Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Basisgrüne: "Unsere Themen sind auch auf dem Land angekommen" | BR24

© dpa / Armin Weigel

Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, winkt nach einer Rede.

2
Per Mail sharen
Teilen

    Basisgrüne: "Unsere Themen sind auch auf dem Land angekommen"

    Heute laden die Grünen zum Parteitag ins mittelfränkische Bad Windsheim. Die Stimmung dürfte gut sein, die Partei hat nach der Landtagswahl mit knapp 18 Prozent kräftig Rückenwind - vor allem in den Städten. Doch wie ist die Stimmung auf dem Land?

    2
    Per Mail sharen
    Teilen

    Vor allem in den bayerischen Metropolen liegt grün offenbar im Trend: Im Stimmkreis München-Mitte etwa holten die Grünen bei der Landtagswahl im Oktober über 40 Prozent, wohingegen die CSU bei deutlich unter 20 Prozent lag. Doch wie ist die Situation in den ländlichen Gebieten im Freistaat?

    Wir schauen in den Landkreis Miltenberg ganz im Nordwesten Bayerns, an der Grenze zu Baden-Württemberg. BR-Korrespondentin Katrin Küx hat sich dort mit Grünen von der Basis unterhalten.

    "Heute stolz, Grüne zu sein"

    "Man ist nicht immer sehr freundlich mit uns umgegangen, man hat versucht, uns an den Rand der Gesellschaft zu drängen, so zu tun, als ob wir nicht Teil dieser bürgerlichen Gesellschaft seien." Petra Münzel, Kreisrätin

    Petra Münzel ist seit 1990 Kreisrätin in Miltenberg und Stadträtin in Erlenbach. Sie war schon immer gerne Grüne, sagt die Rektorin einer Grundschule. Offen vertreten hat sie ihre Parteizugehörigkeit früher aber nicht. Die Grünen hätten hier im ländlichen Raum viel Gegenwind erfahren – nicht nur im Kreistag, auch von der Bevölkerung. Das habe sich radikal geändert:

    "Heute gehe ich hocherhobenen Hauptes durch die Landschaft und sage – wenn es passt – ich bin Grüne." Petra Münzel, Kreisrätin

    Auch auf dem Land ist die Gesellschaft pluraler geworden, sagt Petra Münzel. Die Haltung der Menschen habe sich verändert. Auch wenn die Grünen von Wahlergebnissen wie in den Metropolen noch weit entfernt sind. 14 Prozent der Stimmen holten sie bei der Landtagswahl im Oktober für den Landkreis Miltenberg, in München Mitte waren es 40 Prozent. Aber die Themen der Grünen sind inzwischen auch auf dem Land angekommen.

    "Wir hören morgens keine Vögel mehr, ich sehe keine Insekten mehr, die Bienen sind weg. Die Menschen beobachten in ihrem Umfeld, dass sich was verändert und es sind nicht die grünen Spinner, die meinen, wie es besser geht. Die Menschen merken selber, in meinem Garten hat sich was verändert, da stimmt was nicht." Petra Münzel, Kreisrätin

    "Auch viele Konservative haben ein grünes Bewusstsein"

    Die ökologische Frage spielt inzwischen auch auf dem Land eine große Rolle, da ist sich auch Dieter Heilemann sicher. Er hat Anfang der 1980er-Jahre einen Grünen-Ortsverband im Nachbarbundesland, im baden-württembergischen Wendlingen, mit aufgebaut, ist also Grüner der ersten Stunde. Seine kommunalpolitischen Erfahrungen bringt er seit zwei Jahren im bayerischen Miltenberg ein:

    "Sie werden viele Konservative erleben, die durchaus ein grünes Bewusstsein haben, die sagen dann, eigentlich ein verkappter Grüner zu sein, obwohl sie CSU wählen. Die Landwirte haben ja auch letzten Sommer gesehen, dass ihre Maisfelder von der Sonne verbrannt sind. Die überlegen ja auch, was schief gelaufen ist." Dieter Heilemann, Ortsverband Wendlingen

    Sie werden zwar weiterhin CSU wählen, mutmaßt Heilemann, machen sich aber grüne Gedanken. Neben der Ökologie spiele auch die Infrastruktur eine wichtige Rolle auf dem Land, sagt er. Nicht nur, aber vor allem junge Menschen wünschten sich eine bessere Bus- und Bahn-Anbindung. In den letzten Jahren haben sich deshalb vermehrt junge Menschen der Partei angeschlossen. Lange Zeit waren es 50 Mitglieder im Landkreis, inzwischen sind es rund 70.

    Themen, die junge Menschen bewegen

    Sabine Stellrecht-Schmidt arbeitet seit 2014 im Kreisverband mit und sie kennt die Themen, die junge Menschen umtreiben:

    "Das Thema Glyphosat – gutes, gesundes Essen, eine gute Landwirtschaft, die ohne Chemie auskommt, es ist das Tierwohl, die Stadtentwicklung von Miltenberg, bezahlbarer Wohnraum. Es ist schwierig für Alleinstehende, für kleine und große Familien, bezahlbaren Wohnraum zu finden und das ist, denke ich, mit der Stadt vergleichbar!" Sabine Stellrecht-Schmidt, Kreisverband Miltenberg

    "Vor allem die Arbeit auf Landes- und Bundesebene muss gut sein"

    Themen, für die sich auch Miltenbergs Landrat Jens-Marco Scherf einsetzt. Er wurde 2014 der erste grüne Landrat in Deutschland und er hat sicher auch Anteil am hiesigen Mitgliederzuwachs der Partei. Um den Bogen wieder zu Petra Münzel zu spannen, die seit 30 Jahren im Miltenberger Kreistag sitzt: Der Erfolg der Grünen in den Regionen ist von der Arbeit auf Landes- und Bundesebene nicht zu trennen, betont sie:

    "Sie können auf der unteren Ebene rödeln, so viel wie Sie wollen und so gute Politik machen wie Sie wollen – wenn die Spitze oben nicht gut ist, dann bekommen Sie auch unten kein gutes Ergebnis!" Petra Münzel, Kreisrätin