BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Bayerisches Gastgewerbe: "Wir sind lebensrelevant!" | BR24

© dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Archivbild: abgesperrter Freischankbereich in einem Biergarten in Bayern.

67
Per Mail sharen

    Bayerisches Gastgewerbe: "Wir sind lebensrelevant!"

    Keine Gäste, kein Umsatz, zig Betriebe in Existenznot: Bayerns Gastgewerbe leidet unter der Corona-Krise - und richtet nun einen Hilferuf an die Politik. Ein baldiges Hochfahren der Betriebe sei ein Muss für Gastronomie, Hotellerie und Gesellschaft.

    67
    Per Mail sharen

    Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband fordert die Politik auf, die Betriebe bald wieder zu öffnen. Egal, ob großes Restaurant oder kleine Schankwirtschaft, Pension oder Hotel in beliebiger Größe: Alle leiden unter den Corona-Schutzmaßnahmen, weil ihre Betriebe ganz geschlossen sind oder sie Speisen und Getränke nur zur Mitnahme anbieten dürfen. Sie haben demzufolge dramatische Umsatzeinbußen; viele sind in ihrer Existenz bedroht.

    Forderung: Gastro-Betriebe unabhängig von der Größe öffnen

    Wenige Tage vor der für den kommenden Mittwoch geplanten Bund-Länder-Konferenz verlangt die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Angela Inselkammer, deshalb konkret ein stufenweises Wiederhochfahren von Gastronomie und Hotellerie. Betriebe sollten öffnen dürfen, soweit sie definierte Standards zum Infektionsschutz einhalten könnten; und zwar unabhängig von "willkürlich gewählten" Abgrenzungen wie Betriebsgrößen oder Öffnungszeiten.

    "Ohne Hotellerie und Gastronomie wird unser Leben ärmer, wir sind nicht nur systemrelevant, sondern lebensrelevant", sagt Inselkammer und beschreibt die Lage der Branche als "dramatisch". Diese Einschätzung untermauert die Unternehmerin aus dem oberbayerischen Aying bei München mit Zahlen.

    Demnach ist im Gastgewerbe die Arbeitslosigkeit im April im Vorjahresvergleich zum April 2019 um 208 Prozent gestiegen; dies sei die höchste Steigerung aller Branchen in der deutschen Wirtschaft. Ähnlich sehe das Bild bei der Kurzarbeit aus: "Waren im Februar deutschlandweit 173 Mitarbeiter in Kurzarbeit, so wurde im März und April für über eine Million Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt."

    Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen soll Branche retten

    Die beschlossene Senkung der Umsatzsteuer auf sieben Prozent sei ein enorm wichtiger Schritt gewesen, für den die Branche auch dankbar sei, so Inselkammer. Diese Maßnahme würde aber erst zum Tragen kommen, wenn die Betriebe überhaupt wieder Umsätze machen dürften. Bis dahin bräuchte es dringend einen Fonds mit direkten Finanzhilfen für alle Betriebstypen.

    Die Branche erleide schließlich nicht aufgrund individueller Fehler Umsatzeinbrüche. Vielmehr seien die Betriebe geschlossen worden, um die Gesundheit der Menschen zu gewährleisten.

    "Da ist ein verzweifelter Hilfeschrei nach staatlichen Mitteln keine Bittstellerei, sondern die einzige Möglichkeit, eine ganze Branche zu retten." Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes

    Bei der Bund-Länderkonferenz am Mittwoch müssten nun Entscheidungen zu einem Eröffnungstermin und zu einem Rettungsfonds getroffen werden. An diesem Tag sollen Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Bundesländer unter anderem Vorschläge für Rahmenbedingungen vorbereiten, wie Gastronomie- und Tourismusangebote schrittweise geöffnet werden könnten.

    In Österreich öffnet die Gastronomie wieder Mitte des Monats

    In zahlreichen europäischen Ländern treten ab morgen Lockerungen in Kraft, von der zum Teil auch die Gastronomie profitiert. Wie zum Beispiel in Österreich: Im Nachbarland sind inzwischen alle Geschäfte und fast alle Dienstleister wieder geöffnet. Am 15. Mai folgen unter strengen Auflagen die Restaurants, Ende Mai die Hotels. In Ungarn dürfen Gaststätten wieder aufmachen, wenn sie draußen bedienen. In den meisten anderen Ländern und auch in Deutschland gibt es jedoch für Gastronomie und Hotellerie derzeit keine Wiedereröffnungs-Perspektive.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!