BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Bayerische Landesausstellung in Aichach und Friedberg startet | BR24

© BR/Doris Bimmer

Die Wittelsbacher haben Bayern verändert, vor allem durch ihre Städtegründungen. Am Mittwoch, 10.6.2020, beginnt die Bayerische Landesausstellung in Aichach und Friedberg zum Thema. Wegen Corona wurde die Ausstellung verschoben: eine Herausforderung.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Bayerische Landesausstellung in Aichach und Friedberg startet

Die Wittelsbacher haben Bayern verändert, vor allem durch ihre Städtegründungen. Am Mittwoch, 10. Juni, beginnt die Bayerische Landesausstellung in Aichach und Friedberg zum Thema. Wegen Corona wurde die Ausstellung verschoben: eine Herausforderung.

Per Mail sharen

Das Corona-Virus kennt keine Grenzen und hat somit auch der Bayerischen Landesausstellung 2020 einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hätte schon Ende April öffnen sollen, musste aber, wie alle anderen Museen auch, erst das grüne Licht der Staatsregierung abwarten, bevor an eine Öffnung zu denken war. Erst als klar war, dass und wann Museen wieder öffnen dürfen, konnte sich das Team um Kurator Peter Wolf daran machen, die Ausstellung zu komplettieren.

Sehr wertvolle Ausstellungsstücke erschweren die Organisation

Viele Exponate mussten und müssen erst noch nach Bayern transportiert werden. Weil sie so wertvoll sind, laufen die Transporte unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen, erklärt Wolf im BR-Gespräch. Auch das ein Grund, warum die Ausstellungsstücke nicht schon während des Lockdowns ins Wittelsbacher Schloss nach Friedberg gebracht werden konnten. Denn es müssen bei solch seltenen und alten Exponaten vom verleihenden und dem ausleihenden Haus Vertreter vor Ort beim Verpacken und Verladen dabei sein. Schon daran sei es wegen der geschlossenen Grenzen gescheitert, sagt Peter Wolf.

Schwierigkeiten wegen des Multimedia-Teils der Landesausstellung

Auch der Aufbau der Multimedia-Ausstellung im FeuerHaus in Aichach, dem zweiten Ausstellungsort neben Friedberg, war durch die coronabedingten Einschränkungen beeinträchtigt. Denn die beauftragte Baufirma kommt aus Südtirol, die Planer der Ausstellung sind in Österreich daheim. Nur selten konnten sie vor Ort in Aichach arbeiten.

Landesausstellung setzt großen Kunsttransport in Gang

Jetzt geht es aber tatsächlich los für die Bayerische Landesausstellung 2020 mit dem Titel: „Stadt befreit“, und zwar am Mittwoch, 10. Juni. Peter Wolf sagt: „Wir surfen auf der ersten Welle. Denn die Bayerische Landesausstellung ist das erste Ausstellungsprojekt in Deutschland, wenn nicht sogar in ganz Europa, das einen großen Kunsttransport in Gang setzt.“ Es wäre keine Woche früher gegangen, so Wolf.

Kurator: Landesausstellung ist schon fast ein kleines Wunder

Trotz aller Widrigkeiten ist Wolfs Ziel, dass die Besucher von all den Sorgen und Nöten im Vorfeld nichts mitbekommen, wenn sie durch die Landesausstellung gehen. „Insofern ist das die Ausstellung, die wir vorgehabt haben. Und dass das möglich war, das ist schon fast ein kleines Wunder.“

Die Wittelsbacher und ihr Land

Die diesjährige Bayerische Landesausstellung wird im sogenannten Wittelsbacher Land stattfinden, das ist die Region zwischen den Städten Aichach und Friedberg im Landkreis Aichach-Friedberg im Regierungsbezirk Schwaben. Das Herzogsgeschlecht der Wittelsbacher bei Aichach hatte im Örtchen Oberwittelsbach ihre Burg stehen, daher der Name Wittelsbacher Land.

Die Wittelsbacher haben Altbayern verändert

Von dort haben die Wittelsbacher im 12. Jahrhundert einen regelrechten Siegeszug durch ganz Altbayern angetreten, sind auf der Erfolgswelle ganz oben mitgeschwommen und haben sich, auch mit ein wenig glücklicher Fügung, bis zum Ende der Monarchie in Bayern, also bis nach dem Ersten Weltkrieg, an der Macht gehalten. Die Wittelsbacher haben Altbayern, das ist in etwa der Landstrich zwischen den Flüssen Lech, Donau und Inn, tief geprägt, vor allem durch ihre zahlreichen Stadtgründungen. Und dem trägt die Landesausstellung 2020 Rechnung.

Warum die Stadtgründungen so beliebt waren

Bevor die Wittelsbacher im Jahr 1180 die Herzogswürde erhalten haben, war Altbayern eher bäuerlich geprägt. Beeinflusst von den Kreuzzügen fand damals auch die Idee der Stadtgründungen hierzulande immer mehr Anhänger. Profitiert haben davon alle. Die Herrscher, weil sie durch wachsende Städte auch mehr Steuereinnahmen hatten, außerdem waren die Verhältnisse überschaubar und stabil. Die Bürger, weil sie sich zunehmend persönliche Rechte erkämpfen konnten, allen voran das Recht auf Freiheit. Es galt das ungeschriebene Gesetz: Wer ein Jahr und einen Tag in der Stadt lebte, der war seine Leibeigenschaft los, der frühere Lehnsherr hatte alle Ansprüche verloren. Somit zog es viele Menschen vom Land in die Stadt. Es war ein Erfolgsmodell.

Die Ausstellungsorte in Aichach und Friedberg

Wie sich die Menschen in der Boomzeit der Städtegründungen zusammenfinden, also im 12./13. Jahrhundert, wie sie sich in den Jahrhunderten darauf organisiert haben und wie das Zusammenspiel mit den Wittelsbacher Herzögen funktionierte. Um das heute noch anschaulich darzustellen, haben sich die Kuratoren im Haus der Bayerischen Geschichte viel einfallen lassen und sie zeigen es an zwei Ausstellungsorten: Einmal im imposantem Wittelsbacher Schloss in Friedberg. Und einmal im FeuerHaus in Aichach. In Friedberg findet eine eher klassische Ausstellung statt, mit vielen und größtenteils sehr wertvollen Exponaten. Darunter ein tonnenschweres Tympanon, ein Steinrelief aus dem 13. Jahrhundert aus Deggendorf, ein Richtschwert aus Straubing, ein Buch aus Frankreich.

Die Landesausstellung ohne Festakt

Wegen der weiter geltenden Corona-Beschränkungen gelten auch für den Start der diesjährigen Landesausstellung andere Regeln. Einen großen Festakt wie sonst üblich wird es nicht geben, das Blitzlichtgewitter fällt aus. Statt dessen werden die Pressevertreter am Tag vor der Eröffnung in kleinen Gruppen durch die Ausstellung geführt, Kultusminister Bernd Sibler, sowie Richard Loibl, Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte und Kurator Peter Wolf werden die Fragen der Journalisten beantworten. Am 10.6. heißt es dann: Vorhang auf für die Ausstellung „Stadt befreit – Wittelsbacher Gründerstädte“. Der Vorhang fällt dann wieder am 8. November.

Reduziertes Rahmenprogramm zur Landesausstellung

Weil die Bayerische Landesausstellung wegen der Corona-Pandemie somit rund sechs Wochen später startet als geplant und weil in Bayern bis Ende August noch alle Veranstaltungen untersagt sind, fällt auch ein großer Teil des Rahmenprogramms zur Landesausstellung durch das Raster. Eigentlich waren vom Tourismusverband Wittelsbacher Land rund 1.000 Programmpunkte geplant, mit mittelalterlichen Stadtfesten, Stadtführungen, Vorträgen, Exkursionen. Davon können die wenigsten stattfinden.

Natur- und Kulturangebote rund um die Landesausstellung

Immerhin möglich sind aber die Natur & Kultur-Angebote, wie zum Beispiel die Wittelsbacher Spuren-Tour. Eine eigens zur Landesausstellung erarbeitete Radrunde, die die Ausstellungsorte Aichach und Friedberg miteinander verbindet und die an zahlreichen Orten vorbeiführt, deren Geschichte mit derer der Wittelsbacher verknüpft ist.

© BR

Bayern vor 1000 Jahren - wie sind damals die bayerischen Städte entstanden? Die Antwort gibt die Bayerische Landesausstellung in Aichach und Friedberg.