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Bayerischer Wald: Überfüllte Wanderberge am Wochenende | BR24

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Wanderer auf dem Großen Arber

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Bayerischer Wald: Überfüllte Wanderberge am Wochenende

Fast wie beim ersten Lockdown im Frühjahr erleben Wanderregionen wie der Bayerische Wald auch diesmal wieder einen Ansturm von Tagesausflüglern. Trotz geschlossener Gaststätten, Hotels und Besuchereinrichtungen im Nationalpark sind die Gipfel voll.

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Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Es ist fast wie ein Déjà-vu: Kaum ist erneut Lockdown, stürmen Besuchermassen hinaus in die Natur. In beliebten Regionen wie dem Bayerischen Wald hat man das schon letztes Wochenende bemerkt: Gastronomie und Hotels sind zwar geschlossen, aber die beliebten Berge wie etwa der Falkenstein waren überfüllt, viele Wanderparkplätze ebenso. Jetzt unter der Woche war weniger los, auch weil das Wetter zu schlecht war, aber wenn das Wochenende kommt und einigermaßen sonnig ist, könnte es wieder voll werden im Nationalpark.

Volle Gipfel am Wochenende

Vergangenes Wochenende waren beliebte Berge wie Lusen, Falkenstein oder Rachel zeitweise regelrecht überfüllt, die Gipfel voll besetzt, mit Tagesausflüglern aus ganz Ostbayern, zum Beispiel aus Straubing, Regensburg oder Dingolfing. Spürbar war das auch auf den gut gefüllten Wanderparkplätzen. Auf den Wanderwegen wurden teilweise "die momentan vorgeschriebenen Abstände nicht mehr gewahrt," sagt der Nationalparkranger Siegfried Schreib, "die Leute hocken aufeinander." Die Regel, dass maximal zwei Haushalte gemeinsam wandern dürfen, werde auch nicht von allen beachtet. Er appelliere an die Vernunft der Menschen, nicht nur auf die eigene Gesundheit , sondern auch auf die der anderen zu achten, und sich Alternativen zu überlegen, wenn Wandergebiete voll sind.

Wanderparkplätze quellen am Wochenende über

Kurt Kühlmeyer wohnt direkt unter dem Kaitersberg bei Bad Kötzting im Kreis Cham, nur einen Katzensprung entfernt vom Wanderparkplatz. Dieser quelle momentan am Wochenende über, trotz Teil-Lockdown, erzählt er dem BR. Seine Tochter sei früh um 6 Uhr auf den Gipfel gewandert, da war dieser schon mit 20 anderen bevölkert. Dabei solle man eigentlich den ganzen November auf nicht notwendige Reisen, auf Verwandtenbesuche und tagestouristische Ausflüge verzichten, sagte die Bundeskanzlerin.

Polizei ohne Handhabe

Das Problem: Dies ist nur ein Gebot, kein Verbot, die Polizei habe keine Handhabe, wenn die Leute sich nicht daran halten. Ein Bußgeld sei nur möglich, wenn man gegen die Kontaktbeschränkungen verstößt, sagt Till Hauptmann, Leiter der Polizeiinspektion Zwiesel (Lkr. Regen). So habe die Polizei beispielsweise einen Kleinbus mit siebenköpfiger Wandergruppe erwischt. Strafe: 150 Euro pro Person. Wobei Kontrollen und Nachweise schwierig seien, denn nur Anlieger wie Kurt Kühlmeyer sehen, dass einige sich ganz bewusst auf Wanderwegen treffen.

Brotzeit auf der geschlossenen Schutzhausterrasse

Auch im Nationalpark stöhnt man: Zwar sind dort sämtliche Besuchereineinrichtungen geschlossen, trotzdem sind die Wanderparkplätze an Lusen, Rachel oder Falkenstein voll. Am Falkenstein-Gipfel hätten die Leute Brotzeit auf der geschlossenen Schutzhausterrasse gemacht, ohne Mindestabstand, erzählen besorgte Wanderer. Der Wirt sagt, er wolle kein to-go-Geschäft anbieten, weil der Aufwand zu groß sei, um draußen die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren.

Foodtruck statt Wirtshaus

Die Wirtsleute Gabriel und Maximilian Scharnagl - Vater und Sohn - betreiben einen Foodtruck in Zwieslerwaldhaus, den sie momentan Samstag und Sonntag geöffnet haben und dort Burger und andere Spezialitäten aus ihrer Grillküche anbieten. Das nutzen Einheimische, aber auch die vielen Wanderer, die hier unterwegs sind, unter anderem Richtung Falkenstein. Der Foodtruck ist wenigstens ein kleiner Ausgleich zur geschlossenen Gastronomie, sagen beide. Aber ein offen gehaltenes Wirtshaus würden sie - auch wegen der dort leichter zu kontrollierenden Hygieneregeln - bevorzugen.

© BR/Renate Roßberger

Viele Tagesausflügler sind trotz Lockdown im Bayerischen Wald unterwegs. Berge und Wanderparkplätze sind deshalb überfüllt.

Mehrere Nächte Wildcampen ist verboten

Ebenso wie offen gehaltene Campingplätze. Stattdessen stünden jetzt wild Wohmobile in der Gegend herum, erzählt der Bodenmaiser Bürgermeister Joli Haller. Denn offiziell darf man höchstens eine Nacht wild Campen, nicht länger. Den Grill auspacken, sich auf Wanderparkplätzen häuslich einrichten, wie es manche jetzt tun, ist dagegen verboten.

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