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Prosit mit Abstand: So lief der erste Tag in den Biergärten | BR24

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Endlich ein Bier im Freien genießen - das ist jetzt wieder möglich, denn seit heute dürfen auch die Biergärten in Bayern wieder öffnen. Allerdings müssen Wirte und Gäste strenge Auflagen einhalten.

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Prosit mit Abstand: So lief der erste Tag in den Biergärten

Seit gestern sind in Bayern die Biergärten und Außenbereiche von Lokalen wieder geöffnet. Trotz der strengen Auflagen ist bei vielen die Freude darüber groß. Einige Gastwirte haben jedoch Bedenken - vor allem was den nahenden Vatertag angeht.

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Dieser Tag wurde von vielen Bayern lange herbeigesehnt: Seit gestern dürfen Gastronomien wieder Gäste empfangen - zumindest in den Außenbereichen. "Ich war gerade in einem Biergarten, der hatte um halb elf schon geöffnet. Da saßen die ersten Gäste und haben einen Cappuccino getrunken", sagt der Geschäftsführer des Branchenverbands Dehoga, Thomas Geppert, in München.

Auch in Augsburg waren wenige Stunden nach der Wiedereröffnung die Tische vieler Straßencafés voll besetzt. Die meisten sind glücklich, nach Wochen "ein Stück Freiheit" zurückzugewinnen, wie es eine Besucherin formuliert. Eine andere freut sich darüber, wieder mehr Lebensqualität zu haben.

Passauer hielten sich bisher an Auflagen

Doch bei aller Freude, müssen wegen der Corona-Pandemie auch einige Regeln beachtet werden. Bis 20 Uhr darf man in den Außenflächen sitzen - mit Mindestabstand, beziehungsweise ohne Abstand für bis zu zwei Familien oder zwei Hausstände. Außerdem müssen die Gäste immer eine Mund-Nasen-Maske aufsetzen, wenn sie nicht am Platz sitzen - also beim Betreten und Verlassen des Biergartens, beim Gang zur Selbstbedienungstheke und zur Toilette.

Die Menschen in Passau ließen sich davon bisher aber nicht abschrecken: Als um 11 Uhr der Hacklberger Biergarten öffnete, standen schon die ersten Besucher da. Nach etwa einer Stunde waren es 50 Leute. Und die hielten sich auch an die Regeln. Biergarten-Chef Martin Vrbnjak zeigte sich begeistert. "Ich bin überglücklich. Wenn das so weitergeht und sich die Leute weiter so gut daran halten, wird das gut." Verlässt ein Gast den Biergarten, werden Tisch, Stühle, Aschenbecher und Kugelschreiber von den Kellern desinfiziert.  

Individuelles Hygienekonzept ist Öffnungsbedingung

Die Gastwirte haben viel für die Wiedereröffnung vorbereitet: Jeder Betrieb musste ein individuelles Hygienekonzept erarbeiten, angepasst an die jeweilige Örtlichkeit. In den meisten Biergärten wurde eine Art Einweg-System erarbeitet. Am Eingang gibt es einen Empfang, bei dem meist auch der Kontaktzettel ausgefüllt wird, auf dem der Gast seinen Namen und eine Telefonnummer angeben muss.

Diese Daten nimmt der Gastwirt an sich, vermerkt noch zusätzlich, von wann bis wann der Gast im Biergarten war, bewahrt sie eine befristete Zeit lang auf und muss sie dann vernichten. Niemand außer dem Gastwirt bekommt diese Daten zu sehen. Die Ausnahme: Wenn ein Covid-19-Infektionsfall bekannt wird im Biergarten, dann kann das Gesundheitsamt mithilfe dieser Daten herausfinden, wer sich angesteckt haben könnte.

Die Abfrage der Gästedaten ist eine der Bedingungen für die Wiedereröffnung der Biergärten. Außerdem muss der Wirt den Gästen einen Tisch zuweisen. So soll unnötiges Herumlaufen im Biergarten verhindert werden. Gastronomen, die gegen diese Regeln verstoßen, droht ein Bußgeld.

Bedenken im Hinblick auf den Vatertag

Gastwirt Otmar Walch vom Gasthof zur Post in Herrsching hat mit seiner Frau Elisabeth tagelang ausgetüftelt, wie sie die Vorgaben der Regierung erfüllen können: "Wir dürfen heute aufmachen und haben am Donnerstag den Vatertag. Da sind jetzt schon mal meine Zweifel: Wie verhalten sich die Gäste?", fragt Walch.

Für ihn und seine Mitarbeiter sei es mit ein bisschen Übung kein Problem, die Auflagen und Verordnungen zu erfüllen. Sorge bereitet ihm dagegen Christi Himmelfahrt, "wenn am Vatertag dann das betrunkene Jungvolk, diese Möchtegern-Väter herumziehen, da freue ich mich dann schon, wie das dann abläuft."

Wegwerf-Speisekarten und Mindestabstand für Angestellte

Außer Kontaktzettel und Platz-Zuweisung ist auch neu, dass auf den Tischen nichts mehr stehen darf - keine Servietten, keine Kerzen, keine Salz- oder Pfefferstreuer zum Beispiel. Gewürze werden auf Wunsch an den Tisch gebracht. Auch die Speisekarte darf nicht von Hand zu Hand wandern – deshalb setzen viele Wirte auf Einmal-Karten, die sie danach wegwerfen. Zudem darf Besteck darf nur einzeln und verpackt, etwa in Servietten, ausgegeben werden.

Das Personal muss immer dann Masken aufsetzen, wenn es mit Gästen zu tun hat. Mindestabstand geht vor Höflichkeit beim Bedienen. Das heißt im Klartext: Um den Mindestabstand zumindest meistens zu wahren, bringt die Kellnerin oder der Kellner Essen und Getränke an ein Ende des Tisches und stellt sie dort ab, die Gäste nehmen es sich von da selbst.

40 bis 50 Prozent weniger Tische

Man merke, dass sich Personal und Wirte auf die Gäste freuten, sagte Geppert. Gleichzeitig sei die Platzkapazität durch die Abstandsregelungen massiv eingeschränkt: "Die entscheidende Frage wird sein, wie da ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist."

Geppert geht davon aus, dass rund 40 bis 50 Prozent der Tische wegfallen - je nach örtlichen Gegebenheiten könnten die Zahlen aber abweichen. Nicht alle Wirte öffneten am Montag wieder. Manche warteten auch noch ab, sagte er. Wie viele dies täten, sei aber nicht bekannt. Ab dem 25. Mai 2020 dürfen Gaststätten dann auch im Innenbereich bis 22.00 Uhr öffnen.

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Seit heute haben im Zuge der neuesten Corona-Lockerungen die Biergärten wieder geöffnet. Gastronomen und Gäste müssen sich allerdings an viele Regeln halten .

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