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Bayern-Ei: Ex-Chef wird der Prozess gemacht | BR24

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Am Landgericht in Regensburg hat der Bayern-Ei-Prozess begonnen. Der Fall der niederbayerische Eier-Firma ist wohl einer der größten Lebensmittelskandale der letzten Jahre. Angeklagt ist der Inhaber der niederbayerischen Firma.

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Bayern-Ei: Ex-Chef wird der Prozess gemacht

In Regensburg hat der Prozess gegen den Ex-Chef der Skandal-Firma "Bayern-Ei", Stefan Pohlmann, begonnen. Der Angeklagte soll 2014 salmonellenverseuchte Eier verkauft haben. Viele Menschen erkrankten, ein Patient starb mutmaßlich daran.

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Mehr als fünf Jahre nach dem Salmonellen-Skandal um das Unternehmen Bayern-Ei muss sich der ehemalige Firmenchef Stefan Pohlmann in Regensburg vor Gericht verantworten. Er soll für den massenhaften Verkauf salmonellenbelasteter Hühnereier in mehrere europäische Länder verantwortlich sein. Viele Menschen wurden damals krank, ein Mann starb mutmaßlich an den Folgen des Verzehrs.

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BR-Reporter Philipp Grüll zum Bayern-Ei-Prozess in Regensburg. Angeklagt ist der frühere Bayern-Ei-Chef Stefan Pohlmann.

Körperverletzung, Betrug, Tierquälerei

Pohlmann werden unter anderem 40-fache gefährliche Körperverletzung, in einem Fall mit Todesfolge, außerdem gewerbsmäßiger Betrug, Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht vorgeworfen. Das Gericht hat zunächst 30 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Ende März nächsten Jahres fallen.

Konkret wird dem Angeklagten vorgeworfen, dass er im Jahr 2014 Eier mit der Kennzeichnung Güteklasse A hat ausliefern lassen, obwohl bekannt war, dass die Bayern-Ei-Ställe mit Salmonellen belastet waren. Bis September 2014 erkrankten mehr als 180 Menschen in Deutschland, Österreich und Frankreich nach dem Verzehr der Eier.

Ein Todesfall in Tirol

In Innsbruck starb ein 94 Jahre alter Mann mutmaßlich an den Folgen einer Salmonellose. Er hatte zuvor Essen auf Rädern bekommen, das mit Eiern aus einem Bayern-Ei-Betrieb in Niederharthausen zubereitet worden war.

Das Landgericht Regensburg hatte im Vorfeld ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären sollte, ob tatsächlich Salmonellen-Erreger aus Eiern der Firma Bayern-Ei den Tod des Patienten verursacht haben. Einem Gerichtssprecher zufolge ist diese Frage aber weiterhin strittig.

Gewerbsmäßiger Betrug in mehr als 470 Fällen

Dem Angeklagten Pohlmann wird außerdem gewerbsmäßiger Betrug in mehr als 470 Fällen vorgeworfen. Seine Handelspartner sollen für die nahezu wertlose Ware mehr als fünf Millionen Euro gezahlt haben.

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Stefan Pohlmann (Mitte) zu Prozessbeginn mit seinen Anwälten.

Pohlmanns Anwalt ist optimistisch

Der Münchner Anwalt Ulrich Ziegert vertritt Pohlmann. Ziegert geht trotz der schweren Vorwürfe optimistisch in den Prozess. Die Ermittler könnten ihre Vorwürfe nicht zweifelsfrei belegen. Die Gutachten der Staatsanwaltschaft seien kein eindeutiger Beweis. Auch bei den weiteren Vorwürfen, gewerbsmäßiger Betrug und Tierschutzverstöße, habe sein Mandant gute Aussichten, sagt Ziegert. Pohlmann habe "seinen Betrieb nach den Vorgaben der Behörden geführt. Er hat das gemacht, erledigt, umgesetzt, was seitens der Behörden an ihn herangetragen wurde".

90 Zeugen sind geladen

Die Kammer hat die Ladung von mehr als 90 Zeugen angeordnet, die meisten von ihnen sind ehemalige Mitarbeiter von Bayern-Ei, dazu kommen Amtstierärzte, Lebensmittelkontrolleure, Laboranten und ehemalige Kunden von Bayern-Ei.

Salmonellen-Opfer im Zeugenstand?

Möglicherweise sollen auch die mutmaßlichen Opfer der Salmonellen-Verseuchung in Regensburg vor Gericht aussagen. Das Landgericht behält sich je nach Prozessverlauf die Ladung von rund 30 Menschen aus Deutschland, Österreich und Frankreich vor, die nach dem Verzehr von Eiern krank geworden sind.

💡 Das war Bayern-Ei

Bayern-Ei war einer der größten Eier-Produzenten in Deutschland. Das Unternehmen unterhielt in Niederbayern drei Legebetriebe mit mehr als einer Million Hennen, und zwar in Niederharthausen im Kreis Straubing-Bogen, in Tabertshausen im Kreis Deggendorf, sowie in Ettling im Landkreis Dingolfing-Landau, dazu noch eine Legehennenfarm im tschechischen Horsovsky (früher Bischofteinitz) und eine Junghennenaufzucht in Mamming (Landkreis Dingolfing-Landau). Ende 2017 gab das Unternehmen bekannt, den Geschäftsbetrieb einzustellen.