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Bamberg beklagt immer mehr Kirchenaustritte | BR24

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Bildrechte: BR/Markus Konvalin

Im vergangenen Jahr traten in der Stadt Bamberg mehr als 400 Katholiken aus der Kirche aus. Fast jedes Jahr steigen die Zahlen, das Niveau bleibt hoch.

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Bamberg beklagt immer mehr Kirchenaustritte

Der Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln sorgt weiterhin für Negativschlagzeilen. Die Folge: Gläubige treten aus der Kirche aus. Auch in Franken liegt die Zahl der Kirchenaustritte auf hohem Niveau. Ein Blick nach Bamberg.

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Von
  • Tanja Rohr
  • BR24 Redaktion

Im Bamberger Rathaus kann man nicht nur standesamtlich heiraten. Im Trauungssaal kann man auch für immer Schluss machen – mit der katholischen Kirche. Beim Standesbeamten Falk Dietze sprechen die Austrittswilligen vor. Die Erklärung wird vorgelesen und unterschrieben. 35 Euro Gebühr kostet das Ganze. Noch nie sind so viele Leute hier ausgetreten wie im März.

Katholische Kirche Bamberg registriert viele Kirchenaustritte

"Das ist jetzt tatsächlich das stärkste Monat. Seitdem wir es statistisch erfassen. Wir werden sicherlich über die hundert Kirchenaustritte im Monat kommen", glaubt Dietze. Im vergangenen Jahr traten in der Stadt Bamberg mehr als 400 Katholiken aus der Kirche aus. Fast jedes Jahr steigen die Zahlen, das Niveau bleibt hoch. Das betrifft aber nicht nur die Stadt, sondern das ganze Bistum.

Erzbistum Bamberg ist nicht nur für Franken zuständig

Das Erzbistum zählt rund 657.000 Gläubige. Der Einzugsbereich ist groß und deckt neben dem Bischofssitz Bamberg fast ganz Oberfranken, etwa die Hälfte Mittelfrankens und zusätzlich Teile Unterfrankens und der Oberpfalz ab. Das fränkische Bistum ist seit Jahren stark von Austritten betroffen, seit 2017 geht die Kurve steil nach oben. Innerhalb von 15 Jahren sank die Zahl der Katholiken im Erzbistum immer weiter. Von mehr als 750.000 auf rund 657.000.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat in vielen Interviews Stellung zum Thema Kirchenaustritte bezogen. Er bedauert jeden Austritt. "Es spielen natürlich auch Missbrauch- und Finanzskandale eine Rolle", so Schick. Für Massenaustritte sorgte in diesem Frühjahr vor allem der Umgang mit Missbrauchsopfern im Erzbistum Köln. Bundesweit sorgte das von Kardinal Rainer Maria Woelki zurückgehaltene Gutachten für Empörung.

"Maria 2.0" in Würzburg: Gläubige kritisieren die Kirche

Viele Gläubige kritisieren den Machtmissbrauch, die veraltete Sexualmoral und den Umgang mit Frauen. Laienverbände organisieren Proteste – wie zum Beispiel das Bündnis "Maria 2.0" in Würzburg. Die Aktivistinnen schlugen ihre Forderungen bayernweit an Kirchentüren an.

Edeltraud Hann ist Vorsitzende des katholischen Frauenbundes in Würzburg. Sie bedauert, dass sogar treue Gläubige der Kirche den Rücken kehren. "Wenn man sieht, dass ältere Frauen die Kirche verlassen, das tut mir eigentlich weh, weil ich denke, die waren über Jahrzehnte sozialisiert in der Kirche, das war die Heimat, und die können jetzt nicht mehr bleiben, weil sie einfach von dem ganze Missbrauch her und wie damit umgegangen wird, mit Vertuschung, das einfach nicht mehr aushalten." Die Kirche solle sich offen und ehrlich all dieser Kritik stellen – gerade beim Thema Missbrauch. Das fordern viele Katholiken immer offener ein.

💡 Bamberg von Kirchenaustritten besonders betroffen

In Bayern ist das katholische Bistum Bamberg am meisten von den Kirchenaustritten betroffen. 2019 waren dort 27,7 Prozent mehr Menschen als 2018 aus der Kirche ausgetreten. Vor allem in den Städten – also im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen sowie in Bamberg selbst. Die aktuellen Zahlen für 2020 und 2021 liegen noch nicht vor – der Trend bei den Kirchenaustritten geht insgesamt wohl weiter nach oben.

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