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Die Staatsbad Philharmonie Kissingen ist eines der Aushängeschilder der Kurstadt, die sich neuerdings Weltkulturerbe nennen darf. Hinter den Kulissen gibt es aber offenbar Misstöne. Das Kurorchester droht mit einem Arbeitskampf.

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Bad Kissinger Kurorchester droht mit Arbeitskampf

Die Staatsbad Philharmonie Kissingen ist eines der Aushängeschilder der Kurstadt, die sich neuerdings Weltkulturerbe nennen darf. Hinter den Kulissen gibt es aber offenbar Misstöne. Das Kurorchester droht mit einem Arbeitskampf.

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Von
  • Ralph Wege
  • BR24 Redaktion

Die Staatsbad Philharmonie Kissingen gehört zu Bad Kissingen wie Heilwasser und Kurpark. Das 13-köpfige Kurorchester gibt bis zu drei Konzerte täglich und hat eine treue Fan-Gemeinde. Ganz zufrieden sind die Musikerinnen und Musiker aber offenbar nicht mit ihrem Arbeitsplatz in der frisch gekürten Weltkulturerbe-Stadt. Wie die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) mitteilt, planen sie einen Arbeitskampf.

Hochqualifiziert und unterbezahlt

Laut DOV-Pressesprecherin Uli Müller fordert die Vereinigung einen Tarifvertrag für die Staatsbad Philharmonie Kissingen. Deren Mitglieder würden viel schlechter bezahlt, als es in der Branche üblich sei: "Die meisten Orchestermitglieder verdienen trotz ihrer hochqualifizierten Studienabschlüsse nur um die 2.900 Euro brutto im Monat. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung steht ihnen aber viel mehr zu." Als Beispiel nannte Müller, dass ein Orchestermitglied mit 19 Jahren Berufserfahrung rund 4.000 Euro brutto im Monat verdienen sollte.

Branchenübliche Zulagen: Fehlanzeige

Außerdem liege die Stundenbelastung der Musikerinnen und Musiker wesentlich höher als in anderen Orchestern. Laut Uli Müller musizieren die Mitglieder der Staatsbad Philharmonie Kissingen 30 Stunden pro Woche und arbeiten zusätzlich zehn Stunden in der Verwaltung. Damit hätten sie insgesamt rund 160 Arbeitsstunden pro Monat – doppelt so viel wie sonst in der Branche üblich. Zeit zum häuslichen Üben bleibe da oft kaum. Auch Tätigkeitszulagen wie Kleider-, Rohr-, Blatt- oder Saitengeld gebe es nicht. Laut Müller betragen diese Zulagen in der Regel mehrere Hundert Euro im Monat.

DOV fordert faire Einkommen und Arbeitsbedingungen

Bad Kissingens Kurdirektorin Sylvie Thormann und Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD), so heißt es von der DOV, würden der Staatsbad Philharmonie einen Tarifvertrag verweigern, obwohl Bad Kissingen UNESCO-Weltkulturerbe geworden ist und die Musikerinnen und Musiker maßgeblich zur "lebendigen Kurtradition" beitragen. "Wir fordern den Oberbürgerm­eister und die Kurdirektorin auf, sich mit uns als Gewerkschaft an einen Tisch zu setzen, damit endlich faire Einkommen und Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden", erklärte Uli Müller.

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