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BAMF verteidigt Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen | BR24

© BR/Rainer Aul

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg.

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BAMF verteidigt Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat seinen Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen erneut gegen Kritik verteidigt. Die Asylbehörde setze seit zwei Jahren mehrere Maßnahmen für faire Verfahren um, hieß es.

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Am 12.08.2019 hatten Ärzte und Psychotherapeuten kritisiert, das BAMF würde mit Flüchtlingen, die angeben, traumatisiert zu sein, zu unsensibel umgehen. Auch sei das Bundesamt in seiner Entscheidungspraxis immer rigider geworden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer warf dem BAMF vor, es gehe darum, politische Interessen durchzusetzen.

BAMF-Qualitätsbeauftragte weist Vorwürfe zurück

Die BAMF-Qualitätsbeauftragte Ursula von Praschma sagte dem Bayerischen Rundfunk dazu: "Wir haben keine Direktiven weder seitens des Bundesinnenministeriums, noch des Gesetzgebers noch von irgendeiner anderen Seite, dass wir hier restriktiv umgehen." Der Einzelfall werde immer ganz konkret geprüft, ob die Voraussetzungen für den internationalen Schutz vorliegen.

Auch wies von Praschma den Vorwurf zurück, das Bundesamt sei in seiner Entscheidungspraxis "nicht mehr professionell" und würde "manchmal unsachgemäß" urteilen. "Auch diese Kritik können wir nicht nachvollziehen", erklärt die Qualitätsbeauftragte des BAMF. Die Asylbehörde habe mehrere Maßnahmen ergriffen, um mit dem sensiblen Thema Traumatisierungen gut umzugehen.

218 Sonderbeauftragte für traumatisierte Asylbewerber

So habe das BAMF unter seinen Asyl-Entscheidern 218 Sonderbeauftragte für Traumatisierte und Folteropfer. Für diese Beauftragten gebe es "eine ganz gezielte Zusatzausbildung", die dazu befähige, "Antragsteller besonders einfühlsam anzuhören". Auch nehme das Bundesamt von Beginn eines jeden Asylantrags an Hinweise auf Traumatisierung von Landesaufnahmestellen und anderen Stellen in die Akten auf. Mittlerweile sei auch eine Asylverfahrensberatung eingeführt worden, sagte von Praschma im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

So gebe es an 17 Standorten in Deutschland Beratung für Betroffene - und zwar sowohl in der Gruppe als auch in individuellen Beratungsgesprächen. Den unter traumatischen Erfahrungen leidenden Betroffenen gebe das BAMF damit frühzeitig die Möglichkeit, sich zu offenbaren. "Dann läuft das Verfahren wirklich sehr fair und gut", sagt von Praschma.

Nur Gutachten und Atteste von Ärzten akzeptiert

Die Qualitätsbeauftragte des BAMF verteidigte auch, dass nur psychiatrische Gutachten und Atteste von approbierten Ärzten akzeptiert werden könnten, nicht aber von Psychotherapeuten. Das entspreche eindeutiger Rechtslage auf der Grundlage einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 2007.

Zugleich warnt von Praschma vor falschen Annahmen: Eine medizinisch anerkannte Traumatisierung führe nicht in allen Fällen zur Anerkennung eines Asylantrags oder zu einem Abschiebeverbot, betont sie. Dazu müsse nachgewiesen sein, dass eine Traumatisierung konkret zu einer lebensbedrohlichen Situation für den Betroffenen führe.

"Die Kunst liegt jetzt gerade darin zu sehen: Wie stellen wir fest, dass hier wirklich eine Krankheit vorliegt, die lebensbedrohlich ist? Vielfach ist es ja so, dass gemeint wird, wenn eine Traumatisierung vorliegt, würde das schon für Schutz ausreichen. (…) Nicht jede posttraumatische Störung hat einen solchen lebensbedrohlichen Charakter." Ursula von Praschma, BAMF-Qualitätsbeauftragte

Zahlen, wie viele medizinische Gutachten über Traumatisierungen das BAMF abgelehnt hat, liegen der Behörde nach eigenen Angaben nicht vor.

© BR

Ursula von Praschma