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Bayerische Jugendherbergen in Gefahr | BR24

© BR/Christian Riedl

Jugendherbergen haben Konkurrenz durch Hostels oder Billighotels bekommen - denn die sind oft moderner und auch nicht teurer. Deshalb ist der Verband in finanziellen Nöten und will jetzt zwei weniger rentable Standorte im Bayerischen Wald schließen.

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Bayerische Jugendherbergen in Gefahr

Jugendherbergen haben Konkurrenz durch Hostels und Billighotels bekommen - denn die sind oft moderner und auch nicht teurer. Deshalb ist der Verband in finanziellen Nöten und will jetzt zwei weniger rentable Standorte im Bayerischen Wald schließen.

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Bayernweit haben Jugendherbergen damit zu kämpfen, dass nicht genügend Gäste kommen. Im vergangenen Jahr zählte der Verband 1.233.955 Übernachtungen – von knapp 480.000 Gästen. Das entspricht einer durchschnittlichen Auslastung von 39 Prozent.

Ländliche Jugendherbergen nur zu 20 Prozent ausgelastet

Damit haben die Jugendherbergen zwar eine ähnliche Auslastung wie auch die Hotellerie in Bayern, doch sind die Unterschiede zwischen den Regionen erheblich. Während Jugendherbergen in Nürnberg, Bayreuth oder München mehr als die Hälfte aller Betten belegen konnten, sind Jugendherbergen auf dem Land nur zu rund 20 Prozent ausgelastet.

Erste Jugendherbergen sollen schließen

Das Jugendherbergswerk will jetzt die Standorte Bayerisch Eisenstein und Haidmühle schließen, denn die Auslastung liegt hier bei 31 beziehungsweise 22 Prozent. Dabei hat Bayerisch Eisenstein in den letzten Jahren Gäste hinzugewonnen. Die Besucher können hier im Winter Ski fahren und im Sommer wandern - von hier aus sieht man auch den Großen Arber. Doch das hat nicht gereicht.

Vorwurf: Das Land wird vergessen

Der Vorsitzende des Betriebsrats der Bayerischen Jugendherbergen, Stefan Jobst, kritisiert die Schließung. Er ist überzeugt, dass gerade der Standort in Bayerisch Eisenstein wirtschaftlich betrieben werden könnte. Zwar müsse man sich natürlich auch daran orientieren, wie viele Gäste kommen, der Betriebsratsvorsitzende gibt aber zu bedenken:

"Häufig ist es so, dass Besucher von Jugendherbergen, die geschlossen werden, nicht von den Nachbarjugendherbergen aufgenommen werden." Stefan Jobst, Vorsitzender des Betriebsrats der Bayerischen Jugendherbergen

Wenn Jugendherbergen sich aus dem Bayerischen Wald zurückziehen, sieht Jobst deren Bildungsauftrag in Gefahr.

Jugendherbergen sind Bildungsorte geworden

Jugendherbergen gibt es seit mehr als 100 Jahren. Ursprünglich war die Idee, wandernden Jugendlichen günstige Unterkünfte zu bieten. Seitdem haben sich die Anforderungen weiterentwickelt: Herbergen sollen Freizeitangebote bieten und mit pädagogischen Konzepten die Schulbildung unterstützen.

Die Jugendherbergen sind zum zentralen Bestandteil der Jugendarbeit und –bildung geworden und erhalten dafür staatliche Förderung. So bezuschusste der Freistaat Bayern Bau und Sanierung von Jugendherbergen in den vergangenen drei Jahren mit rund 1,3 Millionen Euro.

Bauförderung reicht nicht, um unrentable Standorte zu retten

Die Förderung hilft dem Jugendherbergswerk zwar unrentable Jugendherbergen zu sanieren oder umzubauen, den Eigenanteil der Investitionen spielen diese Standorte aber oft nicht wieder ein. Der Verband kann sich nur eine gewisse Anzahl von defizitären Jugendherbergen leisten und braucht wirtschaftlich starke Herbergen, um die Defizite auszugleichen. Investitionen lohnen sich deshalb vor allem bei rentablen Standorten, um sie noch attraktiver zu machen.

Jugendherbergen auf dem Land selten wirtschaftlich

Den Vorwurf, das Land werde dabei vernachlässigt, weist der Geschäftsführer des Landesverbands des Deutschen Jugendherbergswerks, Michael Gößl aber zurück. Bayernweit ein Netz von Jugendherbergen aufrecht zu erhalten, mache das Jugendherbergswerk aus. In den vergangenen Jahren habe man deswegen in den ländlichen Raum investiert – selbst dann, wenn es sich wirtschaftlich nicht lohne.

Tatsächlich gingen knapp 23 Prozent der Investitionen zwischen 2016 und 2018 an Jugendherbergen auf dem Land. Zum Vergleich: Fast 30 Prozent wurden alleine für den wirtschaftlich gut laufenden Standort Bayreuth aufgebracht.

BLLV: Herbergen auf dem Land wertvoll

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), bedauert, dass die Jugendherbergen in Bayerisch Eisenstein und Haidmühle geschlossen werden. Gerade die Herbergen auf dem Land hätten sich die Bereiche Nachhaltigkeit und Ernährung auf die Fahnen geschrieben. Themenfelder, die sehr gut in den Lehrplan passten. Andere Unterkünfte hätten ein überzeugendes demokratisches Bildungsprogramm, so Fleischmann.

Mit den Schulklassen suche man gemeinsam ein Ziel aus. Dabei spiele oft weniger der Standort als das Konzept der Jugendherberge eine Rolle. Wenn das überzeuge, dann fahre man dafür auch eine dreiviertel Stunde länger mit dem Bus. Und sie ergänzt: Die Hightech-Ausstattung brauche es dafür ebenso wenig.