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Bamberg: Mehr Radfahrstreifen heißt weniger Parkplätze | BR24

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Die Stadt Bamberg will fahrradfreundlicher werden und mehr Radwege bauen. Dadurch würden jedoch unter anderem weniger Parkplätze zur Verfügung stehen. Davon sind nicht alle begeistert.

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Bamberg: Mehr Radfahrstreifen heißt weniger Parkplätze

Die Bamberger sind begeisterte Radfahrer. In der Stadt wird ein Drittel aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Zusätzliche Radfahrstreifen sind auf den Straßen geplant - auf Kosten von Parkplätzen. Das stört viele Anwohner.

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Bamberg ist eine Fahrradstadt. 30 Prozent aller Wege werden mit dem Rad zurückgelegt. Damit hat die Welterbe-Stadt einen der größten Radverkehrsanteile in Bayern. Und die Radwege sollen noch weiter ausgebaut werden, damit die Bamberger ohne Auto schnell vorankommen. Doch mehr Radwege heißt auch, weniger Parkplätze für Anwohner, und die sind in der Welterbe-Stadt ohnehin schon knapp.

Pop-Up-Radweg dauerhaft auf der Straße anlegen

In der Innenstadt zieht sich ein zwei Meter breiter, gelb markierter Pop-Up-Radweg über die Friedrichstraße. Der neue, breite Radfahrstreifen auf der Straße ist ein Verkehrsversuch und soll nun dauerhaft angelegt werden. Für Benjamin Stöcker vom der Initiative "Bamberger Radentscheid" muss aber noch deutlich mehr passieren, damit es in Zukunft weniger Autos in der Stadt gibt.

"Wir wollen eine Verkehrswende. Wir wollen, dass die Leute aufs Fahrrad umsteigen. Dann müssen sie auch relativ schnell und komfortabel nach Bamberg kommen." Benjamin Stöcker, "Radentscheid Bamberg"

Im Bamberger Norden, wie zum Beispiel in der Hallstadter Straße, gibt es einige Radwege auf dem Bürgersteig.

Autofahrer öffnen unachtsam die Wagentür

Für Benjamin Stöcker sind diese Radwege nicht sicher genug, da sie neben parkenden Autos entlangführen und sehr schmal sind. Dabei könne es schnell zu sogenannten "Dooring"-Unfällen kommen. Die passieren, wenn Autofahrer unachtsam ihre Tür öffnen.

"Man wird von Autofahrern an solchen Stellen sehr schlecht gesehen, die sind gefährlich. Auf einem Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, wären viele Probleme geringer." Benjamin Stöcker, "Radentscheid Bamberg"

Durch einen Radfahrstreifen auf der Straße könnten diese "Dooring"-Unfälle verhindert werden, so Benjamin Stöcker.

Radfahrstreifen contra Anwohnerparkplätze

Breite Radfahrstreifen auf der Straße, wie in der Bamberger Friedrichstraße sind aber nicht einfach umzusetzen, weil deshalb häufig Anwohnerparkplätze wegfallen. In der Peuntstraße müssen Radfahrer ein Stück ihres Weges komplett auf der Straße zurücklegen.

Warten auf Radweg in Bamberg seit 20 Jahren

Seit 20 Jahren sollte hier schon ein Radweg kommen. Erst vor kurzem hat der Stadtrat den Ausbau beschlossen, damit der Bamberger Osten besser angebunden ist. Der Stadtrat Christian Hader von den Grünen setzt sich für den Ausbau ein. Ihm ist aber auch klar, dass das vielen Anwohner nicht gefällt.

"Es ist tatsächlich an den Parkplätzen gescheitert, weil der Straßenquerschnitt nicht ausreicht, um sowohl einen guten Radweg als auch die Parkplätze nebeneinander zu gewährleisten. Deshalb hat man jetzt den Beschluss gefasst, die Parkplätze in die Nebenstraßen zu verlagern, so dass jetzt auch der Platz für den Radweg da ist." Christian Hader, Stadtrat Grünes Bamberg

Rainer Pfaff von der Bürgerinitiative "Bamberg. Gemeinsam. Mobil" findet, dass beim Thema Verkehr zu wenig Aspekte berücksichtigt werden. Er fährt auch gerne Rad, aber durch breite Fahrradstreifen auf der Straße entstünden wiederum Probleme.

Ausladen aus dem Auto wird schwierig

Die Parkplätze für Anwohner seien ohnehin schon knapp, und die Anwohner könnten auch nicht mehr vor ihrer Haustüre zum Ausladen halten.

"Wenn wir vor den Türen der Anwohner durchgängig Fahrradschutzstreifen einbringen, dann ist jetzt nach der Novelle der Straßenverkehrsordnung das Halten dort untersagt. Und dafür müssen Lösungen gefunden werden. Das heißt zum Beispiel, dass man dort Haltebuchten anlegt oder sich nach anderen baulichen Möglichkeiten umschaut." Rainer Pfaff, Bürgerinitiative "Bamberg. Gemeinsam. Mobil"

Auch der Bau von weiteren Parkhäusern könne bei der angespannten Parkplatzsituation in der Welterbe-Stadt Entlastung bringen, so Rainer Pfaff.

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Die Bamberger sind begeisterte Radfahrer. In der Stadt wird ein Drittel aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt.

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