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Bayerische Bauernhöfe: Vorbild für ganz Deutschland? | BR24

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Nach den Protesten gegen große Fleischfabriken hat Markus Söder Bayern als Vorbild für ganz Deutschland empfohlen. Der Ministerpräsident forderte zugleich mehr Geld für Landwirte, um Ställe und Tierwohl zu verbessern. Der Weg dahin wird kompliziert.

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Bayerische Bauernhöfe: Vorbild für ganz Deutschland?

Nach den Protesten gegen große Fleischfabriken hat Markus Söder Bayern als Vorbild für ganz Deutschland empfohlen. Der Ministerpräsident forderte zugleich mehr Geld für Landwirte, um Ställe und Tierwohl zu verbessern. Der Weg dahin wird kompliziert.

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105.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es noch in Bayern, diese bewirtschaften durchschnittlich 30 Hektar. Vergleichbar kleine Hofgrößen hat ansonsten nur noch Baden Württemberg. In Brandenburg sind die Höfe im Schnitt sechsmal so groß wie in Bayern (240 Hektar), in Niedersachsen doppelt so groß (70 Hektar).

In diesem System mitzuhalten, ist schwer. Deshalb müssen auch in Bayern viele kleinere Betriebe aufgeben. Vor allem die Schweinehalter streichen die Segel: Minus 6,3 Prozent von 2018 auf 2019. Die rund 43.000 Rinder-Betriebe trifft es mit minus 3,4 Prozent etwas weniger hart.

Bund Naturschutz: Auch in Bayern "keine heile Welt"

Die Landwirtschaftsreferentin beim Bund Naturschutz, Marion Ruppaner, sieht die kleinteilige Höfe-Struktur in Bayern grundsätzlich positiv. Aber gerade die kleineren Höfe unterlägen einem riesigen Wachstumsdruck, so die Expertin. Deshalb habe man auch in Bayern “keine heile Welt, auch nicht in der Tierproduktion.”

Fakt ist: Viele kleinere Betriebe mussten im harten Wettberwerb bereits aufgeben. Die übrigen Höfe haben die noch kleineren geschluckt, um mit den kostengünstiger produzierenden großen Rinder- und Schweinehaltern mithalten zu können.

Kann der typische bayerische Milchbauernhof als Vorbild dienen?

Dabei ist die Tierhaltung vor allem für den Freistaat wirtschaftlich enorm wichtig. Sie sorge für mehr als die Hälfte der Erlöse der Bayerischen Landwirte (60 Prozent), so Kay-Uwe Götz, Leiter des Instituts für Tierzucht an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Und zwar je zur Hälfte aus dem Verkauf von Schlachttieren und der Milchproduktion.

Ob der durchschnittliche bayerische Milchbauernhof mit seinen 41 Kühen (bei bundesweit 67 Kühen) als Vorbild für ganz Deutschland dienen kann, ist fraglich. Besonders in den östlichen Bundesländern sind mehrere hundert Milchkühe pro Betrieb die Regel.

Forderung: Mehr Fördermittel für kleine Höfe

Damit aber trotzdem die kleineren Höfe eine Chance haben, müssen künftig noch mehr Agrarfördermittel fließen. Das fordern – wie nun auch Markus Söder - Kleinbauernvertreter und Umweltschützer schon seit Jahren.

Dabei stammen schon jetzt 50 Prozent des bäuerlichen Betriebsgewinns aus EU-Mitteln oder dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) für Umwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen. Da müssten die Politik und die CSU-Staatsregierung unter Markus Söder endlich auch in der Praxis nachsteuern, fordert Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz.

Die kleineren Betriebe bräuchten künftig mehr Geld, die großen müssten weniger bekommen. Ruppaner ist gespannt, wie der Ministerpräsident seine Forderung künftig auch umsetzt. Schließlich habe Bayern vergangene Woche im Bundesrat erst einmal gegen eine Neuverteilung der Flächenprämien gestimmt.

Söder muss sich an Taten messen lassen

Erst dann hätten auch die kleineren Tierhalter langfristig eine Chance in Bayern, meint Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz. Dass sich der Strukturwandel stoppen lasse, glaubt Kay-Uwe Götz von der Landesanstalt für Landwirtschaft nicht. Dass etwa die Anbindehaltung von Kühen unter Auflagen noch 20 Jahre erlaubt sei, bremse den Strukturwandel jedoch deutlich ab.

Von den 30.000 Milchvieh haltenden Betrieben haben 40 Prozent (12.000 Betriebe) noch Anbindehaltung, darunter auch viele sehr kleine Höfe. Deshalb werden nur noch 20 Prozent von etwa einer Million bayerischen Kühen im Stall angebunden.

Druck auf die Landwirte wird zunehmen

Der Druck auf die Landwirte, neue und größere Ställe zu bauen, werde aber weiter zunehmen, so Götz. Staatliche Förderprogramme sollten die Bauern dabei unterstützen, sagte jüngst Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung des Agrarberichtes.

Der Trend zu größeren Höfen mit mehr Tieren geht also weiter. Derzeit liegt der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen in Bayern bei 11,6 Prozent. Bis zum Jahr 2030 sollen es laut Gesetz 30 Prozent werden. Derzeit liegt Bayern im Bundesvergleich bei den ökologisch bewirtschafteten Flächen erst auf Platz 5 - hinter Thüringen und Hessen.

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