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Bayerische Bodensee-Fischer schlagen Alarm: Felchen verhungern | BR24

© dpa / picture alliance

Die Berufsfischer auf der bayerischen Seite des Bodensees befürchten, dass das Felchen ausstirbt.

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Bayerische Bodensee-Fischer schlagen Alarm: Felchen verhungern

Weniger Ertrag, verhungernde Fische und sinnlose Vorschriften - die Genossenschaft Bayerische Bodenseeberufsfischer zieht eine erschreckende Bilanz für 2018. Die Felchen im Bodensee sind fast ausgestorben.

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Die Zahlen deuten es an: ein Drittel weniger beim Ertrag, ganze 77 Prozent weniger bei der Gattung der Felchen. Im Netz der Fischer sind außerdem weniger Seeforellen, Karpfen, Saiblinge und Zander gelandet. Die Fischerei auf dem Bodensee befindet sich in einem noch nie dagewesenen Umbruch.

Erschreckende Bilanz: Felchen-Fang noch nie so schlecht

Auf der Jahreshauptversammlung legen die bayerischen Bodenseefischer eine verheerende Bilanz für das vergangene Jahr vor. Lediglich bei Barsch, Hecht und Aal halten sich die Fangergebnisse auf dem Vorjahresniveau.

Fische finden keine Nahrung

Die Fische im Bodensee finden nichts zu fressen, denn das Plankton-Wachstum im sogenannten Freiwasser ist zu gering. Die Folge: Erstmals haben zum Beispiel die Felchen in den Brutanstalten am See diesen Winter über nicht mehr gelaicht. Die Berufsfischer hatten bereits befürchtet, dass die zarte Lachsart ausstirbt. Eine leichte Entwarnung kam dann im Januar, als doch noch Felchen im Bodensee gesichtet wurden.

Fische benötigen Hochwasser

Damit die Fische genug Nahrung finden, muss das Wasser im Bodensee zirkulieren, damit sich die Näherstoffe am Seegrund lösen. Ein anderer Weg für diese Nährstoffe ist das Hochwasser im Frühjahr: Entscheidend ist nun, ob der Schnee aus den Bergen einfach abtaut oder mit Regen als Schmelzwasser in den Bodensee gelangt.

Kormoran: Fressfeind aus der Luft

Während der Sommermonate mussten sich die Fischer außerdem mit einem tierischen Gegner um ihren Fang streiten:

Der Kormoran frisst mittlerweile mehr Fisch aus dem See als alle Berufsfischer zusammen fangen und das ohne Rücksicht auf Schonzeiten und Schonmaße." Roland Stohr, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft der bayerischen Bodenseefischer

Bis zu 600 Kormorane hätten während der Sommermonate jeden Tag ihre Fress-Wanderung angetreten, von der baden-württembergischen Seite des Sees auf die bayerische. Die Berufsfischer sehen die Politik in der Pflicht, die Kormoran-Bestände zu regulieren.

Bayerische Seite benachteiligt?

Gleichzeitig kommt scharfe Kritik an den Regeln der Internationalen Bodenseekonferenz für Fischerei (IBKF). Denn die Berufsfischer auf der bayerischen Seite dürfen seit Anfang dieses Jahres nur noch vier Netzte auslegen - das sind die wenigsten, im Gegensatz zu den Fischern in Baden-Württemberg, der Schweiz und Österreich.

Lizenzen mit Altersgrenze: Diskriminierung?

Außerdem wurden die Lizenzen für den Fischfang mit einer Altersgrenze versehen. Das soll sicherstellen, dass alle Bodenseefischer ein Auskommen haben trotz sinkender Fangerträge. Allerdings lebt in der bayerischen Fischereigenossenschaft kein Berufsfischer mehr allein vom Fischfang. Vorstand Roland Stohr rechnet vor, dass die meisten Berufsfischer keinen Nachfolger finden und die Lizenzen innerhalb einer Generation sowieso weniger würden. Das Problem würde sich also von selbst lösen.

© BR/Florian Regensburger

54 Jahre lang war Christian Iwen Fischer auf dem Bodensee, dann entzog ihm der Freistaat das Patent - weil er zu alt ist. Auf diese Weise soll die Zahl der Fischer am See reduziert werden.