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Basilika in Kempten: Orgeln werden originalgetreu erneuert | BR24

© BR/Katharina Reichart

Die Orgeln in der Basilika in Kempten sahen zwar von außen ganz gut aus, das Innenleben allerdings ließ zu wünschen übrig und zeigte Beschädigungen. Deshalb werden alle drei saniert und neu konzipiert, nacheinander und für knapp 1,3 Millionen Euro.

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Basilika in Kempten: Orgeln werden originalgetreu erneuert

Weil die Orgeln in der Basilika in Kempten sanierungsbedürftig waren, werden sie zur Zeit erneuert. Die Herausforderung dabei: Sie sollen künftig genauso klingen wie zur Zeit ihrer Entstehung.

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Die Orgeln in der Basilika St. Lorenz in Kempten sahen zwar von außen noch ganz gut aus, das Innenleben allerdings ließ zu wünschen übrig, Ventile klapperten, Pfeifen quietschten, obwohl sie gar nicht gespielt wurden. Deshalb werden alle drei Orgeln saniert und neu auf einander abgestimmt: der Reihe nach und für knapp 1,3 Millionen Euro. Die Hauptorgel ist schon so gut wie fertig.

Jahrelange Sanierung der Hauptorgel

Auf der frisch sanierten Hauptorgel in der Kemptener Basilika St. Lorenz kann wieder gespielt werden. Kirchenmusiker Benedikt Bonelli ist glücklich: "Wir waren jetzt fast drei Jahre ohne diese Hauptorgel und haben vorne auf den Chororgeln gespielt. Ich war fast jeden Tag auf der Empore und habe immer wieder etwas Neues gehört, etwas Neues gesehen. Es ist ein langsames Mitwachsen, deshalb ist die Freude umso größer."

Das Besondere an der Haupt-Orgel in der Basilika

Das Instrument stammt aus dem Jahr 1866. Gut 70 Jahre später wurde versucht, die Orgel um moderne, helle Klänge zu ergänzen. Die filigranen Pfeifen konnten sich gegen die fülligen Original-Stimmen allerdings nie durchsetzen. Das ist jetzt anders: Die ursprüngliche Orgel wurde rekonstruiert und so modifiziert, dass die hinzugefügten Pfeifen das Instrument auch wirklich ergänzen. Mehr als 4.500 Pfeifen mussten dafür ab- und wiederaufgebaut und neu gestimmt werden.

Eine Orgel umgeben von Bauschutt

Die Phase der Bauzeit war eine Herausforderung für den Kirchenmusiker Bonelli: "Was hier zwischendurch ein bisschen frustrierend war, war dass die Kirche gleichzeitig saniert wurde. Das heißt, hier auf der Empore waren Schuttberge, das waren schon große Tiefpunkte. Das Instrument war leer, die Empore voller Staub."

Eine neue Orgel - gebaut in das alte Gehäuse

Beim Umbau der Nord-Chororgel geht es jetzt nicht so rabiat zu: Mit Fingerspitzen reguliert Orgelbauer Andreas Lenter zurzeit die sogenannten Trakturen: Die Ventile der Orgelpfeifen sollen sich beim Spielen künftig leichtgängig öffnen und so einen genauen Ton erklingen lassen. Die Chororgel ist ein besonderes Projekt für Lenter: "Das ist sehr spannend, da das alte Gehäuse übernommen wird und sich dahinter eine Orgel aus den 60er Jahren befand, die sehr grob in das bestehende Gehäuse hineingezimmert wurde.

Andreas Lenter baut in das alte historische Gehäuse nun eine neue Orgel ein. Allerdings nach altem Vorbild. Er experimentiert nicht mit neuen Werkstoffen, wie das in den 60er und den 70er üblich war. Lentner verwendet Materialien, wie im 17. und 18. Jahrhundert schon verwendet wurden, weil sie sich, wie er sagt, bewährt haben: sehr viel Massivholz und viel Leder.

Eine einmalige Orgellandschaft entsteht

Im kommenden Jahr ist dann auch noch die dritte Basilika-Orgel, die Süd-Chor-Orgel an der Reihe. Das Instrument aus der Barockzeit soll mit Hilfe alter Handwerkstechniken rekonstruiert werden. Letztendlich soll in der Basilika eine Orgellandschaft entstehen, und das ist laut Kirchenmusiker Bonelli einmalig.

Orgel-Musik in Kempten wie vor Hunderten von Jahren

Wenn alles fertig ist, kann in St. Lorenz Musik vom 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit originalgetreu gespielt werden. Die große Hauptorgel wird am 15. November geweiht, die zwei kleinen Chor-Orgeln sollen dann im September 2021 fertig sein und dann ebenfalls geweiht werden.