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Bahn investiert dieses Jahr 1,6 Milliarden in Bayern | BR24

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Marode Bahnhöfe, Zugausfälle und Verspätungen: In Zukunft soll bei der Bahn alles besser werden. Deshalb investiert der Konzern heuer 1,6 Milliarden Euro allein in Bayern.

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Bahn investiert dieses Jahr 1,6 Milliarden in Bayern

Die Deutsche Bahn nimmt 1,6 Milliarden Euro in die Hand, um ihre Infrastruktur im Freistaat zu modernisieren. Für die Reisenden bedeutet das erst einmal Dreck, Lärm und Verspätungen - auch am Münchner Hauptbahnhof.

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"Bauen, dass es besser wird", so verkauft die Bahn die Bauarbeiten in diesem Jahr und wirbt um Verständnis bei den Fahrgästen. 1,6 Milliarden Euro gibt die Bahn allein in Bayern heuer aus für ihre Infrastruktur. Bayerns Bahnchef Klaus Dieter Josel macht klar, dass es kaum eine Alternative dazu gibt:

"Bauen ist Teil der Lösung, wir müssen die Kapazität Leistungsfähigkeit des Systems Schiene ausbauen, um der Mobilität von Morgen gerecht zu werden. Wenn wir nicht investieren würden, nicht bauen würden, käme es zu einem Stillstand, hier am Knoten München, aber im Rest von Bayern." Klaus Dieter Josel, Bahnchef Bayern

In München laufen derzeit die Bau- und Bohrarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke. Dieses Jahr werden das die Fahrgäste endgültig merken - jedenfalls die Hunderttausenden, die am Münchner Hauptbahnhof ein- und aussteigen.

Schalterhalle wird ab Mai gesperrt – Abriss des Hauptbahnhofs München beginnt

Am Hauptbahnhof München wird ab Mai die Haupthalle gesperrt werden, weil die Bahn mit Bohrungen und Fräsarbeiten für die zweite Stammstrecke beginnt – Brunnen werden gegraben, die Wände für den Tiefbahnhof gebaut. Ab September wird die Schalterhalle entkernt und der Münchner Hauptbahnhof samt Fassade und Schwammerlvordach teilweise abgerissen.

Die Fahrgäste müssten dann außen herum gehen, um zu den Gleisen zu kommen, so Markus Kretschmer, der Projektleiter der zweiten Stammstrecke: "Die Passagierführung ist dann leider außen herum über die Bayerstraße und die Arnulfstraße zum Querbahnsteig. Das wird die Hauptverbindung sein zur Gleishalle und zur U1 und U2. Man muss über die Seitenausgänge raus und um das Gebäude leider herumlaufen. Wir wollen das möglichst kurz halten, diese Phase."

Großplanung am Hauptbahnhof kann zweite Stammstrecke bremsen

Momentan tüftelt die Bahn an der Fußgängerführung. Möglicherweise wird an der Seite der Baugrube eine Fußgängerbrücke eröffnet, sagt Kretschmer. Die Bahn verspricht, die Baustellenphase zu optimieren. Es wird also mit Hochdruck an der zweiten Stammstrecke gearbeitet, jedenfalls vermittelt die Bahn diesen Eindruck. Trotzdem könnte sich die versprochene Fertigstellung 2026 verzögern, räumt Markus Kretschmer ein:

"Wenn man eine komplette U-Bahnstation integriert, dann ist es klar, dass sich das verzögert, wir reden von einer integrierten Planung, nicht nur von der U9 auch von einem neuen Empfangsgebäude. Wir müssen ja an unsere Passagiere denken. Wir können den Hauptbahnhof nicht über Jahrzehnte sperren, deswegen versuchen wir das zu bündeln." Markus Kretschmer, Projektleiter zweite Stammstrecke

Die Bahn plant schließlich ein komplett neues Bahnhofsgebäude, mit Läden und Büros aus einem Guss. Der Entwurf wurde mit der Stadt abgeklärt. Unter anderem wird der Starnberger Flügelbahnhof trotz seiner historischen Bedeutung abgerissen. Die Folge: Die Jahreszahl 2026 als Datum der Fertigstellung, sie wackelt, so Kretschmer.

"Es wird tendenziell mit 2026 wahrscheinlich nicht mehr klappen, aber es wird jetzt auch nicht viele Jahre später werden. Wir reden über ein zwei Jahre, mehr nicht." Markus Kretschmer, Projektleiter zweite Stammstrecke

Offiziell hält die Bahn aber am ursprünglichen Fertigstellungsdatum bis Ende 2026 fest. Zu den kurzfristigen Maßnahmen auf der bestehenden Stammstrecke werden drei Bahnhöfe modernisiert: Hauptbahnhof, Marienplatz und Rosenheimer Platz.

Genau da, wo heute die Pressekonferenz stattfand, wird einmal 40 Meter tiefer früher oder später die zweite Stammstrecke verlaufen. Sie soll neue Möglichkeiten schaffen für das so störanfällige und überlastete Münchner S-Bahn-System. Schließlich hält das Bevölkerungswachstum an, der Zuzug ist ungebrochen und könnte München Schätzungen zufolge etwa im Jahr 2030 zur Zwei-Millionen – Metropole machen. Bis dahin muss etwas geschehen, damit das System nicht kollabiert. Die Fahrzeugflotte wird momentan umgebaut. Die entkernten Züge werden dank der Streichung von Sitzplätzen mehr Menschen mitnehmen können.

Sechs Wochenendsperrungen auf der S-Bahn in diesem Jahr

Für die Modernisierung der S-Bahnhöfe Hauptbahnhof, Marienplatz und Rosenheimer Platz wird es an sechs Wochenenden eine Totalsperrung geben. Diese Bündelung sei weit besser für Fahrgäste und für die Bauarbeiter, als beispielsweise über viele Wochen nur kurz zu sperren, so die Bahn.

Es geht bei den Tunnelbahnhöfen der S-Bahn auch darum, sie zu entrümpeln, damit mehr Fahrgäste Platz haben und das Ein- und Aussteigen schneller geht, nicht nur um die Verschönerung.

Elektrifizierung im Allgäu und Viergleisigkeit in Franken

Ansonsten baut die Bahn bei ihren längeren Projekten in ganz Bayern weiter und macht weitere Bahnhöfe barrierefrei, so Klaus Dieter Josel.

Auf der Strecke Nürnberg - Erfurt wird das Stück zwischen Forchheim und Breitengüßbach viergleisig ausgebaut. In Schwaben werden die Allgäubahn und der Bahnknoten Lindau elektrifiziert, darüber hinaus bekommt die Strecke Augsburg - Donauwörth - Treuchtlingen neue Gleise, Weichen und Brücken sowie ein digitales Stellwerk. Auch die Strecke München - Rosenheim - Salzburg erhält neue Gleise, Brücken und Oberleitungen.

Im Rahmen des größten Infrastrukturprogramms der Bahn-Geschichte wurden in Bayern seit 2015 bereits mehr als 1.100 Kilometer Schiene modernisiert. Die Störungen haben seither durch ein verbessertes Baustellenmanagement signifikant abgenommen, betont die Bahn immer wieder.

Bei diesem Baustellenvorschautermin in München hatte Bayerns Bahnchef alle seine Bereichsverantwortlichen dabei. In einem Schulterschluss sollen die Bauprojekte in diesem Jahr zum Erfolg gebracht werden, so dass die Fahrgäste möglichst wenig Beeinträchtigungen erdulden müssen.

Fahrgäste sollen stets informiert werden

Der Chef der Südbayerischen Bahnhöfe, Andreas Rudolf, nennt die Pendler, Reisenden und Bahnkunden lieber "Gäste": "Der Einstiegs- und Ausstiegspunkt zum System Bahn, das sind letzten Endes die Bahnhöfe. Bahnhöfe machen Gäste zu Reisenden, darum stehen wir hier zusammen, wir sind, ohne vermessen zu sein, Bayerns größte Gastgeber."

Jedenfalls haben die bayerischen Bahnmanager heute versprochen, bei jeder einzelnen der vielen Baumaßnahmen in diesem Jahr ihre Gäste gesondert und ausführlich zu informieren - am Ort und im Internet.

© BR / Anton Rauch

Die Deutsche Bahn nimmt 1,6 Milliarden Euro in die Hand, um ihre Infrastruktur im Freistaat zu modernisieren. Für die Reisenden bedeutet das erst einmal Dreck, Lärm und Verspätungen - auch am Münchner Hauptbahnhof.