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Bayerische Busfahrer streiken für höhere Löhne | BR24

© pa/dpa

Ver.di hat Busfahrer in Bayern am Freitag zum Streik aufgerufen

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    Bayerische Busfahrer streiken für höhere Löhne

    In mehreren bayerischen Städten werden Fahrgäste, vor allem Schüler, am Freitag vergeblich auf den Bus warten. Die Gewerkschaft ver.di hat in Aschaffenburg, Würzburg, Coburg, Freising, Kaufbeuren und im Donau-Ries-Kreis zu Warnstreiks aufgerufen.

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    Gut zwei Wochen nach dem ersten Streik weitet die Gewerkschaft ver.di die Arbeitsniederlegungen bayerischer Busfahrer aus. Sie ruft für Freitag in sechs bayerischen Kommunen, die im privaten Omnibusgewerbe Beschäftigten zum Streik auf. Der Tarifvertrag für 17.000 Busfahrer in Bayern läuft Ende Oktober aus. Ver.di fordert 3,50 Euro mehr Stundenlohn - das entspricht bei Stundenlöhnen von 13 bis 14 Euro einer Lohnerhöhung von 30 Prozent. Der Landesverband der Omnibusunternehmen (LBO) mit seinen 1.000 Mitgliedsbetrieben will aber erst im Januar in Verhandlungen einsteigen.

    Höhere Abschlüsse in anderen Bundesländern

    Ver.di-Verhandlungsführerin Silke Vorpahl sagte, in Rheinland-Pfalz hätten sich die Tarifparteien im August auf eine Lohnerhöhung auf 15 Euro geeinigt, in Hamburg und Schleswig-Holstein lägen die Abschlüsse noch darüber. Vor Corona habe es einen riesigen Personalmangel gegeben, nach Corona werde es ihn wieder geben. "Der Beruf des Busfahrers muss wieder attraktiver werden; nur so kann gewährleistet werden, dass die Schulbusse auch vom Betriebshof runtergefahren werden und Schüler transportieren." Mit einem "ordentlichen Angebot" könnten die Arbeitgeber weitere Streiks verhindern.

    LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl sagte: "Wir stehen grundsätzlich Lohnerhöhungen nicht im Wege." Aber derzeit sei annähernd ein Viertel der Busfahrer in Kurzarbeit. Im öffentlichen Nahverkehr gebe es weit weniger Fahrgäste als vor der Krise.

    Oberfranken

    In Oberfranken hat ver.di die Beschäftigten der Städtischen Werke Überlandwerke (SÜC) Bus und Aquaria in Coburg zu einem ganztätigen Streik aufgerufen. Betroffen davon werde auch die Schülerbeförderung in Coburg sein, so ein Sprecher von ver.di. In Coburg seien alle Mitarbeiter des städtischen Busbetriebs zum Streik aufgerufen, um eine Aussperrung zu verhindern, sagte ein Sprecher auf BR-Anfrage. Die SÜC Coburg erwartet, dass ein Notbetrieb mangels Personal nicht möglich sein wird. Zudem wären in Corona-Zeiten zu viele Fahrgäste in zu wenigen Bussen unterwegs, was nicht vertretbar sei. Man bedauere die erneute Ausfallsituation und appelliere an die Eltern betroffener Kinder, diese selbst zur Schule zu bringen.

    Unterfranken

    In Unterfranken ist neben Aschaffenburg dieses Mal auch Würzburg betroffen. In Aschaffenburg sind die Beschäftigten der Stadtwerke Aschaffenburg Verkehrs GmbH ab vier Uhr ganztägig zum Streik aufgerufen, in Würzburg sollen die Mitarbeiter der NVG Omnibus-Betriebs-GmbH ab 3.30 Uhr die Arbeit niederlegen, ebenfalls ganztägig. Die Würzburger Straßenbahn ist von dem Streik nicht betroffen. "Wir müssen fairerweise sagen, dass sowohl Aschaffenburg, als auch Würzburg, um Fahrer zu finden, über Tarif bezahlen. In Würzburg ist es ein Euro zusätzlich pro Stunde, in Aschaffenburg gibt es ein Prämiensystem. Trotzdem kann ich nur schwer nachvollziehen, warum in Aschaffenburg ein Müllfahrer besser verdient als ein Busfahrer, der unsere Kinder transportiert", so Gerald Burkard von ver.di gegenüber den BR.

    Oberbayern

    Der Warnstreik-Aufruf könnte auch die Pendler und Schüler im Landkreis Freising treffen: Nach Auskunft der Freisinger Stadtwerke wurden ihre Busfahrer zu den Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Deshalb könne es zwischen vier und zehn Uhr zu Einschränkungen und Ausfällen bei den Stadtbussen kommen. Ähnlich ist es bei einem Verkehrsunternehmern, das MVV-Regionalbuslinien bedient. Auswirkungen erwartet der Landkreis insbesondere bei den Linien 515, 602, 603, 614, 615, 617, 618 und 691. Auch der sogenannte freigestellte Busverkehr, der Schüler aus abgelegenen Gebieten abholt, könnte betroffen sein.

    Schwaben

    Auch in Schwaben werden am Freitag die Angestellten mehrerer Busunternehmen streiken. Der Aufruf gilt für die Firma Osterrieder aus Donauwörth und die Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal in Kaufbeuren. In Donauwörth soll zwischen 5.30 Uhr und zehn Uhr gestreikt werden. Wie die Firma Osterrieder dem BR mitteilte, wird der gesamte Schulbusverkehr ausgesetzt, weil nicht abzusehen sei, wie viele Fahrer sich an dem Streik beteiligen würden. Betroffen ist nach Angaben des Unternehmens rund die Hälfte der Schulen im Landkreis Donau-Ries, insgesamt etwas mehr als 20, von der Grundschule bis zum Gymnasium. Der sogenannte Mietwagenverkehr für Krankentransporte, etwa für Dialyse- und Krebs-Patienten, werde aufrechterhalten. In Kaufbeuren und im nördlichen Landkreis Ostallgäu wird wohl der gesamte Linienverkehr ausfallen. Betroffen sind auch rund 25 Schulen in Kaufbeuren und im Landkreis Ostallgäu. Damit dürften mehrere tausend Schüler nicht auf die gewohnte Weise mit dem Schulbus in die Schule kommen können. In einer Mitteilung des Landratsamtes Donau-Ries heißt es aber, wenn Schüler wegen eines ausgefallenen Busses nicht zur Schule kommen könnten, würden sie als vom Unterricht befreit gelten. Sie müssten aber die Schule informieren.

    Unverständnis bei Arbeitgebern

    Der Geschäftsführer des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmer, Stephan Rabl, sagte auf BR-Anfrage, er habe momentan kein Verständnis für Streiks. Wegen Corona steckten viele Busunternehmen tief in der Krise. Die Forderung von 3,50 Euro mehr pro Stunde komme einer Lohnerhöhung von 30 Prozent gleich, das sei "vollkommen inakzeptabel". Der Arbeitskampf werde auf dem Rücken der Schüler ausgetragen. Der Landesverband Bayerischer Busunternehmer lehnt die Forderung als völlig unangemessen ab, da die Entwicklung der Corona-Pandemie weiter offen sei und die Verkehrsunternehmen massive Einnahmeausfälle abzufedern hätten.

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