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Bayerische Wirtschaft in Angst vor Brexit-Chaos | BR24

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Die Flaggen Großbritanniens und der EU

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Bayerische Wirtschaft in Angst vor Brexit-Chaos

Das britische Unterhaus hat den Brexit-Deal abgelehnt, ein "harter" Austritt Großbritanniens aus der EU scheint immer wahrscheinlicher. Bayerns Wirtschaft ist nun in Sorge.

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Und jetzt? Den Briten weiter nachgeben oder hart bleiben? Diese Frage treibt auch die bayerische Wirtschaft um.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, sagte: "Die Ablehnung des Austrittsabkommens ist aus unserer Sicht dramatisch." Ein chaotischer Brexit rücke in gefährliche Nähe. "Wir brauchen jetzt schnellstmöglichst eine Lösung."

"Oberste Priorität muss es nun sein, einen harten Brexit doch noch zu vermeiden. Das Vereinigte Königreich liegt auf dem vierten Platz der wichtigsten Exportländer Bayerns, wir haben schon ein Absacken erlebt, sowohl im Export wie im Import, das wäre zu befürchten, dass das weiter geht." Bertram Brossardt, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

Fuest fordert neue Verhandlungen

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, fordert Großbritannien und die EU auf, die Verhandlungen zu einem Brexit-Abkommen wieder aufzunehmen.

"Ein harter Brexit mit seinen riesigen Kosten muss vermieden werden." Clemens Fuest, Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung

Beide Seiten sollten nun an den Verhandlungstisch zurückkehren und das Abkommen so anpassen, dass es für beide Seiten akzeptabel ist, "alles andere wäre ein nicht akzeptables Politikversagen".

Der Ifo-Forscher Gabriel Felbermayr bezeichnete die Ablehnung des Brexit-Deals durch das Unterhauses als immerhin verständlich: "Das Nein der britischen Abgeordneten zum Trennungsabkommen ist absolut nachvollziehbar, weil es das Vereinigte Königreich auf den Status einer Handelskolonie herabstufen würde."

© BR

Das britische Unterhaus entscheidet heute über den Brexit. Was bedeutet der für Bayern? #fragBR24

"Stürmische Zeiten" befürchtet

Der Präsident der IHK Schwaben, Andreas Kopton, sagte, für rund 500 schwäbischen Betriebe könne die Entscheidung des britischen Unterhauses "stürmische Zeiten" bedeuten, denn sie haben laut Industrie- und Handelskammer regelmäßige Geschäftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich. Für die Wirtschaft in Bayerisch Schwaben ist Großbritannien der zweitwichtigste Exportpartner in Europa, "gerade kleine Unternehmen, die bislang nur Handel innerhalb der EU betreiben, kommt ein Brexit teuer zu stehen", berichtet Jana Lovell, Leiterin des Geschäftsfelds International bei der IHK Schwaben.

Frank Dollendorf von der IHK München und Oberbayern - der größten Regionalgliederung der Handelskammern in Deutschland - hatte schon gestern gewarnt, viele kleine und mittlere Unternehmen seien auf einen harten Brexit nicht vorbereitet.

Angst um den Mittelstand

Auch Markus Huber von der Industrie- und Handelskammer für die Oberpfalz und Kelheim sagte im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk: "Vor allem trifft es die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die bisher mit dem Vereinigten Königreich zusammengearbeitet haben und den Vorteil hatten, dass es aufgrund der EU-Vorschriften keinerlei Zölle und keinerlei Papierkrieg gab. Ein harter Brexit würde alles das vom Tisch wischen." Neben dem zusätzlichen bürokratischen Aufwand könnten Exportwaren länger an der Grenze zum Vereinigten Königreich aufgehalten werden, wodurch Kosten für Spediteure und Firmen entstehen, so Huber weiter.

IG Metall sieht Arbeitsplätze in Gefahr

Der Bezirksleiter der IG Metall für Bayern , Johann Horn, befürchtet jedoch, dass ein harter Brexit auch für Großunternehmen schwerwiegende Folgen haben könnte, "gerade für die Großen, für die Automobilhersteller. Ich kann nur hoffen, dass es noch irgendwie gelingt, zu einer Vereinbarung zu kommen, damit das nicht ungeregelt passiert." Das nämlich, so Horn würde insbesondere bei der bayerischen Wirtschaft "großen Schaden anrichten".

"Möglicherweise sind Arbeitsplätze gefährdet, weil einfach die Unternehmen nicht mehr ohne Zölle produzieren können, weil viele Waren, die wir produzieren, nicht mehr da hin kommen, nicht mehr produziert werden müssen - und damit stehen viele Arbeitsplätze im Feuer." Johann Horn, Bezirksleiter IG Metall Bayern

Bauernpräsident warnt vor Chaos

Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl warnte eindringlich vor den Folgen eines ungeregelten Brexits für die Landwirte:

"Ein ungeregelter Brexit würde im Chaos enden. Ohne Rechtssicherheit oder Übergangsfristen wären auch enorme Folgen für die bayerischen Bauern die Folge." Walter Heidl, Präsident Bayerischer Bauernverband

Derzeit würden Agrarerzeugnisse – vor allem Milch und Fleisch – im Wert von 4,7 Milliarden Euro von Deutschland an Großbritannien geliefert, so Heidl, der auch Vizechef des Deutschen Bauernverbandes ist. Heidl fürchtet auch um Subventionen für die EU-Landwirtschaft, wenn der Nettozahler Großgritannien die EU verlässt: Wenn es tatsächlich zum Brexit komme, werde das ein Loch von zehn bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr in den EU-Haushalt reißen. Dann dürfe es keine kurzsichtigen Sparmaßnahmen und nationale Egoismen geben.

>>> Mehr zum Thema um 12.45 Uhr in einem B5 Extra. Mit dabei: ARD-Korrespondent Thomas Spickhofen (London) und Prof. Waltraud Schelkle von der London School of Economics.

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