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Baum- und Waldstrategie der Stadt Nürnberg | BR24

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In den 1990er Jahren wurde mit dem Waldumbau auch in Nürnberg begonnen; statt Fichten wurden vermehrt Laubbäume gepflanzt. Doch das alleine reicht nicht, um die Wälder fit für den Klimawandel zu machen.

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Baum- und Waldstrategie der Stadt Nürnberg

In den 1990er Jahren wurde mit dem Umbau der Wälder auch in Nürnberg begonnen; statt Fichten wurden vermehrt Laubbäume gepflanzt. Doch das alleine reicht nicht, um die grünen Lungen langfristig zu erhalten. Es braucht einen forstlichen Zukunftsplan.

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Die Stadt Nürnberg besitzt Waldstücke und Stadtwäldchen sowie einzelne Baumgruppen in einer Größenordnung von zusammen rund 210 Hektar, für deren Pflege der Tiergarten der Stadt zuständig ist. Für die Waldgebiete wurde in Zusammenarbeit mit dem Tiergarten, Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg, Umweltreferat, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie mit den Bayerischen Staatsforsten ein Zukunftsplan aufgelegt, der Handlungsstrategien für die Zukunft festlegen soll.

Sturm- und Trockenschäden hinterließen ihre Spuren

Vor allem die Jahre 2018 und 2019 entwickelten sich zu Problemjahre für den Wald. Er erlitt massive Schäden durch Stürme und Trockenheit, gefolgt von großflächig absterbenden Gebieten. Zwar wurde bereits in den 1970er Jahren mit dem Umbau von Mono- auf Mischwald begonnen, trotz allem ist die Kiefer noch die überwiegende Baumart beispielsweise im Reichswald. Der Umbau ist generationsübergreifenden und langwierig. Es gilt den bestehenden Wald zu stabilisieren und den nachwachsenden zukunftsfähig zu machen. Dabei müssen die jungen Bäume heute noch Spätfröste und Schnee aushalten, während sie in 50 bis 100 Jahren mit gänzlich anderen Klimabedingungen zurechtkommen müssen.

"Zudem ist derzeit noch völlig unklar, ob die Klimaerwärmung sich auf 1,5 Grad Celsius beschränken lässt, oder ob wir mit 3 Grad oder gar 4 Grad Klimaerwärmung rechnen müssen. Diese auf den ersten Blick kleinen Unterschiede führen jedoch zu völlig unterschiedlichen Waldtypen." Bericht der Stadt Nürnberg

Nürnberg stellt neues Waldkonzept vor

Der städtische Wald soll auch in den künftigen Jahren zahlreiche Funktionen übernehmen. So ist er wichtig für das Grund- und Oberflächenwasser sowie als CO2-Speicher. Die Bedeutung der Wasserschutzfunktion der Wälder wird in Zeiten des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten extrem zunehmen. Der Wald dient damit auch dem gesunden Stadtklima. Vor allem für die Städter des Großraums ist er zudem ein wichtiges Naherholungsgebiet und er bietet einen unverzichtbaren Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Nicht zu vergessen: Die Wälder um Nürnberg sind regionale Holzlieferanten. Dazu sind allerdings gesunde, widerstandsfähige, also divers ausgestaltete Wälder erforderlich. Dies schließt auch einen gewissen Nadelbaumanteil ein, der für Bauzwecke, sowie zur Papier- und Holzwerkstoffherstellung benötigt wird. Ziel sind daher klimaangepasste Mischwälder, keine reinen Laubbaumbestände.

Diversität aufbauen – einheimische Bäume erhalten

Heimische Baumarten sind wichtig für den Bestand. Sollte es sich jedoch zeigen, dass die Arten nicht für den Klimawandel geeignet sind, wollen die Verantwortlichen genetisch ähnliche Bäume pflanzen. Dazu gehört beispielsweise die Türkische Tanne, die Esskastanie, die Robinie oder die Schwarzkiefer. Dabei muss jedoch die Invasivität beachtet werden, denn manche Baumarten vermehren sich schnell und die selbstständige Verbreitung kann dann oft nicht mehr gestoppt werden.

"Geht man beispielsweise für die Region Nürnberg von einer Klimaerwärmung von 2 Grad bis zum Jahr 2075 aus, so würde bei uns in 25 Jahren ein ähnliches Klima vorherrschen, wie wir es derzeit im südlichen Frankreich und im nördlichen Kroatien finden können. Damit rücken Baumarten wie Manna-Esche, sowie Flaum- und Zerreiche ins Blickfeld für den Waldumbau im Reichswald und auf städtischen Waldparzellen." Stadt Nürnberg

In diese Strategie der Stadt werden aber auch weitere Baumarten nichteuropäischer Herkunft wie beispielsweise Zedern, Douglasie oder Roteiche für eine weitere Anreicherung des Waldes der Zukunft in Betracht gezogen. Die Auswahl neuer Baumarten soll auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen, so die Verantwortlichen in Nürnberg. Einem Schädlingsbefall wird dabei durch konsequente Entnahme von Schadholz entgegengewirkt, heißt es.