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Bahnunfall in Bruckberg: Große Trauer und Anteilnahme | BR24

© BR/Harald Mitterer

Kerzen und Blumen am Unfallort in Bruckberg. Viele Menschen zeigen Anteilnahme.

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    Bahnunfall in Bruckberg: Große Trauer und Anteilnahme

    Auch am Tag nach dem tödlichen Bahnunglück im niederbayerischen Bruckberg ist die Anteilnahme in dem Ort groß. An der Unglücksstelle am Bahnhof werden immer mehr Blumen für die getöteten 13 und 17 Jahre alten Schüler abgelegt und Kerzen angezündet.

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    Nach dem tragischen Zugunglück in Bruckberg, bei dem zwei Brüder am Bahnhof über einen geschlossenen Bahnübergang gelaufen und von einem vorbeifahrenden Zug erfasst worden sind, ist die Trauer vor allem bei Freunden und Klassenkameraden groß.

    Noch Abend des Unfalltages haben vor allem viele Klassenkameraden Blumen, Kerzen und Fotos bei der Unfallstelle aufgestellt und gemeinsam getrauert. Es wurde eine Art kleiner Altar aufgebaut mit Fotos der beiden verunglückten 13 und 17 Jahre alten Schüler. Auf den Blumen liegt ein Schal des Fußballclubs Bruckberg, für den die beiden Brüder in den Nachwuchsteams spielten.

    Viele Schüler waren Augenzeugen des schrecklichen Unfalls

    Wie es von der Polizei heißt, waren viele Schüler Augenzeugen des Unfalls. Bettina Mangelkramer von der psychosozialen Notfallversorgung des BRK für Niederbayern/Oberpfalz erklärt im BR-Gespräch, wie Augenzeugen mit so einem tragischen Unfall umgehen:

    "Jeder Mensch reagiert anders, jeder geht mit so einer Situation anders um. Wir versuchen auf die zu Betreuenden einzugehen, darauf zu horchen, was besonders belastend für sie ist. Wir arbeiten eng mit den Schulpsychologen zusammen, das läuft Hand in Hand.“ Bettina Mangelkramer

    Mangelkramer rät Augenzeugen eines so tragischen Unfalls, darüber zu sprechen. Wenn das mit den Eltern nicht möglich ist, dann mit Freunden und Bekannten.

    Jeder Mensch reagiert anders auf schreckliche Erlebnisse

    Eltern empfiehlt sie, ihre Kinder nicht zu überfragen. "Wenn die Person abblockt, dann in Ruhe lassen, einfach eine Zeit sitzen lassen - dann kann man wieder einen Anstoß machen: Willst du darüber reden, wie geht es dir damit? Wenn es länger dauert, dann geht es in die therapeutische Schiene."

    Mangelkramer weiß, dass jeder Mensch anders auf so einen tragischen Unfall als Augenzeuge reagiert. Einige brauchen einen freien Tag, um das Erlebte verarbeiten zu können, andere machen Sport oder hören einfach nur Musik. Die Arbeit von Einsatzkräften oder Kriseninterventionsteams setzt Empathie voraus, so Mangelkramer. Das persönliche Gespräch mit Betroffenen oder Augenzeugen sei wichtig.

    Trotz Schranken und Warnsignale Zug übersehen

    Die Polizei ermittelt unterdessen jetzt den genauen Hergang. Bisher hätten Vernehmungen aber bestätigt, dass es ein tragischer Unfall war, hieß es am Mittwoch. Trotz geschlossener Schranken, roter Ampeln und Warnsignale beim Bahnübergang Bruckberg haben die beiden 13 und 17 Jahre alten Brüder einen herannahenden Zug offenbar nicht bemerkt, als sie ihre Bahn erwischen wollten.

    Auch die Deutsche Bahn äußerte sich inzwischen zum Unfall und zeigte sich tief betroffen: "Der Familie der beiden Jungen gehört unser ganzes Mitgefühl", heißt es in einer Pressemitteilung. Ein Sprecher des Unternehmens teilte zudem mit, dass man als DB daran arbeite, Bahnübergänge rückzubauen und sie durch Brücken oder Unterführungen zu ersetzen.

    Zahl der Bahnübergänge sinkt

    Ein beschrankter Bahnübergang sei immer auch ein Risiko, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, das weiß auch die Deutsche Bahn. In den vergangenen Jahren wurden gemeinsam mit den Gemeinden und Eigentümern der Straßen viele Bahnübergänge beseitigt. Seit 1950 konnte demnach die Anzahl der Kreuzungen zwischen Schiene und Straße mehr als halbiert werden.

    Mitte der Neunzigerjahre gab es bei der Deutschen Bahn eigenen Angaben zufolge noch 28.000 Bahnübergänge - über 50 Prozent davon ohne technische Sicherung. Ende 2018 waren es laut DB noch rund 16.400 Anlagen, davon noch rund 38 Prozent ohne technische Sicherung. Dies sei die niedrigste Zahl an Bahnübergängen in der gesamten Geschichte der DB, wie es heißt.

    2018 gab es 146 Unfälle an den Bahnübergängen der Deutschen Bahn. 1995 waren es noch 603 Kollisionen. Die Zahl der Unfälle ist somit um rund drei Viertel gesunken. Dennoch passieren laut Bahn immer wieder Unfälle auch an technisch gesicherten Bahnübergängen, da beispielsweise Schranken bewusst umfahren werden.

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