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Bär in Bayern: Was tun, wenn man ihm begegnet? | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Kletterkünstler: Ein Europäischer Braunbär (Ursus arctos) hängt im Nationalpark Bayerischer Wald in einem Baum.

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Bär in Bayern: Was tun, wenn man ihm begegnet?

In Bayern streunt derzeit ein Bär herum. Seit "Problembär" Bruno haben die Behörden einen Managementplan. In ihm werden auch Tipps gegeben, wie man sich bei Kontakt mit einem Bären verhalten sollte. Oberste Devise: Ruhig bleiben.

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Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen streunt ein Bär herum. Eine Wildtierkamera hatte das Tier in der Nacht auf Mittwoch fotografiert. Nachdem Braunbär Bruno 2006 die Behörden in Bayern eher unvorbereitet erwischt hatte, sieht man sich jetzt gut aufgestellt. Experten haben seitdem einen Managementplan parat.

Ziel: Konfliktarmes Miteinander von Mensch und Bär

Dieser Plan regelt die Zuständigkeiten und Ausgleichszahlungen an Bauern, wenn ein Bär Weidetiere reißt oder Honig stiehlt. Almbauern, Naturschützer, Wissenschaftler und Behörden haben an dem Plan gearbeitet:

"Die Sicherheit des Menschen hat Priorität vor dem Schutz der Bären. Schäden an Nutztieren und anderer wirtschaftlicher Schaden sollen vermieden bzw. ausgeglichen werden. Das Entfernen von Bären aus der freien Wildbahn ist ultima ratio." Leitlinie des Managementplans Braunbären in Bayern
© dpa-Bildfunk

Das Foto einer Wildtierkamera, das in der Nacht zum 23.10.2019 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen aufgenommen wurde, zeigt einen Braunbären.

© dpa-Bildfunk

Da war er noch in Österreich: Erstmals tappte der Bär dort am 9. Oktober in der Nähe des Plansees in eine Wildfotofalle.

Für Bären steht bei Weitem nicht nur Fleisch auf dem Speiseplan. Nur etwa ein Viertel seiner Nahrung besteht daraus. Waldbeeren, Knollen, Knospen, Pilze, Vogeleier - Bären ernähren sich vielseitig. Konflikte mit Bauern gibt es dann, wenn er sich über Weidetiere oder Bienenstöcke hermacht.

Was tun bei Bärenkontakt?

"Der Bär ist kein Kuscheltier", das steht tatsächlich so in einer Anlage des Managementplans. Es werden aber auch hilfreiche Tipps gegeben, sollte man doch mal einem Bären in freier Wildbahn begegnen: "Wenn Sie einen Bär sehen, bleiben Sie ruhig und gelassen. Bleiben Sie stehen und machen Sie den Bären durch ruhiges Sprechen und langsame Armbewegungen auf sich aufmerksam." Man sollte weder wegrennen, noch sich dem Tier nähern oder versuchen, es zu verscheuchen: "Treten Sie langsam und kontrolliert den Rückzug an und lassen dem Bären in jedem Fall einen Ausweg."

Und bei einem Bärenangriff?

Greift ein Bär tatsächlich an, heißt es Nerven bewahren. In der Anlage zu den Verhaltensregeln heißt es: "Legen Sie sich flach auf den Boden oder kauern Sie sich auf den Boden, die Hände im Nacken. Wenn vorhanden, schützt so Ihr Rucksack den Rücken." Der Bär würde in der Regel nicht zuschlagen, sondern den Menschen beschnuppern und als ungefährlich bewerten." Dann müsse man nur noch abwarten, bis der Bär sich entfernen würde. Angriffe auf Menschen seien selten, betont das Landesamt für Umwelt (LfU) auf DPA-Anfrage: "Die Gefahr, die von einem arttypisch sich verhaltenden Bären für den Menschen ausgeht, ist minimal."

Der neue Bär ist sehr scheu - kann sich das ändern?

Das kann unter Umständen geschehen. Eine große Gefahr ist, dass er durch Essenreste und Abfälle angelockt wird - und lernt, dass es in der Nähe von Menschen Nahrhaftes zu holen gibt. Bär Bruno wurde vermutlich auch deshalb zum Problembären, weil er genau das von seiner Mutter Jurka lernte. Sie hatte ihrem Nachwuchs beigebracht, dass es bei Siedlungen etwas zu fressen gibt. Deshalb warnt das LfU strikt davor, Überbleibsel der Brotzeit wegzuwerfen - oder den Bären gar zu füttern. "Es ist essenziell, in der Natur keinen Müll und keine Nahrungsreste liegenzulassen", sagte eine LfU-Sprecherin.

Wie groß sind die Chancen, dass der Bär tatsächlich bleibt?

Gering. Eine Bärenpopulation breitet sich laut LfU nur sehr langsam aus. Junge Bärinnen versuchen meist, sich ein Gebiet nahe ihrer Mutter zu sichern. Nur junge Männchen wandern teils weit, um Anschluss an nicht verwandte Tiere zu bekommen. Manchmal sind sie dazu Jahre unterwegs. Wenn sie keine Partnerin finden, kehren sie in ihre Heimat zurück, bei dem neuen Bären wahrscheinlich das norditalienische Trentino. "Deshalb ist es nicht zu erwarten, dass Bären sich in Bayern dauerhaft ansiedeln", heißt es beim LfU.

© BR

Ein Braunbär ist in eine Wildkamera getappt - in den Ammergauer Alpen. Bisher hält er sich von Menschen fern und hat anscheinend noch keine Schäden verursacht. Jetzt versuchen Fachleute näheres über das Tier herauszufinden.