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Bessere Waldböden helfen bei steigenden Temperaturen: Ein EU-Forschungsprojekt im Landkreis Landsberg untersucht, ob das Entrinden von Bäumen direkt im Wald die Bodenqualiät verbessert.

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LIFE Future Forest Landsberg

Bessere Waldböden helfen bei steigenden Temperaturen: Ein EU-Forschungsprojekt im Landkreis Landsberg untersucht, ob das Entrinden von Bäumen direkt im Wald die Bodenqualiät verbessert.

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Von
  • Katrin Nöbauer

Er sieht ziemlich beeindruckend aus, der Harvester mit Debarking-Head-Aufsatz: In Sekundenschnelle kann er Bäume umschneiden, entasten und entrinden. In der Baumrinde sind besonders viele Nährstoffe enthalten. Die sollen im St. Walburgaholz in Kaufering im Landkreis Landsberg bleiben und nicht wie sonst im nahegelegenen Heizkraftwerk verbrannt werden. Dadurch soll nicht nur die Bodenqualität im Wald verbessert werden, sondern beim Verbrennen sollen auch weniger Asche und Feinstaub anfallen.

Erster gezielter Einsatz an Laubbäumen

Bisher wird der Debarking-Head vor allem bei Nadelbäumen zur Käferbekämpfung eingesetzt. Etwa 30 bis 40 dieser Entrindungsaufsätze gibt es laut Forstwissenschaftler Stefan Wittkopf in Deutschland. Laubbäume wurden bisher nur selten entrindet: Ihre Stämme sind oft nicht so gleichmäßig rund, wie die von Fichten oder Kiefern, außerdem kann die Krone nicht mitentrindet werden. In Landsberg testet das EU-LIFE Projekt Future Forest jetzt aber genau das: Wie lassen sich verschiedene Laubbaumarten entrinden?

"Bei Pappel und Linde hat es gut geklappt, bei der Kirsche war es schon schlechter und am schwierigsten war die Hainbuche, weil die einen sehr buckligen Stamm und Vertiefungen in der Rinde hat, da ist es am schlechtesten weggegangen. Aber Hainbuche ist ein sehr dichtes, schweres Holz, wenn das trocknet, schwindet es relativ stark und verliert 15-20 Prozent des Volumens. Spätestens da wird die restliche Rinde dann auch noch abplatzen." Stefan Wittkopf, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

In Kaufering: schon jetzt Wald der Zukunft

Ein Forschungsziel des LIFE Future Forest Projekts ist es herauszufinden, welche Baumarten einem wärmeren Klima besonders gut standhalten können. Fest steht aber schon mal: Ein möglichst vielfältiger Mischwald sollte es sein, so wie es das St. Walburgaholz in Kaufering mit seinen etwa 15 verschiedenen Baumarten ist. "Das ist schon jetzt ein Wald der Zukunft", meint Förster und Projekt-Mitarbeiter Ludwig Pertl und spricht insbesondere den "leistungsstarken" Boden vor Ort an. Der sei der beste Schutz gegen den Klimawandel, weil er nicht nur mehr Biomasse hervorbringen, sondern auch mehr Wasser und CO2 speichern könne.

Rinde könnte als Regenwurmfutter dienen

Konkret bedeutet "leistungsstarker" Boden vereinfacht: Herabfallende Blätter und andere Baumabfälle werden von Regenwürmern zügig zu einer Humus-Form zersetzt, aus der die Bäume über ihre Feinwurzeln optimal Nährstoffe aufnehmen können. Ob das auch mit der vermodernden Rinde passiert, wird in den nächsten Jahren in sogenannten Streukästen untersucht.

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In diesen Streukästen untersuchen Stefan Wittkopf und seine Studierenden, wie sich die verschiedenen Rindenarten zersetzen.

Landsberger Projekt als Wegweiser für die EU

Das Projekt Future Forest wird vom LIFE-Förderprogramm der EU mitfinanziert und läuft in Landsberg noch bis 2023. Dann sollen die Ergebnisse präsentiert werden, mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Wälder in der ganzen EU. Projektmitarbeiter Ludwig Pertl ist stolz: "Es ist einfach der Traum von jedem Forstmann, der ein Nachhaltigkeitskonzept erstellt hat, das umsetzen zu können und überregional und international hohes Gehör zu finden, weil das Thema Boden bisher in Bayern und Deutschland sträflich vernachlässigt wird."

Debarking-Demonstration kommt bei Projektpartnern gut an

Damit sich alle Partner des LIFE Future Forest Projekts von den Untersuchungen vor Ort ein Bild machen können, waren sie zum Einsatz des Debarking-Heads vergangene Woche eingeladen. Vertreter von Stadt und Landkreis Landsberg, den umliegenden Gemeinden, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf sowie Förster und Waldbesitzer zeigten sich beeindruckt. So auch Landrat Thomas Eichinger: "Ich hätte nicht gedacht, dass man so einfach entrinden kann, in so wenigen Sekunden dem ganzen Stamm die Rinde nehmen kann und das dann als positiven Beitrag für den Boden dalassen kann – das ist eine tolle Technik."

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Die Projektpartner des LIFE Future Forests beim Debarking-Head-Einsatz im Kauferinger Energie- und Dauerwald.

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