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Bauernhof statt Altersheim: Wo der Traum Wirklichkeit wird | BR24

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Klingt nach einer eine Win-Win-Situation: Es gibt immer mehr ältere Menschen. Landwirte aber haben Probleme, von der Landwirtschaft alleine zu leben, haben aber Platz und Räume. Beides zusammenzubringen ist nur leider nicht so einfach ...

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Bauernhof statt Altersheim: Wo der Traum Wirklichkeit wird

Eigentlich könnte es eine Win-Win-Situation sein: Für Bauern ein Zuerwerb, für Senioren die Möglichkeit, ihre letzte Lebensphase im familiären Umfeld und im Grünen zu verbringen. Aber nur sechs bayerische Höfe bieten betreutes Wohnen für Senioren an.

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Landwirte haben immer wieder Probleme, von der Landwirtschaft alleine zu leben. Dafür haben sie oft viel Platz, Natur um ihre Häuser und Tiere. Genau das suchen immer wieder ältere Menschen, die ihre letzte Lebensphase lieber auf einem Bauernhof statt in einem Heim verbringen wollen. Warum also nicht ältere Menschen und Bauernhöfe zusammenbringen? Das klingt einfach, wenn man genau hinschaut: ist es kompliziert und man braucht unternehmerische Phantasie.

Bürokratische Hürden und hohe Investitionskosten sind demnach die Hauptgründe, warum bisher beim Landesamt für Landwirtschaft nur sechs Bauernhöfe in Bayern bekannt sind, die Senioren betreutes Wohnen anbieten.

Problem im Außenbereich: Senioren-Betreuung ist keine Landwirtschaft

Der "Lebenshof Rottal" ist eine Einrichtung für Senioren, obwohl sie das auf dem Papier nicht sein darf. Hier leben zehn Seniorinnen und Senioren in der umgebauten Scheune. Das bürokratische Problem ist, dass der Vierseithof im Außenbereich liegt. Dort darf vereinfacht gesagt nur dann neu gebaut bzw. ein Gebäude umgenutzt werden, wenn es mit der landwirtschaftlichen Nutzung zusammenhängt. Eine Senioren-Betreuung ist aber keine landwirtschaftliche Nutzung.

Lösung: WGs und ambulante Angebote vor Ort fest einrichten

Die Lösung: die Senioren leben offiziell selbständig in zwei großen WGs. Versorgt werden sie von einem ambulanten Pflegedienst, der in Wahrheit aber tagsüber immer im Haus präsent ist. Und auch das Essen kommt offiziell von einem Caterer, obwohl es eine Köchin vor Ort zubereitet.

Seniorenangebote am Bauernhof brauchen individuelles Profil

Roswitha Haslinger, Bäuerin und Gründerin des Lebenshofs, sagt, dass immer wieder Gespräche mit den Genehmigungsbehörden notwendig waren, damit dieses Modell so genehmigt wurde. Letztlich müsse auf die jeweiligen konkreten Bedingungen vor Ort eingegangen werden, damit Senioren-Wohnen auf dem Bauernhof funktioniert.

Umbaukosten, lange Arbeitszeiten und wenig Zeit für die Familie

Neben den bürokratischen Hürden scheinen auch die hohen Umbaukosten abzuschrecken: In Raitenbuch im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz überlegt Kathrin Götz, das Haus ihrer Schwiegereltern mitten im Ort für Senioren umzubauen und zu vermieten. Das Haus steht seit vielen Jahren leer.

Die Umbaukosten würden sich auf etwa eine halbe Million Euro summieren. Über die Jahre könnte sich die Investition rentieren, denn für zwölf Euro pro Quadratmeter ließen sich dann vier Mini-Apartments vermieten. Doch das Geld muss erst einmal aufgetrieben werden.

Die gelernte Erzieherin macht sich außerdem Sorgen, ob sie genügend Zeit hat, um Kontakt zu den Seniorinnen und Senioren so zu halten, wie sie sich das wünscht: also Zeit für einen Kaffee haben oder fürs gemeinsame Garteln. Sie, ihr Mann und die Schwiegereltern sind heute schon mit der Versorgung der 120 Kühe stark ausgelastet. Und dann ist da das Thema "Abgrenzung", und die Frage, wie einnehmend ein enges Zusammenleben mit Senioren für die vierköpfige Familie sein würde. Nur wenn die gesamte Großfamilie das Projekt mitträgt, könne es funktionieren.

"Lebenshof Rottal": Familien und Senioren leben eng miteinander

Auf dem Lebenshof in Niederbayern herrscht bereits reges generationsübergreifendes Leben: die Enkelkinder von Roswitha Haslinger rennen durch die Flure der Senioren-WGs. Die Kinder umarmen die 92-jährige Rose Bauer im Rollstuhl. Man lebt zusammen, auch wenn die insgesamt drei Haslinger-Familien auf dem Vierseithof natürlich ihre eigenen Wohnungen haben.

Wie früher: Großeltern, Kinder und Arbeit an einem Ort

Katharina Haslinger und ihre beiden Schwestern arbeiten als Pflegerinnnen auf dem Lebenshof. Sie sagt, höchstens zwei Stunden am Tag seien die Familie für sich. So sei das früher aber auch gewesen: Großeltern, Kinder und Arbeit an einem Ort.

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