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Barrierefreier Bahnhof dank mobiler Brücke | BR24

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Bildrechte: BR/Peter Allgaier

Für Menschen im Rollstuhl können schon wenige Stufen ein unüberwindbares Hindernis sein. Solche Hindernisse begegnen ihnen gerade an Bahnhöfen. Eine Günzburger Firma hätte eine Lösung, doch die Bahn hat Bedenken.

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Barrierefreier Bahnhof dank mobiler Brücke

Für Menschen im Rollstuhl können schon wenige Stufen ein unüberwindbares Hindernis sein. Solche Hindernisse begegnen ihnen gerade an Bahnhöfen. Eine Günzburger Firma hätte eine Lösung, doch die Bahn hat Bedenken.

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Von
  • Peter Allgaier
  • Beate Mangold

Wenn Georg Barfuß am Bahnhof in Lauingen im Landkreis Dillingen ankommt, blickt er als erstes in ein fünf Meter tiefes Loch. 24 Stufen führen in die Unterführung unter den Gleisen hinunter, 24 Stufen wieder hinauf. Dieses Hindernis zu überwinden ist für Barfuß nahezu unmöglich, denn er sitzt im Rollstuhl. Einfach schnell den Zug nehmen – für ihn geht das nicht.

Barrierefreier Ausbau dauert noch sechs Jahre

Die Bahn hat das Problem erkannt und will den Bahnhof barrierefrei ausbauen. Doch das dauert noch sechs Jahre. Zu lange, meint Georg Barfuß. Außerdem hält er die Pläne für überdimensioniert. Ein kleiner Bahnhof wie Lauingen oder Donauwörth mit Aufzügen? Das ist rausgeschmissenes Geld, findet Barfuß.

Brücke mit Günzburger Firma entwickelt

Was er sich wünschen würde, wäre ein "Brückle". Gemeinsam mit der Firma Günzburger Steigtechnik hat er diese Lösung erdacht. Die Firma fertigt sonst Gerüste und Wartungsplattformen für Züge. Mit der Brücke könnten sie ihr Angebot erweitern.

Brücke kann über Gleise ausgefahren werden

Wenn die Brücke in Parkposition ist, steht sie parallel zur Schiene, erklärt Geschäftsführer Alexander Werdich. Wenn sie gebraucht wird, kann sie um 90 Grad geschwenkt und weiter ausgefahren werden, so dass man über die Gleise kommen kann. In drei Monaten könnte die Brücke am Bahnhof in Lauingen stehen, so Geschäftsführer Werdich.

Deutlich geringere Kosten für Günzburger Lösung

Neben dem Zeitaufwand ist das beste Argument für die Brücke ihr Preis. Die reine Brücke würde 50.000 Euro kosten, so Ferdinand Munk, Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik. Mit den Anpassungen an die Bedürfnisse der Bahn wären es maximal 100.000 Euro. Die Aufzüge, die derzeit für den Lauinger Bahnhof geplant sind, werden mit rund 400.000 Euro veranschlagt.

Bahn hat Bedenken wegen der Signalanlagen

Auch die Bahn findet die Idee prinzipiell nicht schlecht, hat aber Bedenken. Denn die Brücke müsste mit der Signaltechnik des Bahnhofs verbunden werden, damit für die Zugführer ein rotes Licht aufleuchtet, wenn die Brücke über die Gleise geschwenkt wird. Dafür wäre ein "sehr aufwendiger und ebenso langwieriger Prozess notwendig, dessen Ausgang nicht absehbar ist", schreibt die Bahn in einer Stellungnahme. Dabei geht es nicht nur um die technischen Möglichkeiten, für die Einbindung der Brücke bräuchte es auch ein Genehmigungsverfahren. Und das kann sich bis zu zwei Jahre hinziehen, sagt ein Bahnsprecher, mit dem Risiko, dass am Ende nicht zugestimmt wird.

Zur Not eine Petition im Landtag

Georg Barfuß will aber noch nicht aufgeben. Zur Not reiche er eine Petition im bayerischen Landtag ein. Und Barfuß, der früher Bürgermeister und Landtagsabgeordneter war, will nach einer Lösung für die Signaltechnik suchen, zusammen mit der Berufsschule in Lauingen.

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