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Äbtissin von Kirchschletten soll wegen Kirchenasyl vor Gericht | BR24

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Die Äbtissin Mechthild Thürmer soll im Landkreis mehr als 30 Menschen Kirchenasyl geboten haben. Ein Strafbefehl wurde zugestellt - einer Schuld ist sich die Ordensfrau nicht bewusst.

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Äbtissin von Kirchschletten soll wegen Kirchenasyl vor Gericht

Weil sie mehr als 30 Menschen im Landkreis Bamberg Kirchenasyl geboten haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mechthild Thürmer. Ein Prozessauftakt wurde verschoben. Es würden noch weitere Vorwürfe gegen die Äbtissin erhoben, heißt es.

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Eigentlich sollte am Freitag ein Prozess gegen die Ordensfrau Mechthild Thürmer vor dem Amtsgericht in Bamberg beginnen. Doch der wurde erst einmal abgesetzt. Hintergrund sind Ermittlungen gegen die Äbtissin. Sie soll einer Frau Kirchenasyl gewährt haben und so Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt geleistet haben.

Mechthild Thürmer bot mehr als 30 Menschen Kirchenasyl

In mehr als 30 Fällen habe sie geholfen, erzählt die Äbtissin Mechthild Thürmer. Immer wieder habe sie Asylbewerber bei sich im Kloster in Kirchschletten bei Zapfendorf im Landkreis Bamberg aufgenommen – bisher ohne große Beachtung. Doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Bamberg wegen einer Frau aus Eritrea gegen die Äbtissin des Benediktinerinnen-Klosters. Die Frau musste zurück nach Italien, wo sie zum ersten Mal registriert wurde. Aber da habe sie schlimme Erfahrungen gemacht. Sie sei von Männern bedrängt und auch vergewaltigt worden. Also nahm Mechthild Thürmer die Frau aus Eritrea in ihrem Kloster auf.

Staatsanwaltschaft: Äbtissin leistet Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt

Das habe sie auch unverzüglich den zuständigen Behörden gemeldet - dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und der Ausländerbehörde. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Eine Härtefallprüfung sei nicht mehr möglich gewesen. Die Ordensfrau habe die Ausreisepflicht verhindert und damit Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt geleistet. Ein entsprechender Strafbefehl über 2.500 Euro wurde ihr zugestellt. Doch den will sie nicht zahlen. "Ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagt die Benediktinerin.

2019: Verfahren gegen Pfarrer wegen geringer Schuld eingestellt

Im vergangenen Jahr stand mit dem Immenstädter Pfarrer Ulrich Gampert zum ersten Mal in Bayern ein Pfarrer wegen Kirchenasyls vor Gericht. Das Verfahren wurde wegen geringer Schuld gegen eine Geldstrafe von 3.000 Euro eingestellt. Es gäbe keine grundsätzliche Entscheidung darüber, ob das Kirchenasyl rechtens sei oder nicht, sagte eine Richterin des Amtsgerichts Sonthofen im Landkreis Oberallgäu damals zur Begründung. Jeder Fall sei einzeln zu betrachten. Der Mann, dem der Pfarrer damals Asyl bot, war kurze Zeit später untergetaucht.

Mechthild Thürmer bietet Frauen weiterhin Kirchenasyl

Zum Prozess gegen Mechthild Thürmer vor dem Amtsgericht Bamberg ist es noch nicht gekommen. Laut einem Gerichtssprecher ermittelt die Staatsanwaltschaft noch zu weiteren Vorwürfen gegen die Äbtissin. Mechthild Thürmer jedenfalls will sich nicht entmutigen lassen. Auch derzeit gewährt sie einer Frau Schutz im Kirchenasyl.

"Das Kirchenasyl, das gibt es schon Jahrhunderte. Es ist eine Möglichkeit, dass Menschen in der Kirche Schutz suchen, weil sie lebensbedrohliche Situationen zu durchleben haben." Mechthild Thürmer, Äbtissin

Im Jahr 2018 wurden die Regeln für das Kirchenasyl verschärft. Die Innenministerkonferenz verlängerte damals die Frist, innerhalb derer Flüchtlinge nach einem Kirchenasyl abgeschoben werden können, die unter die Dublin-Verordnung fallen. Seitdem ist eine Abschiebung bis zu 18 Monate lang möglich, davor waren es sechs Monate.

© BR/Carlo Schindhelm

Weil sie mehr als 30 Menschen im Landkreis Bamberg Kirchenasyl geboten haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mechthild Thürmer. Ein Prozessauftakt wurde verschoben. Es würden noch weitere Vorwürfe gegen die Äbtissin erhoben, heißt es.

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