BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Youtube/Screenshot/Jaggy Jackpot
Bildrechte: Youtube/Screenshot/Jaggy Jackpot

Screenshot aus dem neuen Video von Jaggy Jackpot

57
Per Mail sharen

    "Bavarian Diego": Minister-Sohn rappt wieder - auch gegen Höcke

    Lange war es still um den rappenden Sohn von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Jetzt hat Jaggy Jackpot eine neue Single veröffentlicht: "Bavarian Diego". Es geht um Marihuana, den Papa, aber auch um Weltoffenheit, die AfD und Björn Höcke.

    57
    Per Mail sharen
    Von
    • Petr Jerabek

    Der Spott in manchen Medien und in den Reihen der bayerischen Opposition war groß: Ausgerechnet ein Sohn des für Recht und Ordnung zuständigen bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) rappte 2011 unter dem Künstlernamen "Jackpot" über Drogen und Sex - in Zeitungen wurde der junge Mann als "Skandalrapper" oder sogar "Porno-Rapper" bezeichnet. Nachdem es in den vergangenen Jahren sehr ruhig um den Minister-Sohn wurde, ist Jakob Herrmann jetzt als "Jaggy Jackpot" wieder da - mit seiner neuen Single "Bavarian Diego".

    "Dass ich das letzte Mal gerappt hab ist 'ne Weile her", heißt es im Song. "Nice Rhymes zu schreiben, fällt den meisten schwer. / Falls du einen suchst, der's besser macht, ich zeig dir wer: Jaggy Jackpot." Auf seinem Youtube-Kanal schreibt der Rapper über die neue Single, sie demonstriere eindrücklich, "dass Gewalt, Diskriminierung und jegliche Form von peinlicher Spießigkeit in seiner Welt nichts verloren haben". Denn neben Gangster-Attitüde und diversen Marihuana-Anspielungen enthält der Song auch eine klare politische Botschaft.

    "Viele Cops, das ist Bayern"

    Wie schon seine frühen Songs enthält auch "Bavarian Diego" wieder so manchen Vers über Marihuana. "Viele Jobs, viele Cops, das ist Bayern, Diggah./ Das heißt, ich halt das Ott an meinen Eiern, Diggah./ Harter Tobak, starker Tabak/ dampft wie Mofa aus der Lunge." Ott ist ein Slang-Begriff für Gras (Marihuana). Und die Zahl 420, die auf T-Shirts in Jaggys Fanshop aufgedruckt ist, gilt als Kiffer-Code. Im Song gibt Jaggy Jackpot in Rapper-Manier ein Stück weit wieder den Gangster: "Mach' mal Platz da. Jaggy ist ein Hustler/ auf seine Art und Weise/ obwohl der Boy noch nie im Knast war/ doch vielleicht stell ich mich clever an."

    2011 hatte der damals 19-Jährige den medialen Wirbel um seine Texte in seinem Song "Es ist wie es ist" aufgearbeitet: "Denn was ich rapp', hat nichts damit zu tun, wer mein Vater ist." Und im Refrain beklagte er: "Jetzt zählt nur noch dein Name/ und sie wollen nicht mal wissen, wer du bist." Der bekannte Papa findet auch im neuen musikalischen Werk zumindest eine Erwähnung: "Hebe gern die Stimme / diese Art hab' ich wohl von meinem Papa."

    Jaggy über die AfD: "Solche Nasen gehen mir echt auf'n Sack"

    Mit der explizit politischen Botschaft, die später im Song folgt, dürfte Vater Joachim Herrmann wohl besser leben können als mit den Drogen-Versen: Denn Jaggy gibt ein Statement gegen die AfD ab, von der sich auch der bayerische Innenminister immer wieder klar abgrenzt. "Check mal, wie sie plötzlich Phrasen aus den Köpfen Toter löffeln/ Hör Björn Höcke, schließ die Augen und seh' Joseph Göbbels. / Solche Nasen gehen mir echt auf'n Sack. / Von euch hat keiner diese Welt ein bisschen besser gemacht./ Verbreitet weiter Hetze und Hass und stresst mich so krass./ Doch ich schätz', für solche Fälle ist das Rappen gemacht."

    "Die ganze Welt ist meine Heimat"

    Jaggy präsentiert sich in "Bavarian Diego" als heimatverbunden - unter anderem rappt er eine Erlanger Postleitzahl - und weltoffen zugleich. "Die ganze Welt ist meine Heimat, Diggah / Trotzdem Finger weg von meinem Seidla, Diggah", heißt es im Refrain. Beide zentrale Themen des Songs - Toleranz und Marihuana - werden auch am Ende des Videos noch einmal aufgegriffen. Der Rapper schwenkt eine große Regenbogenfahne und zieht genüsslich an einer Zigarette - oder möglicherweise an einem Joint.

    2011 hatten sich weder der junge Rapper noch sein Vater öffentlich zu den ersten musikalischen Gehversuchen von Jakob Herrmann geäußert. Die Münchner "Abendzeitung" schrieb damals, die "prominentesten Talk-Shows" der Republik hätten darum gebuhlt, den Politiker und seinen Sohn in ihre Sendungen zu holen. Beide hätten jedoch abgelehnt und eisern geschwiegen. Auch an diesem Wochenende blieb eine erste BR-Anfrage an Jaggy Jackpot bisher ohne Antwort: Er lässt vorerst nur seinen Rap für sich sprechen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!