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Bahnausbau Nordbayern: Bürger fürchten "Mauer" durch Hof | BR24

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Die Deutsche Bahn hat über die Ausbaupläne der nordbayerischen Bahnstrecken im Raum Hof informiert. Bürger konnten sich online zuschalten.

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Bahnausbau Nordbayern: Bürger fürchten "Mauer" durch Hof

Die Deutsche Bahn plant den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecken in Oberfranken und der Oberpfalz. Die Pläne für den Raum Hof hat die Bahn am Dienstagabend vorgestellt. Unter anderem ein geplantes Bauwerk stieß auf Kritik.

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Von
  • Markus Feulner

Das Großprojekt der Bahn soll Nordostbayern wieder an den Fernverkehr anschließen, und auch mehr Menschen zum Umsteigen auf die Bahn und mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen: In Oberfranken und der Oberpfalz sollen die bisherigen Dieselstrecken ausgebaut und elektrifiziert werden. Die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger sollen in die Planung einfließen.

Infotermin der DB verfolgen 50 interessierte Bürger

Zwei Stunden dauerte der erste Infotermin zum Bahnausbau auf dem ersten Abschnitt zwischen Hof und Schwarzenbach an der Saale. 87 Kommentare, Anmerkungen und Fragen stellten die etwa 50 Zuschauerinnen und Zuschauer. Fast alle kommen aus den betroffenen Städten und Gemeinden Hof, Oberkotzau und Schwarzenbach an der Saale.

Zahl der Züge bei Oberkotzau soll sich verdoppeln

Auf den etwa 13 Kilometern Gleis, um die es bei diesem Infotermin ging, stehen zahlreiche Neu-, Um- und Ausbauten an. Angefangen bei der Elektrifizierung, über Brückenbauten, einem dritten Gleis zwischen Hof und Oberkotzau bis hin zu zahlreichen Lärmschutzmaßnahmen. Die interessieren die Zuschauer besonders, denn durch den Ausbau der Strecke wird auch die Zahl der Züge steigen und damit der Lärmpegel. Momentan fahren täglich etwa 150 Züge durch Oberkotzau. Zum Ende des Ausbaus soll sich diese Zahl auf etwa 300 verdoppeln, davon werden zwischen 60 und 70 Güterzüge sein.

Korridor von europäischer Bedeutung

Die Trasse von Hof nach Regensburg ist Teil des sogenannten "Ostkorridors", der östlichsten durchgehenden Nord-Süd Strecke durch Deutschland. Sie verbindet im transeuropäischen Rahmen Süd- mit Nordeuropa. Oberkotzau ist dabei ein Knotenpunkt der Trasse. Von Hof kommend teilt sich hier die Strecke in drei Äste:

  • den nach Selb und weiter ins tschechische Asch
  • den nach Bamberg und Bayreuth
  • den nach Marktredwitz und Regensburg

16 Kilometer Lärmschutzwände sollen entstehen

Die Bahn setzt beim Lärmschutz vor allem auf Schutzwände dicht entlang der Gleise. Zwischen drei und fünf Meter hoch sollen sie in Hof, Oberkotzau und Schwarzenbach/Saale werden und eine Gesamtlänge von 16 Kilometern erreichen. Ältere lärmanfällige Eisenbahnbrücken, wie die über die Schwesnitz, werden abgerissen und neu gebaut. Außerdem sollen künftig leisere Züge fahren.

Zuschauer fürchten Mauer durch Hof

Diese Lärmschutzwände stoßen bei den Zuschauern der Infoveranstaltung auf Missfallen. Manche sprechen gar von einer Art Berliner Mauer quer durch Hof.

"5.000 Meter Berliner Mauer mitten durch Hof, na vielen Dank." Meinung eines Zuschauers

Sie fürchten eine optische Teilung ihrer Wohnorte durch die fünf Meter hohen Wände. Beispiele dafür gibt es in Ebensfeld und Breitengüßbach, wo die Neubaustrecke zwischen Bamberg und Berlin mitten durch die Orte führt.

Güterzüge werden länger und die Hälfte fährt nachts

Die Zahl der Züge und zu welchen Zeitpunkten vor allem die Güterzüge unterwegs sein werden, das waren weitere Fragen der Zuschauer. Wie es auf dem Infotermin kommuniziert wurde, soll jeweils eine Hälfte der Güterzüge nach 22 Uhr, die andere Hälfte tagsüber fahren. Und die Züge sollen länger als bisher sein. Statt wie bisher maximal 670 Meter, sind sie dann bis zu 740 Meter lang. Momentan sind Züge, die länger als 670 Meter sind, nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Vielfältige Baumaßnahmen: Brücken, Bahnübergänge, Bahnhöfe

Diese Länge und die Zugfrequenz machen die Schließung von Bahnübergängen notwendig. Andernfalls wären dort die Schranken zu oft geschlossen und würden keinen normalen Überquerungsverkehr mehr ermöglichen. Durch die Oberleitung müssen Brücken abgebrochen und neu gebaut werden. Zum Teil handelt es sich dabei um denkmalgeschützte, 150 Jahre alte Bauwerke. Diese Brücken und Bahnübergänge sind bei Fußgängern und Radfahrern beliebt – ihr absehbares Ende sorgte ebenfalls für Fragen.

Die Bahn betonte die Möglichkeiten, die der künftig wiederbelebte Fernverkehr den Menschen bieten könne, auch der Nahverkehr werde profitieren. Vor allem wenn der Deutschlandtakt eingeführt werde. Der neue Haltepunkt "Hof Mitte" ist auch Teil dieses Bauprogramms.

Zeitplan nicht vorhersagbar: 10 Jahre plus x

Die gesetzlichen Vorschriften für so ein Infrastrukturprojekt sehen vor, dass die Anwohnerinnen und Anwohner in die Planung mit einbezogen und gehört werden sollen. Für den Februar sind zwei Publikumsveranstaltungen in Hof und Schwarzenbach angesetzt, sofern sie nicht Corona-bedingt erneut verschoben werden müssen. Ursprünglich hätten diese schon im Januar stattfinden sollen.

"Wir wollen keine falschen Prognosen abgeben, da noch zu viele Unwägbarkeiten eine Rolle spielen können." Norman Wilk, Projektleiter DB AG

Eine konkrete Aussage, wann die Bauarbeiten beginnen werden, konnten die zuständigen Projektleiter der Bahn, Norman Wilk und Matthias Holfeld, noch nicht treffen. Das Planungs- und Gesetzgebungsverfahren dazu dauere auch wegen der Einbindung der Anwohner und Gemeinden lange. Jedoch sei diese Transparenz vom Gesetzgeber gewollt, so Matthias Holfeld. Der Antrag für ein sogenanntes vorbereitendes Verfahren, das das bisherige Planfeststellungsverfahren ersetzt, werde im zweiten Halbjahr 2022 eingereicht. Von da an kann es erfahrungsgemäß noch gut zehn Jahre bis zur Inbetriebnahme der neuen Strecke dauern.

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