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Bahn-Ausbau in Bayern: "Prüfen kann man viel" | BR24

© pa/Fotostand

Bauarbeiten an der ICE-Strecke Bamberg-Erfurt, aufgenommen am 09.05.2020.

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Bahn-Ausbau in Bayern: "Prüfen kann man viel"

Seit Jahren fließen im Freistaat deutlich mehr Bundesmittel in den Straßenbau als in die Schienen-Infrastruktur. Die bayerische Linken-Bundestagsabgeordnete Gohlke hält das für falsch - und fordert auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

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In Bayern fließen seit vielen Jahren deutlich mehr Bundesmittel in den Straßenausbau als in den Ausbau von Schienen. Das zeigt die Antwort des CSU-geführten Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag, die dem BR vorliegt. Demnach investierte der Bund etwa im vergangenen Jahr knapp 1,7 Milliarden Euro in Bayerns Straßennetz - und im selben Zeitraum 891 Millionen Euro ins Schienennetz des Freistaats.

Die Antwort der Bundesregierung zeigt auch: Während die Investitionen ins Straßennetz seit Jahren steigen, war der Schienen-Anteil zuletzt rückläufig - liegt aber immer noch deutlich höher als zwischen den Jahren 1995 und 2014. Für die bayerische Linken-Abgeordnete Nicole Gohlke ist das dennoch zu wenig. Sie hat die Anfrage mitgestellt und sagte dem BR: Wenn die Investitionen in Autobahnen ansteigen, werde eine "ökologische Verkehrswende" nicht gelingen.

Wie andere Oppositionspolitiker, mehrere Fahrgastverbände und der ökologische Verkehrsclub Deutschland fordert auch Gohlke, dass der Freistaat Bahnstrecken reaktiviert, die in den 80er- und 90er-Jahren stillgelegt wurden. Dem erteilt das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort weitgehend eine Absage - für Gohlke ein "wirklich falsches Signal".

Schreyer: Bus kann "ökologisch sinnvoller sein"

In einigen Fällen prüft Bayern allerdings, ob sich die Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke lohnt. Das sagte die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) dem BR. Ihr zufolge sind dabei zwei Aspekte entscheidend - "dass es jeder vor Ort will" und "dass wir 1.000 Menschen haben, die täglich auch damit fahren". Denn andernfalls passe die CO2-Bilanz nicht, betonte Schreyer. Dann sei ein Bus "ökologisch sinnvoller".

Laut der Ministerin geht es grundsätzlich darum, das richtige Angebot für die Menschen zu machen - und da gehöre das Auto dazu. Schreyers Fazit: Wo Straße nötig sei, gebe es Straße - und wo Schiene nötig sei, gebe es Schiene. Zudem trifft es laut Schreyer nicht zu, dass weniger Investitionen in die Straßen zwingend dazu führen, dass mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Dennoch gelte: "Wir machen den ÖPNV so attraktiv wie möglich, damit möglichst viele ihn auch nutzen - wenn sie es denn wollen."

Gohlke fordert "größeren Stellenwert" für die Bahn

Linken-Politikerin Gohlke kritisiert derweil vor allem das bayerische Vorgehen bei der möglichen Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Prüfen könne man viel, betonte sie. Sie selbst nennt ambitioniertere Ziele - nämlich "der Bahn in Bayern einen größeren Stellenwert zu geben und sie wirklich flächendeckend und bezahlbar zu machen".

Tatsächlich zeigt die Antwort auf die Linken-Anfrage auch: Zwischen 1990 und 2019 wurde in Bayern lediglich ein Kilometer Autobahn zurückgebaut. Im gleichen Zeitraum kamen rund 500 km neugebaute Autobahn-Kilometer hinzu. Dagegen wurden laut der Deutschen Bahn seit dem Jahr 1980 in Bayern insgesamt 1.435 Streckenkilometer stillgelegt.

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Seit Jahren fließen im Freistaat deutlich mehr Bundesmittel in den Straßenbau als in die Schienen-Infrastruktur. Die bayerische Linken-Bundestagsabgeordnete Gohlke hält das für falsch - und fordert auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

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