BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Der Konzertsaal der neuen Isarphilharmonie München.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe
30
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bayerischer Musikrat dringt auf Corona-Lockerungen

Mehr Zuschauer, klare Regeln, Bildungsteilhabe für ungeimpfte Jugendliche: Der Bayerische Musikrat hat sich mit einem Forderungskatalog an die Staatsregierung gewandt. Ministerpräsident Söder macht etwas Hoffnung - am Montag könnte es konkret werden.

Von
Florian HaasFlorian Haas
30
Per Mail sharen

Der Bayerische Musikrat ist hoch unzufrieden mit der aktuellen Situation von Musikerinnen und Musikern im Freistaat. Das geht aus einem Forderungskatalog des Verbandes an die Bayerische Staatsregierung hervor. Musikratspräsident Helmut Kaltenhauser formuliert in dem Schreiben "den dringlichsten Handlungsbedarf im Kulturbereich in mehreren Punkten".

Eine Forderung: mehr Gäste bei Veranstaltungen erlauben

Dazu zählen nach Ansicht des Verbandes vor allem die Zuschauerkapazitäten bei Veranstaltungen. So verlangt der Musikrat konkret, dass die Kapazität auf maximal 75 Prozent erhöht werden solle; aktuell liegt die erlaubte Auslastung bei höchstens 25 Prozent.

Der Rat argumentiert, die 2G- oder 2G-plus-Regel solle die Sicherheit gewähren. Diese Sicherheit solle "anerkannt und auch kommuniziert werden", so heißt es. Letzteres ist durchaus als eine Art Wink mit dem Zaunpfahl zu sehen - hatten sich doch zuletzt mehrere Mitglieder der Staatsregierung besonders stark hinter die Hygienekonzepte der Gastronomie in Bayern gestellt, weniger vernehmbar hinter jene Strategien der Kultur.

Bars, Restaurants und Gasthäuser wurden zuletzt auch, anders als die Kultur, von der eigentlich bundesweit vereinbarten 2G-plus-Regel ausgenommen. Dabei verweisen Kultureinrichtungen häufig auf Studien wie die aus Dortmund, wonach die Corona-Infektionsgefahr in etwa Konzert- und Theatersälen unter bestimmten Bedingungen gering ist.

Wunsch nach mehr Planungssicherheit

Auch fordert der Musikrat nun mehr Planungssicherheit. Der Zeitraum zwischen einem Regierungsbeschluss und dessen Umsetzung müsse "entsprechend dem Arbeitsaufwand" angepasst werden. Heißt wohl frei übersetzt: Die Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen wollen nicht mehr Knall auf Fall von neuen Vorgaben überrascht werden.

In diesem Zusammenhang verlangt der Verband des Weiteren "transparente, verständliche und nachvollziehbare Darstellung der Corona-Regeln", auch im Zusammenspiel von "Verordnung und FAQ".

Sorge um die Bildung der Jugendlichen

Und auch die jüngere Generation sieht man benachteiligt. Kritisiert wird, dass derzeit ungeimpfte und nicht genesene Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren aus dem Kulturleben ausgeschlossen würden. Damit seien sie in ihrer Bildung benachteiligt. Diese, wie es heißt, "passive Teilhabe" müsse geklärt werden.

Wann diese und die anderen Fragen geklärt werden? Vermutlich schon am Montag. Dann berät das bayerische Kabinett über mögliche Veränderungen der Corona-Regeln im Kulturbereich. Der aus Unterfranken stammende FDP-Landtagspolitiker Kaltenhauser, der als Nachfolger von Marcel Huber erst vor einer Woche zum (zunächst kommissarisch tätigen) Präsidenten des Musikrates gewählt worden ist, sieht die Zeit jedenfalls längst dafür gekommen.

Den Brief, der konkret an Staatskanzleichef Florian Herrmann, Kunstminister Bernd Sibler, Gesundheitsminister Klaus Holetschek (alle CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) adressiert ist, schließt er mit den eindringlichen Worten: "Es muss jetzt gehandelt werden, um der Musik nicht endgültig die Luft zu nehmen."

Söder deutet Rückkehr zu volleren Konzertsälen an

Zum Hintergrund: Der Musikrat ist nach eigenen Angaben die größte Kulturorganisation in Bayern und repräsentiert - als Zusammenschluss dutzender Einrichtungen und Verbände - gut eine Million Bürgerinnen und Bürger; unter ihnen sind Berufsmusiker, aber auch Laienkünstler und Vertreter aus der musikalischen Bildung. Sein Ziel ist es, "auf der Grundlage gesamtgesellschaftlicher Verantwortung" dazu beizutragen, die Musikkultur im Freistaat zu verbessern.

Und im konkreten Fall stehen die Chancen dazu nicht schlecht. Womöglich werden die Forderungen zumindest teilweise erhört. Quasi zeitgleich mit dem Schreiben des Musikrats kündigte Ministerpräsident Markus Söder an, fortan in der Corona-Politik einen "breiteren Ansatz" zu verfolgen - und dabei mehr auf gesellschaftlich-soziale Komponenten zu achten als bisher. In Bayern solle mittelfristig wieder jeder zweite Platz bei Kulturveranstaltungen besetzt werden dürfen, sagte Söder.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

BAYERN 3-Nachrichten

Schlagwörter