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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Mehr Tempo und mehr Flexibilität beim Impfen. Das ist die Devise laut Bundeskanzlerin Merkel nach dem Impfgipfel gestern. Ein zentraler Teil der Impfstrategie: Die Hausarztpraxen stärker einbinden.

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Bayerischer Hausärzteverband: Über 70-Jährige haben Priorität

Die Beschlüsse des jüngsten Impfgipfels gehen in die richtige Richtung finden die Hausärzte. Aber sie drücken aufs Tempo, denn in den Praxen würden viele erreicht, die auf Impfstoff warten. Die Priorität der über 70-Jährigen würde eingehalten.

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Von
  • Christina Lutz

Aus Sicht der Hausärzte gehen die Beschlüsse des Impfgipfels vom Freitag in die richtige Richtung. "Aber es könnte aus unserer Sicht noch schneller gehen, definitiv", sagte der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Markus Beier, dem Bayerischen Rundfunk. In Bayern werden ab dem 1. April die Hausarztpraxen in die Impfstrategie mit einbezogen, etwas schneller als bundesweit vereinbart, was Beier lobt.

Hausärzte erreichen andere Patienten als Impfzentren

Denn die Hausärzte hätten Kontakt zu vielen Patienten, die dringend darauf warten, dass der Impfstoff in die Praxen kommt: Menschen, die sich noch nicht für die Impfung registriert hätten. Aber auch durch die Impfstoffdiskussion verunsicherte Patienten, die das Vertrauensverhältnis zu ihrem Hausarzt bräuchten, erläuterte Beier. Und Bettlägrige und Pflegebedürftige, die nicht in die Impfzentren kommen könnten, warten auf den Besuch ihres Hausarztes.

Die Kritik der Patientenschützer lässt Beier nicht gelten: "Wir werden eine Priorität einhalten." Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hatte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gewarnt, dass die Einbeziehung der Hausarztpraxen bei den Corona-Impfungen zu einer Verschärfung der Ungleichbehandlung führen könne und durch mehr Flexibilität "die lebensrettende Impfpriorisierung für die Schwächsten zu Grabe getragen" werde. Nur Über-70-Jährige sollten in den Praxen geimpft werden dürfen, forderte der Patientenschützer.

Auch bei Hausärzten Priorität für Menschen über 70 Jahren

"Die über 70-Jährigen haben auch bei uns Priorität. Ganz klar", sagt Markus Beier. Der Vorsitzende der Hausärzte macht einen schweren Vorwurf: "Also bei den Patientenschützern, glaube ich, die haben in den letzten Wochen nicht mit den Patienten geredet, mit denen sie reden sollten." Auf den Wartelisten der Hausärzte stünden mittlerweile Hunderte Patienten. "Das sind ganz viele über 70-Jährige natürlich. Aber das sind auch ganz viele Schwerstkranke, die etwas jünger sind. Also wir werden eine Priorität einhalten, das ist so. Aber wir haben auch Patienten, die schwerstkrank sind und die auf den Impfstoff warten", so Beier wörtlich.

Für längeren Abstand zwischen den Impfungen

Nach Ansicht der Hausärzte könnte die Impfung deutlich beschleunigt werden: Indem die Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung deutlich verlängert würden. Das sei laut Impfstoffherstellern möglich. Zudem sollten die Lagerbestände von Impfdosen aufgelöst und verimpft werden. Laut Beier lagerten derzeit rund 3,6 Millionen Impfdosen. "Und die Praxen sollten - vor allem auf Bundesebene - noch schneller mit ins Boot geholt werden.

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