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Soll Gewalttäter abschrecken: ein Sicherheitsbeamter der Bahn mit Bodycam (Symbolbild)

"Bodycams sichern Beweismaterial und schützen vor Angriffen. Das bedeutet mehr Sicherheit für DB-Mitarbeiter und Bahnkunden", teilt Bahn-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke zum Start in München mit. Die bisherigen Erfahrungen seien durchweg positiv: "Sicherheitsteams mit Bodycam wurden nicht angegriffen", erklärte Rischke.

Bahn: Nur Bundespolizei darf auf Videos zugreifen

Die Aufzeichnungsfunktion der Körperkameras wird laut Bahn aktiviert, wenn eine Situation zu eskalieren droht. Der Sicherheitsmitarbeiter mache eine deutliche Ansage, dass er die Bodycam nun einschalten werde. Ein präventiver Effekt gehe insbesondere vom eingebauten Monitor aus, der einem Angreifer das eigene Verhalten zeigt.

Die Aufzeichnungen werden der Bahn zufolge verschlüsselt gespeichert und auf geschützte Server übertragen. Auf die gespeicherten Bilder könne nur die Bundespolizei zugreifen. Diese wiederum führte ihrerseits Bodycams für ihre Teams am Münchner Hauptbahnhof im Frühjahr 2017 dauerhaft ein; vorausgegangen war eine zwölfmonatige Testphase.

Bodycams in Nürnberg: Bahn spricht von Erfolg

Die Bahn selbst hatte zuerst die Sicherheitsteams am Nürnberger Hauptbahnhof mit Bodycams ausgestattet. Der Hauptbahnhof gilt als Brennpunkt, an dem es immer wieder Gewalt und Probleme mit Alkohol und Drogen gibt. Die Kameras werden nur zu Zeiten mit "erhöhtem Konfliktpotenzial" eingesetzt – also bei Fußballspielen, am Wochenende und am Abend.

Anfang Juli, nach fünf Monaten im Einsatz, sprach die Bahn von einem Erfolg. Die Arbeit der Kollegen sei ungefährlicher geworden, hieß es damals. Seit Februar habe es am Hauptbahnhof nur vier Angriffe auf Sicherheitsmitarbeiter gegeben. Ein Kollege sei dabei verletzt worden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres seien 17-mal Mitarbeiter attackiert worden.

Für weitere Bahnhöfe in Bayern gibt es nach Angaben der Bahn derzeit keine Pläne. Bundesweit setzt sie Körperkameras in Berlin, Köln, Hamburg und Frankfurt ein.

Innenministerium: Polizei ab Februar mit Körperkameras ausstatten

Auch die bayerische Polizei verwendet inzwischen Bodycams. Nach dem Ende eines Pilotprojekts in München, Augsburg und Rosenheim kündigte das Innenministerium an, die Beamten von Februar 2019 an flächendeckend mit Körperkameras auszurüsten. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Euro. "Aufgrund der deutlich erkennbaren Videoüberwachung gibt es offenbar eine höhere Hemmschwelle, Polizeibeamte anzugreifen", so Innenminister Joachim Herrmann im Februar im Innenausschuss des Landtages. Zunächst sollen vor allem die Polizeiinspektionen ausgerüstet werden, die am stärksten von Gewalt gegen Polizeibeamte betroffen seien.

Datenschützer wollen kein "pre-recording"

Eine datenschutzrechtliche Frage könnte noch für Diskussionen sorgen: Laut Innenminister wäre es wichtig, dass die Kameras generell Vorabaufnahmen von mehreren Sekunden ("pre-recording") anfertigen dürften. Dies wurde im Pilotprojekt auf Bitten des Datenschutzbeauftragen nicht verwendet, weshalb oft der Auslöser für das polizeiliche Handeln nicht aufgezeichnet werden konnte.

Bayerns oberster Datenschützer Thomas Petri sieht auch das Wissen der Polizisten um die abschreckende Wirkung kritisch. Er befürchtet, dass "ohne Grund überwacht" werde, selbst wenn es keinen Anlass gebe.

Unübersehbar – auch von hinten: Diese Bahn-Sicherheitskräfte im Nürnberger Hauptbahnhof tragen Bodycams.

Unübersehbar – auch von hinten: Diese Bahn-Sicherheitskräfte im Nürnberger Hauptbahnhof tragen Bodycams.

Autoren

Günther Rehm

Sendung

Nachrichten vom 15.09.2018 - 11:03 Uhr