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Bayerischer Wald: Handarbeit in gigantischen Dimensionen | BR24

© Stettmer

Schreiner Gottfried Stettmer sitzt auf einer seiner XXXL-Bänke

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Bayerischer Wald: Handarbeit in gigantischen Dimensionen

Ein niederbayerischer Schreinermeister fertigt im Bayerischen Wald XXXL-Möbel an, die über eine Tonne auf die Waage bringen. Das Besondere daran: Er baut sie in Handarbeit und musste sich ein Spezialwerkzeug dafür ausdenken.

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Schreinermeister Gottfried Stettmer aus Kollnburg im Bayerischen Wald hat erneut einen "gigantischen" Auftrag erhalten: Er fertigt XXXL-Möbel aus Eichenholz. Jetzt sind die beiden Tische und ein Regal im Riesenformat fertig und werden ausgeliefert. Wenn Stettmer auf seinen Unikaten Platz nimmt, erinnert er an den Roman "Gullivers Reisen".

Riesen Möbel fürs Museum

Vor drei Wochen hat Stettmer mit dem Hobeln und Bauen angefangen. Der Auftraggeber: Wieder derselbe Kunde aus dem Raum Osterhofen (Lkr. Deggendorf), für den er dieses Jahr schon einen 350-Jahre alten Baum zum Zeitzeugen als Tisch angefertigt hatte. Jetzt wollte der Kunde zwei Tische und ein Regal, und zwar für seine gesammelten Waffen aus den beiden Weltkriegen. Wie Stettmer erzählt, besitzt der Kunde ein Museum in Osterhofen. Der Kunde selbst will nichts sagen und im Hintergrund bleiben.

Tisch wiegt über eine Tonne

Für seinen großen Auftrag musste Stettmer nach Österreich fahren: "Ein Holz in solchen Dimensionen gibt es bei uns nicht." Jedes seiner jetzt angefertigten Möbelstücke bringt über eine Tonne auf die Waage. Die Tische sind 5,20 Meter lang und 1,20 Meter breit.

Spezialwerkezug für XXXL-Aufträge

Doch wie funktioniert das Hobeln, das Heben und das Abschleifen mit so schweren Hölzern? Schon für seinen letzten Baumriesen-Auftrag hatte sich der Schreinermeister etwas einfallen lassen: Er hat sich eine Art "Stahlkäfig" fürs Freie gebaut - ein Spezialwerkzeug für XXXL-Aufträge. Damit kann er ohne Probleme das Holz abschleifen und polieren. Nur beim Heben, da braucht er von Bekannten mit Bulldog und Stapler Unterstützung.

Kundschaft zahlt für Unikate

Mit einem Lkw bringt Stettmer die Möbel jetzt persönlich zum Kunden. Kosten: Für einen Tisch rechnet er zwischen 7.000 und 8.000 Euro. Dafür mussten er und ein Bekannter rund 300 Stunden arbeiten. Durch solche Aufträge ändert sich die Kundschaft, wie Stettmer sagt: "Wer braucht so einen großen Tisch? Die Kundschaft ist dünn gesät, kaum jemand braucht so einen überdimensionalen Tisch." Aber wenn, dann zahlen sie auch gerne und gut dafür. Es sind eben Unikate.

Einer, der Herausforderungen liebt

Wehmut, solche Unikate herzugeben? Nein, meint Stettmer. Er liebt Herausforderungen. Außerdem will er möglichst naturbelassen arbeiten: "So ein Baum wird im Laufe der Zeit meist oval - das soll so bleiben, auch bei den Möbelstücken. Das ist zwar schwierig, aber mit meiner Konstruktion ist der Baum so geblieben, wie er ist." Wenn der Kunde seine Handarbeit schätzt, ist der niederbayerische Schreinermeister zufrieden - und ist schon jetzt auf seinen nächsten gigantischen Auftrag gespannt.

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Nur mit Bulldog und Stapler lassen sich die über eine Tonne schweren Möbelstücke heben

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Schreinermeister Gottfried Stettmer am Tüfteln, wie er die XXXL-Möbel richtig konstruiert

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Für seinen gigantischen Auftrag konnte Stettmer sein Spezialwerkzeug vom vorherigen Auftrag nutzen

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Stettmer hat es geschafft: Jetzt liefert er zwei riesen Tische und ein riesen Regal an den Kunden