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Bayern-Ei-Prozess: Starb Österreicher an Salmonellenvergiftung? | BR24

© BR/Sebastian Grosser

Im Bayern-Ei-Prozess am Landgericht Regensburg hat heute ein Infektiologe ausgesagt. In seinem Gutachten zum Salmonellenskandal hält er es für möglich, dass ein 94-jähriger Österreichers wegen Salmonelleneiern aus Niederbayern starb.

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Bayern-Ei-Prozess: Starb Österreicher an Salmonellenvergiftung?

Im Bayern-Ei-Prozess am Landgericht Regensburg hat heute ein Infektiologe ausgesagt. In seinem Gutachten zum Salmonellenskandal hält er es für möglich, dass ein 94-jähriger Österreicher wegen Salmonelleneiern aus Niederbayern starb.

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Im Bayern-Ei-Prozess, der derzeit am Landgericht Regensburg läuft, haben am Dienstag zwei Sachverständige die Ergebnisse ihrer Gutachten vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob der 94-jährige Österreicher aufgrund von salmonellenbelasteten Eier der Firma Bayern-Ei erkrankt ist - oder ob er sich zwischen seinen zwei Krankenhausaufenthalten neu, beispielsweise mit Salmonellen anderer Eier, infiziert haben könnte.

Problem: Mann erleidet zwei Mal Salmonellenvergiftung

Das Problem: Der Mann wurde zwei Mal wegen einer Salmonellenvergiftung im Krankenhaus behandelt. Das erste Mal, nachdem er eine Speise geliefert bekam, die unter anderem mit salmonellenbelasteten Eiern von Bayern-Ei zubereitet wurde. Der Mann bekam Durchfall, wie auch bei einer harmlosen Salmonelleninfektion. Zusätzlich hatte er hohe Entzündungs- und Nierenwerte, war dehydriert, kurz: in einem sehr schlechten Zustand. Allerdings konnte er wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden, nachdem sich seine Werte verbessert hatten.

Nach kurzer Zeit zu Hause wurde der alte Mann aber wieder ins das Krankenhaus geliefert. Wieder waren die Werte schlecht: Er hatte eine Nierenfunktionsstörung, viel Flüssigkeit und fünf Kilo verloren. Sein Zustand verschlechterte sich rasant, bis die Ärzte schließlich nichts mehr für ihn tun konnten.

Infektiologe: Salmonelleninfektion hat zum Tod geführt

Ein vom Gericht bestellter Infektiologe geht davon aus, dass es sich aufgrund dieses Krankheitsverlaufs um eine schwere Salmonelleninfektion gehandelt haben musste, die letztlich beim zweiten Krankenhausaufenthalt zum Tod des 94-jährigen Mannes geführt hatte.

So hätten sich die Bakterien - außer im Darm - auch anderswo im Körper abgesetzt und seien zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgebrochen, obwohl es zwischenzeitlich so schien, als ob der Patient geheilt wäre. Dazu verweist der Gutachter darauf, dass Salmonellen unter anderem im Urin des Mannes nachgewiesen wurden. Der Weg vom Darm dorthin gelinge nur über infiziertes Blut.

Statistik. Wahrscheinlichkeit für Salmonelleninfektion gering

Gegen eine Neuinfektion spricht für den Experten aber auch die Wahrscheinlichkeit: Bereits für eine Salmonelleninfektion liegt die Wahrscheinlichkeit bei 17 Fällen bei 100.000 Menschen. Eine Neuinfektion sei noch um einiges unwahrscheinlicher, so der Sachverständige. Trotzdem: Entscheidende Belege wie entsprechende Blutproben oder eine Obduktion fehlen, weshalb sich der Gutachter laut eigener Aussage auf Indizien stützten muss.

"Die Diagnose ist wie ein Puzzle, ein Bild das sich am Ende ergibt. Wir versuchen die Puzzle-Steine so zu finden, dass wir ein klares klinisches Bild haben." Infektiologe

Verteidigung kritisiert Gutachten

Die Verteidigung des angeklagten Ex-Bayern-Ei-Geschäftsführers Stefan Pohlmann bezeichnet das Gutachten dagegen als interessensgeleitet. "Das ganze Gutachten besticht durch eine selektive Wahrnehmung. Das was nicht ins Bild passt, wird nicht gesehen", sagt Anwalt Ulrich Ziegert. "Dass die zweite These [Neuinfektion; Anmerk. der Redaktion] unwahrscheinlich ist, stimmt. Aber dass sie aufs Leben trifft, zeigt genau dieser Fall."

Die Verteidigung verweist auf den von ihr beauftragten Gutachter, der am Dienstag ebenfalls vor Gericht Stellung bezog. Für den Experten aus München sprechen vor allem die Umgebung und die Umstände, in denen der Mann gelebt hat, für eine Neuinfektion. So soll er auch in der Zeit zwischen den beiden Krankenhausaufenthalten wieder Essen auf Rädern erhalten haben. Außerdem habe der 94-Jährige Vorerkrankungen gehabt - unter anderem einen Herzinfarkt und möglicherweise auch eine Harnwegsinfektion. Auch diese hätten eine Behandlung mit Antibiotika notwendig gemacht und so zu der Durchfallerkrankung geführt, die letztlich die Todesursache war.

Gutachter einig: Tod durch Salmonellen selten

In einem scheinen sich die Experten aber einig: Sowohl der Tod durch salmonellenbelastete Lebensmittel als auch eine Neuinfektion sind Fälle, die in hochindustriellen Ländern wie Deutschland und Österreich sehr selten vorkommen. Den Nachweis für einen der beiden Fälle zu führen, ist noch wesentlich schwieriger.