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Bayern: CSU zufrieden, Grüne euphorisch, SPD am Boden | BR24

© pa/dpa/Tobias Hase

Jubelnde Grüne in München (v. l. n. r.): Fraktionschef Hartmann, Spitzenkandidatin Hahn, Fraktionschefin Schulze und Landes-Chefin Hagl

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Bayern: CSU zufrieden, Grüne euphorisch, SPD am Boden

Die CSU sieht sich auf dem richtigen Weg, die Grünen jubeln - und für die SPD werden einstellige Ergebnisse zur Gewohnheit. Bayerns Parteien ziehen aus der Europawahl unterschiedliche Schlüsse. Eine Analyse.

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Vor nicht allzu langer Zeit wäre die CSU mit einem Ergebnis knapp über 40 Prozent ziemlich unzufrieden gewesen – egal bei welcher Wahl. Insofern sind die Äußerungen von Parteichef Markus Söder ("Trend geht nach oben") und Generalsekretär Markus Blume ("außerordentlich gutes Ergebnis") nach der Europawahl bemerkenswert. Allerdings haben die Christsozialen durchaus Gründe, ihr Resultat positiv zu deuten.

Da ist zunächst das im Vergleich deutlich schlechtere Ergebnis der größeren Schwesterpartei CDU. Auch in ihrem Abgrenzungskurs zur AfD dürften sich die Christsozialen bestätigt fühlen – in Bayern hat die AfD bei der Europawahl schwächer abgeschnitten als im bundesweiten Vergleich. Dazu kommt, dass der Wahlkampf eine andere Entwicklung als erwartet genommen hatte – statt traditionell von Konservativen besetzten Themen wie Sicherheit ging es vor allem um Klimaschutz.

Richtig ist aber auch: CSU-Mann Manfred Weber mag in Bayern Wähler mobilisiert haben, bundesweit hat er offenbar nicht wirklich überzeugt. Weil es nun knapp werden könnte für Webers Ziel, Chef der EU-Kommission zu werden, versuchten Söder und Blume deshalb noch am Wahlabend, Druck auf CDU und SPD auszuüben. Tenor: Alle GroKo-Parteien seien in der Pflicht, Weber zu unterstützen.

CSU bei Erstwählern deutlich hinter den Grünen

Generell gilt: Die CSU-Parteispitze sieht sich in ihrem von Söder eingeschlagenen Kurs der Erneuerung bestätigt. Die ganze Union müsse "jünger, cooler und offener werden", hat Söder am Wahlabend verlangt. Die größtenteils spöttischen Reaktionen in den sozialen Netzwerken legen allerdings nahe, dass dieses Ziel noch ein gutes Stück entfernt liegt. Auch ihr Ergebnis bei den bayerischen Erstwählern wird den CSU-Strategen nicht gefallen – mit 16 Prozent liegen die Christsozialen hier deutlich hinter den Grünen (30 Prozent).

Für die Grünen im Freistaat gibt es an diesem Abend auch mit Blick auf das Gesamtergebnis Grund zu jubeln. Mit gut 19 Prozent schneidet die Partei nochmal besser ab als bei der Landtagswahl (17,6 Prozent) und etabliert sich als zweitstärkste politische Kraft in Bayern. In München und Würzburg landen die Grünen sogar auf Platz eins. Das zeigt auch ein Zitat von CSU-Chef Söder am Wahlabend: "Die große Herausforderung der Zukunft ist die intensive Auseinandersetzung mit den Grünen."

Bayern-SPD vor Personaldebatte?

Das gute Grünen-Ergebnis wiederum hängt unmittelbar zusammen mit der Schwäche der SPD. Wie bei der historisch schlechten Landtagswahl im vergangenen Herbst bleiben die Sozialdemokraten auch bei der Europawahl in Bayern unter 10 Prozent. Eine neuerliche Personaldebatte – in erster Linie über die Landesvorsitzende Natascha Kohnen – scheint unausweichlich. Zumal ihre Aussagen am Wahlabend ("Klimaschutz ist kein grünes Thema, sondern ein soziales") nicht alle in der Partei überzeugen dürften.

Die AfD bleibt im Freistaat unter ihrem selbst gesteckten Ziel, das Wahlergebnis von 2014 (8,1 Prozent) deutlich zu verbessern und zweistellig zu werden. Laut dem Landesvorsitzenden Martin Sichert fallen zu viele Menschen in Bayern auf die "Propaganda der CSU" rein.

FDP zerknirscht - kein "Macron-Effekt"

Und Bayerns Liberale? Die wirken angesichts von 3,4 Prozent am Wahlabend zerknirscht und selbstkritisch. "Wir hätten uns mehr erhofft", erklärte der FDP-Landesvorsitzende Daniel Föst. Vom stolz propagierten Bündnis mit der Partei von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf EU-Ebene konnte die bayerische FDP offenbar nicht profitieren.

Im Kleinen hat der Wahlabend in Bayern derweil einen weiteren Gewinner hervorgebracht. Die Freien Wähler können ihr Ergebnis im Freistaat um gut ein Prozentpunkt verbessern - und wohl künftig einen zweiten Abgeordneten ins EU-Parlament schicken. Allerdings funktioniert auch die gegenteilige Argumentation - denn von ihrer Regierungsbeteiligung in Bayern profitieren die Freien Wähler nur bedingt. Bei der Landtagswahl hatte die Aiwanger-Partei 11,6 Prozent erzielt.

Laut dem vorläufigen Endergebnis hat die CSU in Bayern bei der Europawahl 40,7 Prozent erreicht. Die Grünen landen laut Landeswahlleiter mit 19,1 Prozent auf Platz zwei. Es folgen SPD (9,3 Prozent), AfD (8,5 Prozent), Freie Wähler (5,3 Prozent), FDP (3,4 Prozent), ÖDP (3,1 Prozent) und Linke (2,4 Prozent).

© Infratest dimap

Vorläufiges Endergebnis Europawahl in Bayern

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Vorläufiges Endergebnis Europawahl in Bayern

© BR

BR-Reporter liefern erste Reaktionen von CSU, Freien Wählern, SPD, FDP und AfD.