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Baumer-Prozess: Gutachter stufen Angeklagten als schuldfähig ein | BR24

© BR/ Anne-Lena Schug

Der Angeklagte im Fall Baumer wurde als schuldfähig eingestuft

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    Baumer-Prozess: Gutachter stufen Angeklagten als schuldfähig ein

    Nach psychiatrischen Gutachten ist klar: Der Angeklagte im Fall Maria Baumer kann als schuldfähig eingestuft werden. Nun stehen im Prozess am Landgericht Regensburg die Plädoyers an.

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    Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Maria Baumer haben zwei Sachverständige ihre Gutachten am Landgericht Regensburg vorgestellt. Sie kommen zu dem Fazit, dass der Angeklagte keine schwerwiegenden psychischen noch sexuellen Störungen zum Zeitpunkt des Verschwindens von Maria Baumer hatte. Somit könne er als schuldfähig eingestuft werden.

    Erstes Gutachten zeichnet Bild des Angeklagten

    Aus dem Gutachten geht hervor, dass der Angeklagte mit einem IQ von 113 im oberen Durchschnittsbereich liege. Er könne sich sprachlich gut ausdrücken und sei geistig belastbar. Laut einem Gutachter gibt es keine Hinweise auf schwerwiegende psychologische Grunderkrankungen. Aus den Gesprächen mit dem Angeklagten schloss der Psychologe, dass der Angeklagte innere Konflikte verdränge und in Gesprächen ein Idealbild von sich zeichne. Er würde sich als selbstständig, erfolgreich, selbstbewusst und unbeschwert darstellen, so der Gutachter vor dem Landgericht Regensburg.

    Keine Anzeichen für besondere Aggressivität

    Außerdem sei der Angeklagte psychisch unreif und wehre "unliebsame Wahrheiten" ab. Er würde Konflikten ausweichen und könne seine Bedürfnisse nicht kommunizieren. Auf der anderen Seite stellte der Sachverständige dar, dass es laut seinem Gutachten keine Anzeichen darauf gäbe, dass der Angeklagte besonders aggressiv sei. Er könne Affekte beherrschen und steuern. Es handle sich bei ihm nicht um einen impulsiven, aggressiven Menschen.

    Zweite Sachverständige beschreibt Beziehung

    Die zweite Sachverständige beschrieb, wie sich Maria Baumer und der Angeklagte in einem Wohnheim für Pflegeauszubildende kennengelernt haben. 2008 seien sie zusammengekommen und hätten zunächst eine Fernbeziehung geführt, weil Maria Baumer in Bayreuth studierte und er als Pfleger in Regensburg arbeitete. 2011 hätten sie sich verlobt. Die Hochzeit sei für den September 2012 geplant gewesen.

    Auch Tod von Maria Baumer Thema von Gesprächen

    Zum Tod von Maria Baumer 2012 habe der Angeklagte der Sachverständigen erzählt, dass seine Verlobte am Abend, bevor sie verstarb, Rücken- und Menstruationsschmerzen gehabt und deshalb Schmerztabletten genommen habe.

    Am nächsten Morgen habe der Angeklagte die damals 26-jährige neben sich tot im Bett aufgefunden. Er soll versucht haben, sie wiederzubeleben. Er habe der Gutachterin gegenüber erzählt, dass er in dem Moment, indem er realisierte, dass Maria Baumer tot ist, Panik bekommen habe. Außerdem habe er das Gefühl für Zeit verloren und nicht gewusst, was er tun sollte. Als er dann die Tablettenpackung entdeckt habe, habe er sich die Schuld für den Tod von Maria Baumer gegeben, weil die Tabletten wegen ihm im Haus waren. Als Pfleger am Regensburger Bezirksklinikum hatte er Zugang zu Medikamenten.

    Angeklagter hat Maria Baumer im Wald vergraben

    Er habe in dieser Situation erst an Selbstmord gedacht. Dann sei ihm der Gedanke in den Kopf gekommen, zu erzählen, Maria Baumer sei weggefahren, weil sie eine Auszeit bräuchte. Er habe in einem Waldstück mit einem Spaten ein Loch gegraben, sie hineingelegt, mit Zement überschüttet und vergraben. Erst danach sei ihm klargeworden, dass seine Tat ein Fehler gewesen sei und es jetzt "kein Zurück" mehr gäbe. Um sich abzulenken, habe er viel gearbeitet.

    Verlobter hatte mit Alkoholproblemen zu tun

    Ende des Jahres 2012 habe er dann immer öfter zu Alkohol gegriffen, was zu einer Alkoholsucht führte, wegen der er mehrmals in stationärer Behandlung war. Aus Sicht der Sachverständigen habe der Angeklagte zwar narzisstische Tendenzen und hebephile Neigungen, wodurch er sich zu pubertierenden, männlichen Jugendlichen hingezogen fühlt. Diese seien jedoch nicht so ausgeprägt, als dass man zum Zeitpunkt von Maria Baumers Verschwinden von einer schwerwiegenden Störung sprechen könnte.

    Auffälliges Verhalten erst nach Baumers "Verschwinden"

    Erst danach sei der Angeklagte psychologisch auffällig geworden. Er litt an Alkoholsucht und einer Anpassungsstörung. Solche Störungen werden durch ein "gravierendes, lebensentscheidendes Ereignis" ausgelöst. Diese Störung könnte, laut Gutachterin, als Reaktion auf Maria Baumers Tod interpretiert werden. Die Voraussetzungen für eine Schuldunfähigkeit liegen laut der Gutachterin nicht vor.

    Der Prozess wird noch heute fortgesetzt. Im Laufe des Nachmittags werden nun noch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet.

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