufolge für die massenhafte Auslieferung von salmonellenbelasteten Eiern im Jahr 2014 verantwortlich gewesen sein. Als Folge sollen hunderte Menschen in mehreren europäischen Ländern erkrankt sein. 40 dieser Fälle wurden jetzt angeklagt. Ein Mann in Österreich soll an den Folgen einer Salmonellen-Infektion gestorben sein.

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Am Landgericht in Regensburg hat der Bayern-Ei-Prozess begonnen. Der Fall der niederbayerische Eier-Firma ist wohl einer der größten Lebensmittelskandale der letzten Jahre. Angeklagt ist der frühere Geschäftsführer der niederbayerischen Firma.

Angeklagter schweigt - Verteidigung weist Vorwürfe zurück

Der heute 48 Jahre alte Pohlmann sagte zum Prozessauftakt nichts, sein Anwalt wies aber die Vorwürfe weitgehend zurück: Es gebe keine stichhaltigen Nachweise für die Vorwürfe der Körperverletzung, der Körperverletzung mit Todesfolge und des mehrfachen gewerblichen Betrugs, so der Münchner Strafverteidiger Ulrich Ziegert zum Abschluss des ersten Verhandlungstags. Ihm zufolge ist es der Staatsanwaltschaft bisher nicht gelungen, einen lückenlosen Nachweis zu erbringen, dass die Erkrankten tatsächlich Bayern-Ei-Produkte konsumiert hätten. Unter anderem seien die Lieferketten lückenhaft.

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Vor dem Regensburger Landgericht hat der Prozess gegen den früheren Chef von "Bayern-Ei", Stefan Pohlmann, begonnen.

Keine Stellungnahme zu Vorwürfen der Tierquälerei

In Hinblick auf die angeklagten Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gab der Anwalt keine Stellungnahme ab. Bei Bayern-Ei sollen der Anklage zufolge deutlich mehr Tiere als genehmigt in den Ställen gehalten worden sein. So sei bei einer Kontrolle festgestellt worden, dass in einem für 60 Hennen ausgelegten Käfig mehr als 130 Tiere zusammengepfercht waren.

Tierschützer protestierten unter anderem deshalb vor dem Gerichtsgebäude mit Plakaten und hielten Fotos von gequälten Legehennen hoch.

Fall mit politischer Dimension

Wegen des Skandals um Bayern-Ei waren auch Vorwürfe gegen Behörden und Staatsregierung laut geworden. Die Opposition im Landtag bemängelte unter anderem, dass es 2014 keine öffentliche Warnung vor Bayern-Ei-Produkten gab. Nachdem Recherchen des Bayerischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung den Fall öffentlich 2015 bekannt gemacht hatten, beschäftigte sich auch ein Landtags-Untersuchungsausschuss damit.

Urteil vermutlich erst im Frühjahr

Für den Prozess, der am Dienstag mit ersten Zeugenbefragungen fortgesetzt wird, sind bis zum Frühjahr 30 Verhandlungstage angesetzt. Über 100 Zeugen werden gehört, darunter auch Bayern-Ei-Kunden, Mitarbeiter und Amtstierärzte. Ein Urteil könnte im März 2020 fallen.

💡 Das war Bayern-Ei

Bayern-Ei war einer der größten Eier-Produzenten in Deutschland. Das Unternehmen unterhielt in Niederbayern drei Legebetriebe mit mehr als einer Million Hennen, und zwar in Niederharthausen im Kreis Straubing-Bogen, in Tabertshausen im Kreis Deggendorf, sowie in Ettling im Landkreis Dingolfing-Landau, dazu noch eine Legehennenfarm im tschechischen Horsovsky (früher Bischofteinitz) und eine Junghennenaufzucht in Mamming (Landkreis Dingolfing-Landau). Ende 2017 gab das Unternehmen bekannt, den Geschäftsbetrieb einzustellen.