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Bayerischer Lokaljournalismus zwischen Alltag und Innovation | BR24

© picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

Lokaljournalismus in Bayern

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    Bayerischer Lokaljournalismus zwischen Alltag und Innovation

    Gibt es im Lokalblatt immer nur dasselbe? Herrscht im Lokalen noch die "heile Welt"? Haben die Verleger die Zeichen der Online-Zeit erkannt? Auch bei den Lokalzeitungen gehen die Auflagen zurück. Für die Lokalreporter heißt das: immer mehr Stress.

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    Es ist gleich 19 Uhr. Feierabend für Thomas Radlmaier. Er arbeitet in der Dachauer Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung und hinter ihm liegt heute das, was er einen klassischen Arbeitstag nennt. "Ich war gestern im Stadtrat in Dachau, und dann bin ich heute gekommen und hab zwei Texte geschrieben. Einmal zum Haushaltsbericht – das war gestern das große Thema, und dann noch ein Beistück zu Busfinanzierung."

    Lokaljournalismus: Stress nimmt zu

    Anschließend ging es für Radlmaier dann gleich weiter ins Amtsgericht. Mal gemütlich Pause machen – das ist oft nicht drin. "Man hat eigentlich nie Zeit. Es muss einfach zack, zack gehen." Und dieser Stress nimmt zu, sagt er: "Es gibt ja auf Facebook ganz viele lokale Gruppen und dann schreibt da jemand. 'Blaulicht in der Dachauer Straße - was ist das los, SZ Dachau?' Und dann musst du da schnell reagieren. Es wird immer schneller und schneller."

    Für Thomas Radlmaier macht diese Entwicklung den Job als Lokaljournalist erst interessant: "Es macht unglaublich viel Spaß, diese Zeit mitzuerleben." Michael Busch, der Vorsitzende des Bayerischen Journalistenverbands, ist da ein bisschen zurückhaltender: "Der Zustand des Lokaljournalismus in Bayern ist schwer einzuschätzen. Da ist viel in Bewegung."

    Online wird viel experimentiert

    Auch Markus Rick, Hauptgeschäftsführer des Verbands bayerischer Zeitungsverleger, klingt da ähnlich: "Die Stimmungslage ist etwas ambivalent." Klar ist dabei: Mediennutzer sind immer digitaler unterwegs. Aber viele Lokalzeitungen in Bayern suchen immer noch nach dem richtigen Umgang damit, so Rick: "Es wird viel experimentiert. Es werden viele neue Produkte entwickelt. Wenn diese Produkte scheitern, wird das nicht mehr als schlimm empfunden. Wir merken, dass es kein Patentrezept gibt, dass man versuchen muss, sich auf vielfältige Weise dem Thema Digitalisierung zu nähern."

    Dieses Ausprobieren im Digitalen begrüßt auch der Bayerische Journalisten-Verband. Schließlich geht es darum, die Arbeitsplätze zu sichern. Aber für Michael Busch muss es auch Grenzen geben. Es kann nicht nur gespart werden, so Busch: "Wichtig ist, dass die Inhalte in irgendeiner Form transferiert werden und zum Konsumenten kommen. Da gehen wir mit den Ideen mit. Wo sich gegen gewehrt, ist die Art, dass die Lösung darin gesucht wird, dass man alle Aufgaben konzentriert auf wenige Leute schiebt."

    Lokalreporter müssen mehr als nur schreiben

    Nur schreiben – das ist für viele Lokaljournalisten vorbei. Oft müssen sie noch twittern, fotografieren, Videos drehen und das alles am besten schon von vor Ort absetzen. Für Michael Busch sind viele Journalisten, vor allem im Lokalen, überlastet. Ein Grund dafür aus seiner Sicht: Personalabbau: "Wir haben immer mehr Kollegen, die gerade bei uns im Verband anzeigen, dass sie aus der Festanstellung in die Freiberuflichkeit wechseln, also nicht mehr in dem Hause sind."

    Im Moment gebe es keinen größeren Personalabbau, sagt dagegen Markus Rick vom Bayerischen Verlegerverband. Das könnte sich aber ändern, sagt Rick: "Wir versuchen im Moment, den Kostendruck, der aus dem Zustellbereich kommt, von den Redaktionen fernzuhalten. Wenn wir hier keine Lösungen finden, dann ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen, dass wir uns auch die Personalkosten im redaktionellen Bereich anschauen."

    Internet wird bei vielen immer noch als temporäre Erscheinung gesehen

    Für Michael Busch sind die finanziellen Probleme der Verleger aber auch hausgemacht. In besseren Zeiten wurde einfach nicht nachhaltig gearbeitet, sagt er. Und dann – am Ende eines längeren Interviews – wird Busch nochmal deutlich. Manche Verleger hätten die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt, meint Busch: "Internet läuft bei denen unter dem Motto – und das geben die Kollegen uns auch immer so weiter – das ist eine temporäre Erscheinung. Das sitzen wir aus."

    "Lokaljournalismus hat Zukunft"

    So groß die Probleme auch sind und so verschieden die Strategien – bei einem sind sich alle sicher: Die jetzigen Lokalredaktionen werden überleben. So klingt das beim Verlegerverband: "Lokalberichterstattung kann niemand besser als wir – die Lokalzeitungen!" Und so beim Journalistenverband: "Lokaljournalismus hat Zukunft und wird bestehen bleiben."

    Auch Journalist Radlmaier ist optimistisch. Denn Lokalredaktionen haben für ihn einen unschlagbaren Heimvorteil: "Man hat viele Geschichten exklusiv. Also wir sind die einzigen die darüber berichten. Wenn wir es nicht tun, dann würde es keiner machen. Und da würde dann einiges wegbrechen, was die Leute vermissen."