Das Corona-Impfzentrum in Miltenberg in Unterfranken: Aktuell lassen sich dort am Tag rund 40 Menschen impfen.

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Bayerische Impfzentren im Sommerloch: Teurer Luxus?

Bayerische Impfzentren im Sommerloch: Teurer Luxus?

Es ist Sommer: Corona und Auffrischungsimpfungen spielen für die meisten Menschen aktuell keine große Rolle. Trotzdem sind in Bayern 80 staatliche Impfzentren im Betrieb. Das ist kostspielig. Mit Blick auf den Herbst könnte sich das aber auszahlen.

Neun Uhr morgens: Das Impfzentrum für den Landkreis Miltenberg öffnet. Die ersten fünf Impfwilligen mit Termin treffen ein. Lange müssen sie nicht im Wartebereich Platz nehmen. Zügig werden sie aufgerufen und auf die Impfkabinen verteilt. "30 bis 50 Impfungen sind es aktuell täglich, die meisten sind Auffrischungsimpfungen, auch der bevorstehende Urlaub und die Einreisbestimmungen der Länder spielen eine Rolle", erklärt der Leiter des Impfzentrums, Björn Bartels. Zum Vergleich: In Spitzenzeiten vergangenen Herbst/Winter wurden in Miltenberg 1.300 Impfungen an einem Tag durchgeführt.

Hohe Kosten für Betrieb der Corona-Impfzentren

Jetzt im Sommerloch wurden die Öffnungszeiten in den Impfzentren verkürzt, das Personal reduziert. In Hochzeiten waren in Miltenberg wöchentlich 47 Mitarbeiter im Dienst. Aktuell sind von Montag bis Freitag 19 Kräfte im Einsatz: Ärzte, medizinische Fachkräfte, Impf-Assistenten, Leitungs-und Verwaltungskräfte.

Die Kosten für den Betrieb: Monatlich 230.000 Euro, etwa für Miete, Nebenkosten, Fahrzeuge, Sicherheitspersonal, Reinigung und Verwaltung. Diese Kosten übernehmen Bayern und der Bund. Die Ärzte rechnen ihr Honorar direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ab. "Das sind monatlich weitere 60.000 bis 70.000 Euro", schätzt Björn Bartels.

Impfzentren oder Hausarztpraxis?

In der jetzigen Situation seien die Impfzentren ein kostspieliger Luxus, den sich zu leisten die Politik bereit sei, heißt es vom Bayerischen Hausärzteverband auf BR24-Anfrage. Die Hausarztpraxen seien aktuell durchaus in der Lage, die Nachfrage nach Impfungen zu bedienen.

Dagegen hält der Leiter des Miltenberger Impfzentrums, Björn Bartels, dass gerade im Herbst, die Hausarztpraxen auch wegen Erkältungen und Grippe immer stark ausgelastet seien. Sollte die vierte Welle kommen, brauche man die Impfzentren spätestens dann wieder. Sie über den Sommer einfach mal zu schließen und dann im Herbst wieder aufzumachen, das sei schon wegen des Personals nicht ohne Weiteres möglich.

Älterer Mann erhält Corona-Impfung

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Angepasste Corona-Impfstoffe ab Herbst erwartet

Eine erhöhte Impfnachfrage im Herbst erwartet auch Dieter Hoffmann, Manager des diagnostischen Labors am Institut für Virologie der TU München. Da würden die Impfstoffe, die an die neuen Corona-Virus-Varianten angepasst sind, erwartet. "Deshalb denke ich, sollte man die Impfzentren nicht vollständig auflösen, weil man nicht weiß, ob die Hausärzte dann in der Lage sind, dem steigenden Bedarf nachzukommen. Es ist ja auch ein logistischer Aufwand dahinter und das kann nicht jede Hauarztpraxis."

Aus virologischer Sicht sei zu erwarten, dass die Zahl der Infektionen weiter steigen werde. Er erwarte außerdem Mutationen des Virus, die leichter und schneller übertragbar seien.

Keine Langeweile im Miltenberger Impfzentrum

Auch wenn im Impfzentrum in Miltenberg derzeit kein allzu großer Andrang ist, Däumchen dreht das Personal nicht. Es bleibe jetzt mehr Zeit für Angebote vor Ort bei den Menschen im Landkreis, erklärt Björn Bartels. Mehrmals wöchentlich stehen mobile Teams auf Supermarktparkplätzen mit Pop-up-Impfungen bereit.

Das niederschwellige Angebot werde sehr gut angenommen, berichtet die ärztliche Leiterin des Impfzentrums, Ute Afifi. "Hier haben wir an manchen Tagen mehr Impflinge als im Zentrum." Ein weiteres Angebot: Das Impfshuttle, welches auch Hausbesuche bei weniger mobilen Menschen macht.

Großer Beratungsbedarf vor Corona-Impfung

Mehr Zeit bleibt im Moment auch für umfassende Beratungsgespräche. Da gebe es absolut Bedarf. "Das kann jetzt auch mal 30 bis 40 Minuten dauern, gerade bei Leuten, die der Impfung skeptisch gegenüberstehen, sich Sorgen machen oder Angst vor Nebenwirkungen haben", erklärt Afifi.

Zwei Drittel derer, die die ausführliche Beratung hatten, entschieden sich dann auch für eine Impfung. Zudem läuft gerade eine spezielle Sprechstunde an, für Menschen, die nach der Impfung Probleme hatten. Diese Daten werden in Miltenberg erfasst. Es wird auch abgeklärt, inwieweit Beschwerden wirklich mit der Impfung zu tun haben.

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