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Bayerischer Tierschutzpreis 2020 geht an Bio-Hof in Riegsee | BR24

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Veronica und Georg Mayr wurden für das Konzept ihres Bio-Hofes mit dem Bayerischen Tierschutzpreis ausgezeichnet.

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    Bayerischer Tierschutzpreis 2020 geht an Bio-Hof in Riegsee

    Der Riegseer Naturlandbetrieb von Veronika und Georg Mayr hat den Bayerischen Tierschutzpreis verliehen bekommen. Besonders mit dem Konzept der Ammenkuh-Haltung konnten die Landwirte überzeugen.

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    Von
    • Birgit Rätsch

    Mit dem Bayerischen Tierschutzpreis, der jährlich von Bayerischen Staatsregierung verliehen wird, werden engagierte Bürger und Initiativen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um den Tierschutz verdient machen. Dass Halter von Nutztieren diesen Preis erhalten, ist nicht selbstverständlich. Die Landesvereinigung für ökologischen Landbau hatte den Bio-Hof der Mayrs für den Preis vorgeschlagen. Ihr Konzept, das Ammenkuh-Haltung, Landschaftspflege, Energieerzeugung und Ferienwohnungen umfasst, ist beispielhaft.

    Umstellung von Milch auf Bio-Fleisch

    2013 stellten Veronika und Georg Mayr ihren Betrieb auf Bio um. Dazu mussten sie ein völlig neues Betriebskonzept entwickeln – auch um auch wirtschaftlich bleiben zu können.

    Zentrales Element war die Umstellung von Milchkühen auf Ochsen – sie verkaufen heute nicht mehr Milch, sondern Bio-Fleisch. 120 Ochsen bringen sie im neuen Stall unter, der besonders tiergerecht ist und in unmittelbarer Nähe zu den Weiden liegt. Das Fleisch ihrer Bio-Weideochsen vermarkten die Mayrs als "Riegseer Weideochs“ in der Region. Die Bauern hatten aber auch den Wunsch, Kälber auf ihrem Hof aufzuziehen. Die zusätzliche Haltung von mehreren Kühen hätte sich jedoch nicht rentiert.

    Tierische Ersatzmütter

    Ein Nachbarbetrieb brachte die Bauern schließlich auf eine Idee: "Wir haben bei einem Mutterkuhbetrieb gesehen, dass der Landwirt zu der Mutter noch ein zweites Kalb dazu schiebt. Und dann haben wir gesagt, ja, wenn die Kuh ein fremdes Kalb annimmt, dann müssten auch mehr Kälber möglich sein“, erzählt Georg Mayr.

    Ammenkuh-Haltung wird dieses Konzept genannt. Einer Milchkuh werden zu ihrem eigenen Nachwuchs ein bis vier Kälbchen dazugestellt, die sie als Ersatzmutter annimmt und säugt. Auf diese Weise kann der Bauer mehr Kälbchen auf dem Hof halten.

    Die Mayrs kaufen Kälbchen von Partnerbetrieben zu und ziehen sie bei sich auf dem Hof auf. Durch geeignete Vermarktungsstrategien können sie so auch Langstreckentransporte für die Kälber vermeiden. Ihre fünf Ammenkühe ziehen pro Jahr sechs Kälber auf. Als Ammen können sie noch einige Jahre auf dem Hof bleiben und die Kälber sind frisch, munter und gesund. In den meisten Betrieben werden Kälbchen sonst schnell von den Müttern getrennt und mit Kunstmilch ernährt.

    Warum machen nicht alle Bauern Bio?

    Viele umweltbewusste Menschen fragen sich, weshalb nicht mehr Landwirte so handeln wie Veronika und Georg Mayr: auf Bio umstellen und im Einklang mit Natur und Schöpfung leben. Doch so einfach ist es nicht, das weiß auch Veronika Mayr: "Ich sag immer, jeder Familienbetrieb ist anders beschränkt: beim einen ist es familiär, beim anderen ist es finanziell, manche haben auch ein Platzproblem. Man darf nicht vorschnell sagen, die Landwirte brauchen doch bloß machen, da muss man sich durchbeißen.“

    Wertschätzung der Schöpfung

    Die Mayrs fühlen sich dem Tierwohl und der Umwelt verpflichtet. Sie unterstützen mit Nisthilfen die Wiederansiedelung von Mehl- und Rauchschwalben im neuen Stall. Ihre Blüh- und Brachestreifen sowie Streuwiesen dienen als Rückzugsmöglichkeit für Wiesenbrüter, Insekten und Wildbienen. Die beiden Landwirte haben Achtung vor der Schöpfung - ihr tiefer Glaube ist ihr Fundament: "Mit Gottes Schöpfung ist uns etwas in die Hände gegeben, das wir betreuen, und an dem wir mitwachsen“, sagt Veronika Mayr. "Wir sind auf einem Platz auf der Welt, wo‘s uns ausgesprochen gut geht, wo wir total versorgt sind - eigentlich überversorgt sind - und das muss man sich schon mal ins Bewusstsein rufen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.“

    Mehr zum Thema "Der Streit um das Wohl der Tiere" erfahren sie in STATIONEN am Mittwoch, den 11. November um 19 Uhr, im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.