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Azubis einsam im Homeoffice | BR24

© BR/Axel Mölkner-Kappl

Viele Auszubildende in bayerischen Unternehmen wechseln derzeit wegen der Corona-Pandemie zwischen Homeoffice und Ausbildungsbetrieb hin und her. "Schichtbetrieb" heißt das Zauberwort. Doch die Ausbildung daheim hat ihre Tücken.

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Azubis einsam im Homeoffice

Viele Auszubildende in bayerischen Unternehmen wechseln derzeit wegen der Corona-Pandemie zwischen Homeoffice und Ausbildungsbetrieb hin und her. "Schichtbetrieb" heißt das Zauberwort. Doch die Ausbildung daheim hat ihre Tücken.

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Mit dem Lockdown im März wurden die meisten Auszubildenden zunächst nach Hause geschickt. Unternehmen und Auszubildende waren verunsichert, die Ausbildung musste neu organisiert werden. Jetzt heißt es: Ausbildung im Schichtbetrieb. So soll sichergestellt werden, dass nicht alle Azubis gleichzeitig im Betrieb sind und ausreichend Platz für Hygienekonzepte ist.

Ausbildung im Homeoffice ohne soziale Kontakte

So zum Beispiel im Ausbildungszentrum des Netzbetreibers Bayernwerk in Pfaffenhofen. "Natürlich war es komisch", sagt Vanessa Heye, seit einem Jahr Auszubildende als Elektronikerin für Betriebstechnik beim Bayernwerk. Innerhalb kürzester Zeit wurden sie und die anderen Auszubildenden im Kundencenter des Bayernwerks heimgeschickt, als der Lockdown kam.

Was folgte, waren rund zehn Wochen Ausbildung im Homeoffice. Gefehlt haben ihr und den anderen dabei vor allem die sozialen Kontakte zu den anderen Azubis.

Den Auszubildenden fehlen die Kollegen

Wie der 18-jährigen Vanessa ging es tausenden Auszubildenden in Bayern. Mittlerweile hat sich die Ausbildung zu Corona-Zeiten eingespielt, doch wie früher ist nichts mehr. Derzeit unterrichten die Bayernwerke ihre oberbayerischen Auszubildenden in einer Art Schichtbetrieb. Ein paar Tage zuhause und ein paar Tage im Ausbildungszentrum in Pfaffenhofen. Wo normalerweise 170 Auszubildende lernen, sind derzeit jeweils nur 70 vor Ort – unter strengen Hygieneschutzmaßnahmen.

Ähnlich ist es beim Bau- und Maschinenbauunternehmen Bauer AG in Schrobenhausen. Nur ein Teil der 150 Auszubildenden sind derzeit im Betrieb. Die 18-jährige Ramona Mayr lernt dort im dritten Lehrjahr den Beruf der Technischen Produktdesignerin:

"Normalerweise kommt man in die Arbeit und hat Kollegen um sich herum, mit denen man viel reden kann. Und das ist dann zuhause schon abgegangen, der soziale Kontakt, andere Menschen zu sehen." Ramona Mayr

Betriebe rüsteten technisch für das Homeoffice auf

Das erleben derzeit junge Auszubildende, berichtet Eva Wohlfahrt, Bezirksjugendsekretärin bei der IG Metall in München. Nach holprigen ersten Wochen, in denen alle Azubis nach Hause geschickt wurden, organisierten die Unternehmen nach und nach digitale Lernplattformen und Videokonferenzen für ihre Auszubildenden. Das dauerte je nach digitaler Ausstattung auch mal etwas länger.

Das Bayernwerk war gut vorbereitet, denn jeder Auszubildende hatte schon vorher einen Dienst-Laptop und ein Dienst-Handy. Später wurden den Azubis noch Bausätze zur Programmierung nach Hause geschickt. Nach ein paar Wochen hatten sich die meisten daran gewöhnt. Bayernwerk-Ausbildungsleiter Tobias Marschner erzählt, dass natürlich jeder Auszubildende anders ist und manche sich schneller als andere ans selbständige Lernen und Arbeiten gewöhnt haben.

Ängste und Verunsicherung bei den Azubis

Die Situation hat bei vielen Auszubildenden auch Angst ausgelöst, weiß Eva Wohlfahrt von der IG Metall. "Wie geht es mit mir und meiner Ausbildung weiter? Habe ich noch einen Ausbildungsplatz?", hätten sich die jungen Leute gefragt. Doch diese Angst war zumeist unbegründet, denn Auszubildende genießen einen sehr hohen Kündigungsschutz.

Wenn Betriebe Ausbildungsstellen im neuen Ausbildungsjahr zum September nicht mehr neu besetzten, kritisiert das die IG Metall allerdings scharf. Schließlich spare man dann an den eigenen Facharbeitern von morgen, so Eva Wohlfahrt.

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