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Archivbild: Delegierte beim AfD-Bundesparteitag in Augsburg im Juni

Nach dem Tod eines Deutschen in Chemnitz hatte die AfD zu einem "Trauermarsch" aufgerufen. Zusammen mit AfD-Funktionären wie Björn Höcke, Andreas Kalbitz und Jörg Urban marschierten Rechtsradikale und Neonazis, die den Hitlergruß zeigten. Wie kommt das bei AfD-Mitgliedern in München an?

AfD-Landtagskandidat distanziert sich vom Osten

Uli Henkel, Landtagskandidat der AfD für München Süd, will nicht in Mithaftung genommen werden. Er sagt: Der Osten ticke anders als der Westen. "Und ich will nicht immer mit dem stellvertretenden Schatzmeister von Pusemuckel-Ost in einen Topf geworfen werden, der einfach auch aus meiner Sicht heraus vielleicht krude Ideen verfolgt."

Immer wieder Anfeindungen

Trotzdem passiert genau das. Henkel muss sich für die Vorgänge in Ostdeutschland rechtfertigen und erlebt Anfeindungen. Er erzählt, dass ihm ehemalige Schulkameraden vorwerfen: "Wie konntest Du Dich nur so negativ entwickeln?"

Graffiti gegen Rechts am Wohnhaus von AfD-Mitglied

Auch Iris Wassill, Landtagskandidatin der AfD für München-Ramersdorf, berichtet von privaten Belästigungen aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit. "Ich habe letztes Jahr ein riesiges Graffiti wegwischen dürfen bei meiner Wohnung." Auf dem Graffiti habe gestanden: "Iris Wassill ist AfD Mitglied" und "Keine Toleranz den Rassisten".

AfD-Mitglieder machen Medien verantwortlich

Die Hauptursache dafür, dass die AfD so ein rechtes Image hat, ist für die beiden Politiker klar: Schuld seien die Medien. Deren Berichte seien einseitig, die AfD-Mitglieder selbst kämen zu selten zu Wort.

Als der BR-Reporter aber Uli Henkel bei dessen Infoabend besucht, betont dieser am Ende seiner Rede, später komme noch jemand von der Presse, um Fragen zu Chemnitz zu stellen. Henkel ermahnt seine Anhänger: "Dem bitte nicht antworten." Was er zu dem Zeitpunkt nicht weiß: Der Reporter ist schon vor Ort.

Keine will über Chemnitz reden

Und tatsächlich will später keiner der rund 50 AfD-Anhänger mit ihm sprechen. Henkel begründet seine Ansage so: "Wir hatten schon im Vorfeld gefragt, ob jemand in Chemnitz war. Und da niemand in Chemnitz war, finde ich es halt einfach nicht in Ordnung, wenn die Leute dann befragt werden."

Hitlergruß und Neonazis: AfD-Anhänger relativieren

Bei einer Kundgebung am Münchner Marienplatz befragte der Reporter auch AfD-Anhänger. Diese versuchten, die Bilder von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke, Schulter an Schulter mit Neonazis, zu relativieren. "Rechte gibt’s ja bei den anderen Parteien auch. Es ist immer einfach, mit dem Finger auf die Bösewichte zu zeigen", betont einer von ihnen. Und eine andere sagt, es habe gar keine Hetzjagden gegeben.

Henkel sieht sich als "gemäßigt"

Unstrittig ist, dass AfD-Vorstandsmitglieder gemeinsam demonstriert haben mit Rechtsextremen, die den Hitlergruß zeigten. Für den Landtagskandidaten Uli Henkel ist das kein Grund, sich zu distanzieren oder die Partei zu verlassen. "Dann würde ja am Schluss passieren, dass die Gemäßigten, die sich bemühen, ein politisch-akzeptables Angebot zu machen, von der Bildfläche verschwinden würden", argumentiert er.

Henkel beschreibt sich also im Interview als "Gemäßigten". Zugleich findet sich im Internet ein Video von ihm, in dem er Menschen aus Afrika mit Drogendealern und Gewalttätern gleichsetzt, die es auf blonde Frauen abgesehen hätten.