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Bad Kissingen trauert um Nobelpreisträger Jack Steinberger | BR24

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Bad Kissingen trauert um seinen bedeutendsten Sohn: Der Physik-Nobelpreisträger und Ehrenbürger der Stadt, Jack Steinberger, ist im Alter von 99 Jahren in Genf gestorben. Mit seiner Heimatstadt verband ihn zuletzt eine enge Freundschaft.

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Bad Kissingen trauert um Nobelpreisträger Jack Steinberger

Bad Kissingen trauert um seinen bedeutendsten Sohn: Der Physik-Nobelpreisträger und Ehrenbürger der Stadt, Jack Steinberger, ist im Alter von 99 Jahren in Genf gestorben. Mit seiner Heimatstadt verband ihn zuletzt eine enge Freundschaft.

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Von
  • Anke Gundelach

Er war nicht nur ein hochdekorierter Wissenschaftler und Ehrenbürger Bad Kissingens. In seiner Heimatstadt dürften sie ihn vor allem auch als bodenständigen, bescheidenen Mann und als echten Freund vermissen: Jack Steinberger. Wie jetzt bekannt wurde, ist der Physik-Nobelpreisträger im Alter von 99 Jahren im schweizerischen Genf gestorben. Dort hatte er seit vielen Jahren gelebt und gearbeitet.

Als Kind in die USA geflohen

Hans Jakob Steinberger wurde 1921 als Sohn einer jüdischen Familie in Bad Kissingen geboren und hatte als Jugendlicher das Glück, dem Nazi-Terror zu entgehen. Seine Eltern schickten ihn und seinen älteren Bruder 1934 über eine jüdische Organisation in die USA. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnten die Eltern und der jüngste Sohn der Familie ebenfalls auswandern. Der begabte fränkische Junge, der sich fortan Jack nannte, studierte schließlich Chemie und Physik und machte in den USA eine steile wissenschaftliche Karriere.

Nobelpreis für Physik

Nach Kriegsende hielt sich Jack Steinberger wieder häufiger in Europa auf. Ab 1968 forschte er am CERN (Conseil européen pour la recherche nucléaire) in Genf, der Europäischen Organisation für Kernforschung. 1988 erhielt er zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern den Physik-Nobelpreis. Seine Heimatstadt Bad Kissingen knüpfte wenig später Kontakt zu Jack Steinberger, und es entwickelte sich eine langjährige Freundschaft. 2001 wurde das örtliche Gymnasium ihm zu Ehren Jack-Steinberger-Gymnasium getauft.

Ehrenbürger und Namenspatron

2006 erhielt der Wissenschaftler in Bad Kissingen die Ehrenbürgerwürde. Bis ins hohe Alter kehrte er regelmäßig an die Fränkische Saale zurück und hielt bei seinen Besuchen am Jack-Steinberger-Gymnasium auch immer wieder Physikvorträge für die Schüler der Oberstufe. Auf Titel und Auszeichnungen legte der bescheidene Mann keinen Wert. Angesprochen auf die Bad Kissinger Ehrenbürgerwürde oder die nach ihm benannte Schule, betonte er, dass er doch gar nichts für seine Stadt oder die Schule getan hätte. Seine Heimatstadt besuchte er gerne. Am Rande einer Veranstaltung 2013 sagte er dem Bayerischen Rundfunk: "Ich fühle mich willkommen in Bad Kissingen. Das ist meine Heimatstadt, und ich wurde hier erzogen. Ich fühle mich jetzt wieder als Deutscher."

Ehrendes Andenken in der Heimatstadt

Ein ehrendes Andenken ist dem Verstorbenen in der Kurstadt sicher. Oberbürgermeister Dirk Vogel würdigte den Verstorbenen heute als herausragende Persönlichkeit der Zeitgeschichte und als leuchtendes Beispiel für eine gelungene Aussöhnung nach dem Krieg. Besonders freue es ihn, so Vogel, dass das Bad Kissinger Gymnasium noch zu Jack Steinbergers Lebzeiten nach ihm benannt worden war. An der Schule erinnert schon seit Jahren eine Bronzebüste an Jack Steinberger. Sie wird jetzt mit einem Kranz und einem Foto geschmückt. In der Aula soll es bald eine kleine Ausstellung zum Leben und Wirken des Wissenschaftlers geben, und auf die Webseite der Schule kommt ein Nachruf.

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