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In einer groß angelegten Studie hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Leben von Musliminnen und Muslimen in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse sollen die Debatte über den Islam in Deutschland versachlichen.

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BAMF-Studie zeigt Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland

In einer groß angelegten Studie hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Leben von Musliminnen und Muslimen in Deutschland untersucht. Die Ergebnisse sollen die Debatte über den Islam in Deutschland versachlichen.

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Von
  • Tina Wenzel

Laut der Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) leben mittlerweile zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Muslime in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 6,4 und 6,7 Prozent. Im Vergleich zur letzten Hochrechnung im Jahr 2015 ist die Zahl der muslimischen Religionsangehörigen um rund 900.000 Personen gestiegen. Knapp die Hälfte der Muslime ist jünger als 24 Jahre. Fast die Hälfte der Muslime in Deutschland sind deutsche Staatsangehörige.

Vielfältige Herkunftsländer

Den Muslim oder die Muslimin gibt es dabei nicht, betont der Präsident des BAMF, Hans-Eckhard Sommer. Das muslimische Leben in Deutschland ist in den vergangenen Jahren noch vielfältiger geworden – vor allem durch die Zuwanderung aus Ländern des Nahen Ostens, wie zum Beispiel Syrien. Muslime mit einem Migrationshintergrund aus der Türkei bilden mit 2,5 Millionen Personen weiterhin die größte Herkunftsgruppe, stellen aber mit einem Anteil von 45 Prozent nicht mehr die absolute Mehrheit.

Religion und Integration

Auch der Glaube werde im Alltag unterschiedlich gelebt, so Sommer. Zum Beispiel beten 39 Prozent der Muslime täglich, 25 Prozent wiederum nie. Mehr als zwei Drittel der muslimischen Mädchen und Frauen tragen kein Kopftuch. "Die Analysen zeigen zudem, dass der Einfluss der Religion auf die Integration häufig überschätzt wird. Aspekte wie die Aufenthaltsdauer, Migrationsgründe oder die soziale Lage prägen den Integrationsprozess in einem weitaus größeren Ausmaß als die Religionszugehörigkeit", sagt Sommer.

Nachholbedarf bei der Ausbildung

Eine zentrale Rolle bei der Integration spiele die Sprache. Die Studie zeigt: Muslime, die in Deutschland geboren sind, schätzen ihre Sprachkenntnisse als gut oder sehr gut ein. Weniger gute Sprachkenntnisse haben vor allem Muslime, die noch nicht so lange in Deutschland leben. Nachholbedarf gebe es laut der Studie bei der schulischen und beruflichen Bildung. Der Anteil der Muslime ohne Schulabschluss sei mit 16 Prozent relativ hoch. 59 Prozent der Muslime haben keine Berufsausbildung oder Studium in Deutschland abgeschlossen.

Starke Verbundenheit zu Deutschland

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Viele Muslime fühlen sich mit Deutschland stark verbunden, betont Sommer. Der Großteil der Muslime, die Mitglieder in einem Verein sind, sind in deutschen Vereinen aktiv. Zudem gaben zwei Drittel der Befragten an, häufig Kontakt zu Deutschen ohne Migrationshintergrund im Freundeskreis zu haben. Die anderen wünschen sich mehr Kontakt.

Die Studie "Muslimisches Leben in Deutschland 2020" wurde im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz erarbeitet. Sie ist die größte bundesweit repräsentative Studie über das muslimische Leben in Deutschland. Insgesamt führte das BAMF mehr als 5.000 Interviews zwischen Juli 2019 und März 2020.

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