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Bäume in Bayern: Schutzlos ausgeliefert | BR24

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Vierstellige Summen mussten Besitzer und Forstfirma zahlen für die illegale Fällung von 74 Bäumen am Tegernsee. Im Frühjahr wurden sie an der Point gefällt.

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Bäume in Bayern: Schutzlos ausgeliefert

Gewachsen über Jahrhunderte, gefällt in wenigen Sekunden: Immer wieder werden in Bayern stattliche Bäume einfach beseitigt, oft illegal. Beim Blick auf die Gesetzeslage zeigt sich: Grundstücksbesitzer haben bei "Baumfrevel" oft wenig zu befürchten.

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Wo eben noch alte, stattliche Bäume Schatten gespendet haben, sind kurz darauf nur noch abgesägte Stümpfe und aufgewühlter Boden zu sehen. Immer wieder sorgen solche Fälle für Ärger bei Nachbarn, Anwohnern und Naturschützern. Im von Wohnungsnot geplagten München sind Bauherren oft nicht zimperlich mit altem Baumbestand, am Tegernsee wurde jetzt unter anderem das Herzogliche Brauhaus zu einer Strafe verdonnert, weil 70 Bäume in einem geschützten Biotop am Seeufer illegal der Motorsäge zum Opfer fielen. Doch es zeigt sich immer wieder: Die Strafen scheinen nicht wirklich abzuschrecken.

Wie ist der Baumschutz in Bayern geregelt?

In geschützten Naturräumen wie Biotopen dürfen Bäume nicht oder nur in Ausnahmefällen gefällt werden. Anders sieht es im heimischen Garten aus: Dort können laut Christopher Busch vom BUND auch alte und große Bäume vom Grundstückseigentümer jederzeit gefällt werden, es sei denn der Baum wird von geschützten Wildtieren bewohnt.

Um Kahlschlag in Wohngebieten zu verhindern, können Kommunen aber sogenannte Baumschutzverordnungen erlassen, Grundlage ist Artikel 12 im Bayerischen Naturschutzgesetz. So kann eine Kommune zum Beispiel vorschreiben, dass Bäume ab einem bestimmten Stammdurchmesser (meistens 60 oder 80 cm) nur mit Genehmigung der Behörden gefällt werden dürfen. Außerhalb von Privatgärten, etwa in Parkanlagen, dürfen Bäume zwischen dem 1. März und dem 30. September generell nicht gefällt werden.

Wie viele Kommunen haben eine Baumschutzverordnung?

Laut einer aktuellen Erhebung des Bund Naturschutz zusammen mit dem Bayerischen Umweltministerium haben gerade einmal 94 der über 2.000 Kommunen in Bayern eine Baumschutzverordnung – allen voran die größeren Städte wie München, Augsburg, Regensburg, Landshut oder Bayreuth. Viele Gemeinden lehnen sie aber ab und argumentieren, eine Baumschutzverordnung sei ein zu starker Eingriff in die Eigentumsrechte von Grundstücksbesitzern. Für den BUND ein großes Manko beim Baumschutz in Bayern.

Welche Strafen gibt es bei illegalen Baumfällungen?

Auch das regelt das Bayerische Naturschutzgesetz, in diesem Fall Artikel 57. Dort sind bei Verstößen gegen entsprechende Verordnungen Bußgelder zwischen 50 und 50.000 Euro festgeschrieben. Laut Christopher Busch vom BUND bewegen sich die tatsächlich verhängten Bußgelder aber eher im drei- und unteren vierstelligen Bereich, was auch der Fall vom Tegernsee zeigt.

Viel zu wenig in Augen der Naturschützer, denn solche Bußgelder würden kaum abschrecken. Bauherren würden diese Summen oft sogar mit einpreisen, die zusätzlichen Quadratmeter bei einem Neubau lassen sie die "Strafe" schnell verschmerzen. "Die Kommunen müssten den möglichen Strafrahmen viel besser ausnutzen", so Busch.

Wie strikt verfolgen Kommunen Verstöße?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Befragung des BUND und des Umweltministeriums hat ergeben, dass nur acht Prozent der Kommunen mit gültiger Baumschutzverordnung angegeben haben, illegale Fällungen "immer" zu sanktionieren. 33 Prozent gaben an, sie "meistens" zu sanktionieren. Dem gegenüber gaben acht Prozent der Kommunen an, Verstöße überhaupt nicht zu sanktionieren, 35 Prozent verfolgen einen Baumfrevel nur "selten".

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Gewachsen über Jahrhunderte, gefällt in wenigen Sekunden: Immer wieder werden in Bayern stattliche Bäume einfach beseitigt, oft illegal. Beim Blick auf die Gesetzeslage zeigt sich: Grundstücksbesitzer haben bei "Baumfrevel" oft wenig zu befürchten.